Prof. Dr. Ingo Froböse: 5 Fragen — 5 Antworten

Foto: Monika Sandel.
Foto: Monika Sandel.

Professor Dr. Ingo Froböse (1957 in Unna geboren) ist Sportwissenschaftler, Sachverständiger des Bundestages in Sachen “Prävention”, wissenschaftlicher Berater verschiedener Sozialversicherungsträger sowie Autor zahlreicher nationaler und internationaler Publikationen. wissensschule tauschte sich mit ihm über Unterrichtsausfall im Sportunterricht, Abnehm-Wahn sowie seine sportlichen Aktivitäten aus.

Nachrichten über häufigen Ausfall von Sportunterricht und dass immer mehr Kinder zu spät schwimmen lernen sowie adipöse Kinder aufgrund mangelnder Bewegung machen die Runde. Wie denkt ein Experte wie Sie über solche Entwicklungen?

Die Entwicklung ist mit Blick auf die gesundheitliche Zukunft der Kinder äußerst besorgniserregend. So haben sich die koordinativen Fähigkeiten der Kinder in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent verschlechtert. Die zunehmende Zahl fettleibiger Kinder sowie der Wegfall von Sportunterricht bereiten uns Sportwissenschaftlern Sorgen. Immer lauter werden deshalb nicht zuletzt jene Stimmen, die sich für ein Handeln von Seiten der Gesetzgebung einsetzen – zum Wohle der Gesundheit nachkommenden Generationen!

Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendsurvey (2006 / Robert Koch Institut) zeigen, dass Kinder etwa neun Stunden pro Tag Sitzen und Liegen, fünf Stunden stehen und sich lediglich weniger als eine Stunde am Tag bewegen. Was für die Entwicklung der Kinder kein guter Weg ist. Eine frühkindliche Bewegungsschulung fördert beispielsweise unter anderem die Gehirnentwicklung und führt so zur Synapsenbildung sowie zur Vernetzung von Nervenzellen, was sich positiv auf die Lernfähigkeit auswirkt. Außerdem verhilft regelmäßiger Sport Kindern zu besserer Konzentrationsfähigkeit. Besonders in Zeiten von langen und fordernden Schultagen ist dieser Ausgleich für die Heranwachsenden immens wichtig.

Fitness-Apps versprechen Hilfe beim Joggen, beim Yoga und sogar beim Abnehmen. Was ist Ihrer Meinung nach davon zu halten?

Seit es die Technik möglich macht, gibt es eine  Vielzahl an Fitness-Apps und es werden täglich mehr. Teils unterstützen und motivieren sie den Sportler, zum Teil vergisst man mit Hilfe der Technologie leider zu oft auf die eignen Körpersignale zu hören, denn das ist immer noch der beste Rechner, den wir haben!

Alles in Allem kann man sagen, dass insbesondere erfahrene Sportler profitieren können.

Anfänger oder Einsteiger sollten Vorsicht walten lassen. Insbesondere bei Sportarten wie Yoga, bei denen die Qualität eine wichtige Rolle spielt ist davon abzuraten mit Hilfe einer App einzusteigen, da Hilfestellungen oder Korrekturen durch einen erfahrenen Trainer oder eine erfahrene Trainerin auf der Strecke bleiben.

Das Thema Gewichtsabnahme ist natürlich für viele ein Großes, hier gibt es große qualitative Unterschiede und man kann kein pauschales Urteil fällen. Wichtig hierbei: Die Mischung aus Bewegung und Ernährung muss stimmen, in Sachen Sport sollten Einsteiger auf jeden Fall ein persönliche Beratung der Technik vorziehen.

Eine Untersuchung der Universität Rostock belegt die hohe psychische und physische Beanspruchung von Lehrpersonen im Unterricht. Unterricht als psychischer und physischer Stress – dass der Lehrerberuf psychische Belastungen mit sich bringt, ist bekannt. Viele Lehrerinnen und Lehrer leiden unter chronischem Stress und psychischen Beeinträchtigungen. Haben Sie Ratschläge bzw. Tipps, wie man hier auch im Unterricht bzw. später wieder “runterkommt”?

