Warm-Up für’s Studium: Erfahrungsbericht meines Frühstudiums

Warm-Up für's Studium: Erfahrungsbericht meines Frühstudiums Erfahrungsberichte Studium
Foto: FOM Hochschule

Während der 11. Klasse entdeckte ich mein Interesse am Thema Wirtschaft. Über das außerschulische Angebot „Akademie für Oberstufenschüler“ wurde ich auf die Claussen-Simon-Stiftung aufmerksam. Sie fördert durch verschiedene Förderprogramme Schüler und Studierende, u. a.  durch das Programm „Begeistert für Wirtschaft und MINT“: Es bietet motivierten und leistungsstarken Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, neben der Schule an der FOM Hochschule zu studieren. Die Studiengänge reichen von Business Administration über International Management bis hin zu Maschinenbau. Das Frühstudium ist möglich, weil die FOM eine berufsbegleitende Hochschule ist, d.h. den Studierenden ist es möglich, neben dem Studium zu arbeiten. Deshalb finden alle Vorlesungen abends in der Woche und am Samstag statt. Daher ist das Studium an der FOM auch mit der Schule zeitlich vereinbar.

Das Bewerbungsverfahren wirkte anfangs recht aufwändig, ist bei näherer Betrachtung aber machbar. Die Online-Bewerbung (www.bfwirtschaft.de) war in zwei Abschnitte aufgeteilt: Im persönlichen Teil sollte ich meine Motivation, mein Interesse an bestimmten Branchen und meine Pläne für die Zeit nach dem Abitur beschreiben (https://www.wissensschule.de/gap-year-volle-kraft-voraus-rein-ins-echte-leben/). Außerdem sollte ich die Kernpunkte meines Lebenslaufs ausformulieren. Im sachlichen Teil ging es um eine ökonomische Fragestellung, zu der ich einen Essay schreiben sollte. Im Fokus stand das Thema „Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat das Wirtschaftsingenieurwesen für Deutschland?“. Diese Herausforderung blieb mir sehr positiv in Erinnerung, denn sie gab mir die Möglichkeit, mich mit Inhalten zu befassen, mit denen ich mich bislang noch nicht beschäftigt hatte. Als Letztes brauchte ich noch die schriftliche Empfehlung eines Lehrers sowie die Befürwortung meiner Eltern. Dann war die Bewerbung geschafft.

Die zweite Hürde war das Auswahlseminar, zudem alle ausgewählten Kandidaten in die Claussen Simon Stiftung nach Hamburg eingeladen wurden. Am Anfang gab es eine Gruppenaufgabe, für die wir in zwei 6er-Gruppen eine Viertelstunde Zeit hatten. Mit unterschiedlichen Materialien mussten wir gemeinsam im Team ein Boot konstruieren, das möglichst viele Münzen tragen sollte. Die Gruppenaufgabe am Anfang war sehr gut, um die anfänglichen zwischenmenschlichen Blockaden abzubauen und die anderen Bewerber kennenzulernen. Trotzdem konnte jede/r gut zeigen, wie man bei so einer Aufgabe unter Zeitdruck agiert und welche Rolle jede/r Einzelne in einer Gruppe einnimmt. Außerdem gab es drei Gespräche, die stets in Dreiergruppen stattfanden. In einem Gespräch ging es um die eigene Fähigkeit, ein Frühstudium neben der Schule zu organisieren. Ein weiterer Dialog  orientierte sich an zwischenmenschlichen Fragen. Im dritten Gespräch ging es um Grundkenntnisse über Wirtschaft und um die Fähigkeit, spontan Aufgabenstellungen zu lösen und miteinander zu diskutieren. Die Dreiteilung in organisatorische, psychologische und fachliche Aspekte hatte zwei Vorteile: Einerseits kann sich die Stiftung ein breites Bild von den Bewerbern machen. Dadurch wird über die Eignung der Bewerber nicht nur z. B. anhand von fachlichen Kriterien entschieden, sondern auch über soziale Kompetenzen und Aspekte, die z. B. für das nötige Durchhaltevermögen und die Zusammenarbeit mit anderen Stipendiaten und Kommilitonen wichtig sind. Andererseits wird man sich als Bewerber selbst über Dinge bewusst, die man so vorher noch nicht über sich wusste. Die Dreiergruppen haben dazu beigetragen, die Nervosität zu verringern und für eine lockere und entspannte Atmosphäre zu sorgen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass ein solches Auswahlseminar schon gut auf spätere Bewerbungsgespräche und Assessment Centers vorbereitet, die jeder im Leben noch vor sich haben könnte.

