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Canisius Hauptschule - Das Pilotprojekt TEEN COURT
Landauf, landab beklagen Erzieher, Eltern, Lehrer, Politiker, die Gesellschaft insgesamt einen Werteverfall bei Jugendlichen, der teilweise an Anarchie grenzt. Ein immer weniger ausgeprägter Ordnungssinn, eine Inakzeptanz gegenüber Regeln und Autoritäten gehören ebenso dazu wie ein kaum entwickeltes Unrechtsbewusstsein. Mit diesen Entwicklungen sind Lehrende und Lernende an den Schulen jeden Tag konfrontiert. Hier bildet auch unsere Schule, die in einem sozialen Brennpunkt des nördlichen Ruhrgebiets liegt, keine Ausnahme. Allerdings haben wir durch unser Projekt TEEN COURT, welches seit ca. eineinhalb Jahren läuft, in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Recklinghausen und der Schulsozialarbeit einen für unsere Schüler und alle Betroffenen gangbaren Weg gefunden, in kleinen Schritten im Schulalltag den oben beschriebenen Tendenzen entgegenzuwirken.
Das Prinzip ist denkbar einfach:
Unter Anleitung geschulter Fachkräfte setzt sich ein Schülergremium mit Verfehlungen der Mitschüler auseinander und berät über "Strafen", Wiedergutmachungen, Leistungen für die Schulgemeinschaft, welche der für Regelverletzungen Verantwortliche zu leisten hat.
Die Auswirkungen dieser Maßnahme sind vielfältig:
Über die Thematisierung von Regelverletzungen im Gremium wird das Unrechtsbewusstsein unserer Schüler gestärkt. Dies gilt gleichermaßen für die Mitglieder des "Schülergerichtes" und diejenigen, die als Opfer und Täter im TEEN COURT aussagen. Der Umgang miteinander ist in der Regel ein höflicherer geworden. Die dem Gremium angehörenden Schülerinnen und Schüler gewinnen Selbstwertgefühl und trainieren eine moderate, aber zielführende Argumentationsweise. Durch die Vorstellung des Projektes an anderen Schulen und Schulformen sowie durch die vielfältige Präsentation der Aktivitäten in den Medien lernen unsere Schüler, in der Öffentlichkeit aufzutreten und eigene Leistungen darzustellen. Sie erwerben so ungemein wichtige Schlüsselqualifikationen nicht nur für ihr späteres Berufsleben. Anders als bei den per Strafanzeige anhängigen Verfahren, haben wir im Zuständigkeitsbereich unseres TEEN COURT die Möglichkeit, zeitnah zu agieren und können so dem Eindruck entgegenwirken, tatsächlich passiere ja nichts oder nicht viel, wenn man etwas Unrechtmäßiges getan habe.
Inzwischen fungieren unsere TEEN COURT - Schüler als Multiplikatoren und besuchen andere Systeme wie zum Beispiel die Körperbehindertenschule in Gelsenkirchen-Hassel. Vertreter der Heinrich-Gutenberg-Hauptschule informierten sich bei uns über die Modalitäten des Projektes. Interesse bekundeten ebenfalls die Albert Schweitzer-Schule sowie die Hauptschule an der Wasserbank in Recklinghausen. Darüber hinaus informierten sich die Mitglieder des Arbeitskreises Schule der CDU im Rat der Stadt Recklinghausen über unser Projekt und stützen die Maßnahme.