Stresssituationen im Arbeitsalltag lassen sich leider häufig nicht vermeiden und die Ausschüttung von Stresshormonen lässt sich willentlich nicht verhindern. Doch Entspannung und Beruhigung kann man erlernen und trainieren, sodass die eigene Stresstoleranz erhöht und die Kompetenz Stress gezielt abzubauen erhöht wird.
So helfen zum Beispiel kleine Rituale, die man in stressigen Situationen anwenden kann. Schon eine Minute zwischendurch zum bewussten Innehalten reicht aus, wenn der Stress einem wieder über den Kopf zu wachsen zu scheint: häufiges konzentriertes tiefes und langsames Atmen in den Bauchbereich, regelmäßiges Dehnen verspannter Muskelpartien oder das bewusste Lenken der Gedanken an einen entspannten, ruhigen Ort können zu mehr Gelassenheit beitragen und Ärger und Stress deutlich reduzieren. Regelmäßige Bewegung und Sport in der Freizeit sind jedoch die wahren Superfaktoren der Stressbewältigung. Sie sorgen nachweislich dafür, dass der Körper schneller auf Stresshormone reagieren und diese rascher abbauen kann. Ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sind ebenso bedeutsam zur Stressbewältigung.

Als mehrfacher deutscher Vizemeister im Sprint (100+ 200 m) dürften Sie ja wohl heute immer noch recht fit sein. Wie sportlich geht es am Wochenende bei Familie Froböse zu? Morgens um 09.00 Uhr erst mal ein paar Bahnen im Schwimmbad, mittags eine Runde Joggen und abends vor dem Zubettgehen noch mal eben schnell aufs Trimmrad oder wird zwischendurch auch mal gesündigt?

Ich treibe immer noch regelmäßig Sport – 5x pro Woche laufe ich gemütlich ein Stündchen, am liebsten mit meiner Frau gemeinsam. Das Sprinten habe ich aufgegeben und überlasse ich den Jungen, heute genieße ich den Sport in vollen Zügen. Und auch regelmäßiges Muskeltraining steht auf dem Programm, à 30 Minuten ca. 4 mal pro Woche.  Am Wochenende geht’s auch gerne einmal aufs Rennrad, „Kachelnzählen“ tue ich weniger gern, muss ich gestehen.

Aber regelmäßiges und genüssliches, lukullisches Sündigen gehört ebenso zum Alltag dazu wie Pausen zur Erholung. Dazu zählt der unumstößliche Urlaub den ich über das ganze Jahr verteile, wie kleine Inseln der Ruhe. Außerdem handhabe ich es, wie ich es auch sonst weitergebe: Man muss sich auch hin und wieder mal mit etwas belohnen – ob das der Gang ins Kino oder ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte  ist, sei jedem offen gelassen.

Viele Menschen die abnehmen wollen, entscheiden sich für eine “Turbo-Diät” und schwören auf Produkte von Almased (die Herren der Schöpfung bestimmt der weiblichen Models wegen) bzw. Weight  Watchers. Wie beurteilen Sie dies und ist das aus gesundheitlicher Sicht der richtige Weg?

Das Hauptproblem von Diäten ist, dass keine Diät ein Leben lang aufrecht erhalten werden kann und somit ein Jojo-Effekt immer vorprogrammiert ist. Solang nicht eine nachhaltige Änderung des Lebensstils berücksichtigt wird, wird der Misserfolg leider das Ende des Diät-Liedes sein. Denn mit einer Diät verfährt unser Körper nämlich wie vor Urzeiten. Eine Diät ist für ihn wie eine Hungersnot. Um sich zu schützen reduziert er den Energieverbrauch drastisch, um für noch schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. Sobald die moderne „Hungernot“ beendet und wieder normal gegessen wird, werden neu eintreffenden Kalorien ganz schnell als Reservefett angelagert, weil sich der Körper gegen neue Notsituationen in denen der Körper wieder wenig Energie erhält wappnen will – das mühsam reduzierte Gewicht steigt also wieder in die Höhe. Der Effekt ist allgemein als Jojo-Effekt bekannt und auch gefürchtet.

70 Prozent der Energiemenge die Sie an einem Tag insgesamt verbrauchen, fallen auf den Grundumsatz. Also diejenige Energie, die Sie benötigen, um all Ihre Organe zu versorgen und Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Nur 30 Prozent fallen auf die Energie, die Sie durch zusätzliche Aktivität verbrauchen. Daher geht es beim erfolgreichen und nachhaltigen Abnehmen darum an der größten Stellschraube – nämlich dem Grundumsatz – zu drehen. Am effektivsten geht dies über gezielte Kräftigung der Muskulatur. Sie ist auch in Ruhe ein wahrer Energiefresser und Gold wert für die Energiebilanz. Ein Mehr an Muskulatur ist bereits durch simples regelmäßiges Krafttraining zu erreichen. Dieser Einsatz lohnt sich, denn nur so wird man die überschüssigen Pfunde dauerhaft los.

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