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Architektur in Bochum
Angefangen hat mein Architekturstudium in Bochum im Grunde genommen mit dem Eignungstest. Im Gegensatz zu anderen Hochschulen und Fachhochschulen wurde keine Mappe im eigentlichen Sinne verlangt, sondern nur eine Auswahl kleinerer Zeichnungen, sowie beim Test vor Ort eine Innen- und Außenraumperspektive als Freihandzeichnung. In meinem Jahrgang wurde außerdem ein Origami Kranich - die Faltanleitung lag anbei - als Aufgabe gestellt. Es wurde zwar bei mir mehr ein Schiffchen, letzten Endes sollte es aber daran nicht scheitern.
Man ging insgesamt ziemlich blauäugig in die Sache hinein. Zwar setzte man sich stundenlang mit den verschiedenen angebotenen Studiengängen auseinander, aber ein wirkliches Gefühl dafür, was einen erwartet bekam man nicht. Für Bochum entschied ich mich, weil der 8-semestrige Studiengang nach zwei Berufsjahren zur Eintragung in die Architektenkammer qualifiziert und man nicht gezwungen ist, den Master anzuschließen. Außerdem reizte einen die Blue - Box. Sie ist ein Gebäude direkt an der Hochschule in der jeder seinen Eiermann Tisch als Arbeitsplatz hat, sowie Tag und Nacht Zugang. In einem weiteren Raum gibt es außerdem einen PC - Pool mit ebenfalls Tag und Nacht zugänglichen Rechnern und einen Plotservice.
Ich hatte zwar stellenweise gelesen, dass das Architekturstudium unabhängig vom Studienort extrem Zeitintensiv sei, was ich noch früh genug zu spüren bekommen sollte, aber in diesem Ausmaß hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wer glaubt Studi-VZ Gruppen wie „Ich habe keine Freundin, denn ich studiere Architektur“, „Ich habe keinen Schlaf, denn ich studiere Architektur“ oder „Architekturzombie“ übertreiben…nein, das tun sie nicht. Kaffee wird dein bester Freund in den ersten zwei Semestern.
Das Aufgabenspektrum ist breit gefächert. Es gibt die eher technisch orientierten Fächer wie Baustofftechnologie, Baukonstruktion, dann ab dem 2. Semester Tragwerkslehre und die eher kreativen Fächer wie Gestaltung und Entwerfen. Freihandzeichnen ist für die Entwürfe unabdingbar, später wird man sich aber für die Abgabezeichnungen dann an den Rechner setzen und mit Architekturprogrammen wie Archi-Cad und Artlantis arbeiten. Man muss nicht als perfekter Zeichner das Studium antreten.
In Gestaltung wird das Meiste in diesem Bereich kultiviert. Stillleben, Perspektiven und Skizzen werden nach und nach das eigene Zeichnen deutlich verbessern.
In Entwerfen wird man nach und nach an den Prozess heran geführt und versucht sich selbst zunächst einmal an kleineren Objekten, vom eingeschossigen Wohnungsgrundriss bis zum Geschosswohnungsbau. Den Umgang mit Archi-Cad lernt man in Datenverarbeitung, wobei man sich hauptsächlich selbst einarbeitet an kleinen Übungen.
In Baukonstruktion lernt man alles technisch Notwendige vom Wand- bis zum Dachaufbau, vom Estrich bis zur Sauberkeitsschicht, Filterflies und Dampfbremse und dass es keinen Spaß macht Glaswolle anzufassen hat man schon beim achtwöchigen Baustellenpraktikum, das man vor dem Studium absolvieren musste gelernt. Es hätte zwar angenehmere Wege gegeben seine Rest Sommerferien zu verleben, es ist aber rückbetrachtend eine ziemlich sinnvolle Sache.
In Baustofftechnologie geht es hauptsächlich um physikalische Baustoffeigenschaften und in Tragwerkslehre um das Berechnen einfacher Tragwerke, äußerer Kräfte und Momente und innerer Schnittgrößen. Da jedes Fach von Übungen, die von Tutoren begleitet werden flankiert wird bzw. es Korrekturen vor der eigentlichen Abgabe gibt, wird man immer gut geleitet auch wenn die Erinnerungen an den Physikunterricht manchmal eher lückenhaft ausgeprägt sind. Aber es gibt eigentlich nichts, was man nicht noch während des Studiums lernen könnte. Baugeschichte lehrt einen Alles was man über Architektur, ihre Entstehung und ihre Wurzeln wissen sollte. Angefangen bei Imhotep und seiner Stufenpyramide in Sakkara bis zu Gerrit Rietvelds Schröderhaus.
Auf Exkursionen ging es auch. Holland und Schweiz standen in den ersten beiden Semestern an. Man sollte auf jeden Fall beachten sich morgens ein Butterbrot zu schmieren, denn Architekten brauchen auch nicht zu Essen, deswegen wird nach vier Stunden Busfahrt und stundenlanger Besichtigung vom Wohngebiet bis zur Brücke nicht Halt an einer Imbissbude gemacht. Aber man sieht viel und wenn man dann abends selbst auf Streifzug geht auch noch ein bisschen mehr, schlafen kann man schließlich im Bus und Amsterdam will niemand von seinem Hotel aus erleben.
Mittlerweile bin ich nun also im dritten Semester. Ich würde manchmal gerne mehr schlafen und mehr Zeit für meine Gitarre haben. Ich würde manchmal gern lieber der Florist an der Ecke sein und wissen wann ich nach Hause komme. Ich würde manchmal gerne auf die Mensa Kost (nehmt nicht die Nudeln, das ist nicht ihre Stärke) verzichten.
Trotzdem ist Architektur eine feine Sache und ans Aufhören will ich, auch wenn es wirklich nicht immer einfach ist, nicht denken.