Gap Year: Volle Kraft voraus, rein ins echte Leben!

Gap Year: Volle Kraft voraus, rein ins echte Leben! Abi & jetzt!? Für Lernende

Was kommt nach der Schule? Diese Frage hat wohl jeden schon einmal beschäftigt. Für mich war die Antwort klar: Ein Gap Year. Das hatte verschiedene Gründe: Als ich das Abitur in der Tasche hatte, war ich gerade erst 16 Jahre alt. Zu früh für ein Studium! Ich konnte ja nicht einmal einen Mietvertrag alleine unterschreiben. Viele Arbeitgeber klagen heutzutage, dass den Schülern durch das G8-Schulsystem kaum Zeit bliebe, Praxiserfahrung zu sammeln. So entstand mein Plan, nach dem Abitur erst mal das wahre Leben kennen zu lernen, bevor ich mich in die nächste Bildungsetappe begebe.

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Die Möglichkeiten ein Gap Year zu verbringen sind vielfältig und zahlreich. Klassische Möglichkeiten sind ein Freiwilliges Soziales Jahr, Work & Travel oder Praktika. Auch ungewöhnliche Dinge sind möglich, wie etwa ein studium generale (z. B. im Leibniz-Kolleg), was besonders hilfreich ist, wenn man sich bei der Studienwahl noch unsicher ist. Andere Möglichkeiten sind Bundesfreiwilligendienste oder ein FSJ im Ausland, ein Au-Pair-Aufenthalt, eine Ausbildung (wobei man hier nicht mehr von einem Gap Year sprechen kann) oder oder oder… Als Minderjähriger musste ich für mich viele Möglichkeiten ausschließen: Dazu gehören Work & Travel und Au-Pair, denn unter 18jährigen ist das Arbeiten im Ausland oft aus Versicherungsgründen untersagt. Da ich mir bei meiner beruflichen Ausrichtung relativ sicher bin, wäre ein studium generale für mich persönlich nicht die beste Wahl gewesen.

Letztlich habe ich mich für mehrere Praktika entschieden. Sie haben den Vorteil, dass ich Praxiserfahrungen sammeln kann, die mich einerseits persönlich weiterbringen und andererseits auch von zukünftigen Arbeitgebern positiv aufgenommen werden: Laut der Studie Können belegen können des Forschungsinstitutes „Betriebliche Bildung“ im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung stufen 78% der Arbeitgeber das Lernen durch Berufserfahrung als wichtig oder sehr wichtig für beruflichen Erfolg ein. Der zweite Vorteil von Praktika ist, dass man dabei feststellen kann, für welche beruflichen Richtungen man sich interessiert.

Ich überlegte mir, welche Unternehmen und Branchen ich interessant finde, welche Bedeutung jedes Praktikum für meinen Werdegang und meine berufliche Entscheidungsfindung haben sollte und wie ich die Praktika zeitlich strukturiere. Es ist allerdings zu beachten, dass nicht jedes Unternehmen für Praktika geeignet ist: einige Branchen, vor allem die mit engen Kontakt zum Kunden, haben Geheimhaltungsverpflichtungen. Aus diesem Grund hätten Praktikanten in diesen Branchen wenig Einblick in den Arbeitsalltag und Praxisfälle. Man sollte daher im Voraus klären, welche Aufgaben man als Praktikant übernehmen kann.

Mein finaler Plan sieht vor, dass ich von September ein dreimonatiges Praktikum bei Otto in der Business Intelligence, genauer gesagt im Bereich Agile Product & Data Management, mache. Das umfasst die Auswertung von Nutzerdaten, mit dessen Hilfe generalistische Vorgänge im Unternehmen erstellt und angepasst werden, um für ein besseres Nutzererlebnis zu sorgen. Der Sinn hinter diesem Praktikum ist, das Thema „Big Data “ in verschiedenen Facetten kennenzulernen, da es in der Wirtschaft sehr zukunftsträchtig und wichtig ist. „Daten sind das neue Gold“, sagt Matthias Hartmann, Chef des größten Marktforschungsinstituts Deutschlands GfK.

Mein zweites Praktikum werde ich bei der BDOWirtschaftsprüfungsgesellschaft absolvieren. Dieses zweimonatige Praktikum hängt thematisch direkt mit meiner dritten Praktikumsstation bei Ernst & Young zusammen. Auch Ernst & Young ist eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, bietet aber gleichzeitig auch Unternehmensberatung – Advisory – an. Während ich bei der BDO in der „klassischen“ Wirtschaftsprüfung tätig sein werde, bin ich bei Ernst & Young in der Advisory, genauer gesagt im Risk Management. Diese beiden Praktika habe ich mir ganz bewusst gesucht, um die Unterschiede zwischen diesen zusammenhängenden Bereichen kennenzulernen und zu entscheiden, ob ein späterer Job in der Unternehmensberatung möglicherweise auch für mich in Zukunft interessant sein könnte.

Mein letztes einmonatiges Praktikum wird in der kleineren Vermögensverwaltung antea sein. Weil ich hier aufgrund der oben genannten Geheimhaltungsverpflichtungen nicht in der Vermögensverwaltung selbst tätig sein darf, werde ich im Fond-Management eingesetzt. Ich habe mich für dieses Praktikum entschieden, um mir auch Wissen im Finanzmarkt anzueignen.

Bei der Wahl meiner Praktika habe ich grundsätzlich auf Vielfalt geachtet. Bei Otto erhalte ich Einblicke in ein familiär geführtes großes Unternehmen. BDO und Ernst & Young sind als international agierende Netzwerke organisiert. Antea ist mit etwa 10 Mitarbeitern im Vergleich zu den anderen Unternehmen klein. Nicht nur die Größen der Unternehmen sind verschieden, sondern auch meine Aufgaben und Tätigkeitsfelder in diesen. Dazu ist es sicher interessant, die verschiedenen Formen der Organisation, Selbstorganisation und Unternehmenskultur kennenzulernen.

Midas Kempcke

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