Als ich nach einigen Tagen die Zusage für das Schülerstipendienprogramm „Begeistert für Wirtschaft & MINT“ bekam, vereinbarte ich einen Termin mit der FOM Hochschule vor Ort, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zunächst wählte ich einen Studiengang aus, anschließend konnte ich Module wählen, die mich interessieren. Am einfachsten funktioniert das, wenn die Module alle in einem Semester liegen. Ob die Vorlesungen werktags am Abend oder am Freitagabend und Samstag stattfinden, hängt davon ab, ob man im Winter- oder Sommersemester startet und welchem Semester die gewählten Module zugeordnet sind. Für gewöhnlich darf man pro Semester 13 Credit Points sammeln. Im ersten Semester wählte ich das Modul Management Basics. Es ist für das erste Semester sehr gut geeignet, weil es einen Überblick über viele Themen der BWL bietet. Die Themen der Vorlesungen variierten sehr stark, reichten von Angebot & Nachfrage über Unternehmensanalyse bis hin zu Kosten- und Leistungsrechnung. Die Themen wurden stets gut und verständlich erklärt, wodurch man auch als Schüler relativ problemlos folgen konnte. Die Folien der Präsentationen waren eine weitere Hilfe und sehr gut strukturiert. Da man sie auch zu Hause über den Online-Campus abrufen konnte, waren sie auch hilfreich für die Vor- und Nachbereitung sowie für das Lernen in Vorbereitung auf die Prüfung.

Der Unterschied zur Schule machte sich vor allem darin bemerkbar, dass die Studenten eher wenig mit einbezogen wurden – was auf der einen Seite natürlich weniger spannend ist, auf der anderen Seite aber eine gute Vorbereitung auf das richtige Studium darstellt.

An manchen Stellen wurde klar, dass einem als Schüler zuweilen die Praxiserfahrung fehlt, die die älteren Kommilitonen schon eher mitbringen. Die Relevanz einiger Inhalte für die Betriebswirtschaft bzw. ein Unternehmen war meiner Meinung nach manchmal schwer zu erkennen, wenn man nicht selbst schon in einem Job arbeitet. Ab und an bringen die Dozenten zwar Beispiele aus der Realität ein. Häufig muss man sich allerdings darauf einstellen, eher theoretische als praktische Kenntnisse zu erlernen.

Wie bereits erwähnt, bot das Modul Management Basics eine Fülle an verschiedenen Themen. Der Nachteil war, dass keines der Themen wirklich intensiv und in die Tiefe besprochen oder diskutiert wurde. Die Inhalte wurden in den meisten Fällen nur vermittelt, aber nicht weiter analysiert oder diskutiert. Die Vorteile überwiegen aus meiner Sicht dennoch: Zum einen bekam ich einen sehr breiten Überblick über die verschiedensten Themen, zum anderen erhielt ich gleichzeitig einen guten Eindruck davon, welche Inhalte im weiteren Verlauf des Studiums folgen würden. Ich entwickelte ein Gespür dafür, welche Themen mich besonders interessieren und ich ggf. als zweites Modul wählen würde.

Da ich im ersten Semester nur ein Modul absolvierte, war der Arbeitsaufwand für mich gut zu bewältigen. Die Inhalte waren zwar nicht anspruchslos, allerdings nicht auf einem so hohen Niveau, dass ich nach jeder Vorlesung noch sehr lange nacharbeiten hätte müssen, um sie zu verstehen. Aufgrund des großen Umfangs an Inhalten musste ich jeweils vor den Klausuren allerdings noch viel lernen. Das variierte von relativ monotonem Auswendiglernen (vor allem bei den Themen wie „strategisches Management“ und „Risikomanagement“) bis hin zum Verstehen von Themen, die rein logisch Sinn ergaben, sodass ich sie nicht auswendig lernen musste (wie bei „Marktsegmentierung“ oder „Angebot & