5 Fragen — 5 Antworten: mit Michael Kessler

Foto: Stephan Pick
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Michael Kessler (1967 in Wiesbaden geboren) ist ein deutscher Schauspieler, Komiker, Autor und Theaterregisseur. wissensschule tauschte sich mit ihm über seine aktive Schulzeit in der Theater AG, zukünftige Veränderungen beim Medium TV sowie Selbstdarstellungen junger Menschen in den sozialen Medien aus.

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nach der Schule oftmals nicht, wie es danach weiter geht — direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Wenn nur der sichere Weg für mich gezählt hätte, wäre ich kein Schauspieler geworden. Ich habe ganz stringent und risikobereit mein Ziel verfolgt – weil ich aber auch schon früh ein Ziel hatte. Wäre ich an den staatlichen Schauspielschulen abgelehnt worden, hätte ich mich umorientiert und andere berufliche Ideen ausprobiert. Auch ich hätte dann vermutlich etwas Zeit gebraucht um mich noch besser kennenzulernen und andere Talente in mir zu entdecken. Wichtig ist, immer offen für alles zu bleiben, ehrlich zu sich zu sein, sich realistisch einzuschätzen, Energie und Kraft zu investieren, flexibel zu bleiben und den Mut nicht zu verlieren.

Während Ihrer Schulzeit haben Sie bereits aktiv in der Theater-AG mitgewirkt. War das für Sie der Impuls bzw. der Auslöser, der Ihnen den Weg für Ihren weiteren beruflichen Werdegang geebnet hat?

Definitiv! Ich hatte das große Glück, dass meine Deutschlehrerin, Frau Irene Haus mein Talent zur Schauspielerei – von dem ich wirklich nichts ahnte – entdeckte und förderte. Sie löste in mir eine tiefe Leidenschaft für das Theater aus. Dafür werde ich ihr immer dankbar sein. Während der Schul- und Zivildienstzeit lernte ich dann als Statist am Staatstheater, wie die Arbeit einesprofessionellen Schauspielers in der Realität aussieht. Das war enorm wichtig und bestärkte mich darin, die Prüfung an einer staatlichen Schauspielschule zu absolvieren. Eine Privatausbildung kam für mich nicht in Frage. Als ich dann an der Bochumer Schauspielschule angenommen wurde ging mein Traum in Erfüllung.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will an den Schulen ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags einführen als Reaktion auf den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es ist eine hervorragende Idee, wenn unsere Schulen nicht nur den Satz des Pytagoras vermitteln, sondern jungen Menschen auch praktische Tipps und Hilfen an die Hand geben, das immer komplexer werdende Leben zu bewältigen. An vielen Schulen werden Schüler z.B. darin unterrichtet, wie sie glücklich sein können. Was für eine tolle Idee! Kreativität und Phantasie der Schüler müssen noch viel stärker gefördert werden, viele Stoffe in den Lehrplänen gehören längst modernisiert und verändert. 

Das mediale Verhalten der jungen Zielgruppe stellt nicht nur Zeitungsverlage sondern zunehmend mehr auch Fernsehsender vor Probleme. Sie wollen keine vorgegebenen Sendungen zu festen Zeiten sondern wollen jederzeit und an jedem Ort das sehen, was sie interessiert. Wie wird das Medium TV darauf reagieren und womit kann man diese ja nicht ganz unwichtige Zielgruppe “einfangen”?

Die Zuschauer sind erwachsen und mündig geworden. Das finde ich toll. Viele lassen sich nicht mehr mit stumpfsinnigem TV-Mist in engen Programmschemen abspeisen. Sie suchen mit Smartphone oder Tablet gezielt nach neuen, spannenden, informativen und unterhaltsamen TV-Formaten. Es gibt meiner Meinung nach eine große Sehnsucht der Zuschauer nach Qualität und Wahrhaftigkeit. Es ist unsere Aufgabe, die Zuschauer mit Qualitäts-Fernsehen zu versorgen. Da gibt es aber noch viel Nachholbedarf. Nicht nur die Mediatheken werden eine immer größere Rolle spielen. Mit Amazon und Netflix positionieren sich gerade komplett neue und scharfe Konkurrenten der klassischen TV-Sender.

Inszenierungen und Selbstdarstellungen in den sozialen Netzwerken sowie das Erstellen und Einstellen von kleinen Videos auf YouTube sind für viele junge Menschen erlebter Alltag. Mit welchen Gefühlen sehen Sie diese Entwicklungen?

Viele junge Menschen träumen davon, ein Star zu sein und im Mittelpunkt zu stehen. Sendungen, wie „DSDS“ oder YouTube-Clips mit hohen Klickzahlen suggerieren, dass jeder ein Star sein kann. Das ist aber nicht so. Große Stars wurden nicht über Nacht zum Star. Hinter ihnen liegt ein langer steiniger Weg voller Arbeit und Rückschläge. Nur wer wirklich Talent hat, hart an sich arbeitet und seinen Beruf professionell beherrscht und ausübt hat eine Chance für eine längere Zeit in künstlerischen Berufen erfolgreich zu überleben. Ein Arbeitsleben umfasst heutzutage immerhin fast 50 Jahre und nicht ein paar YouTube-Minuten.

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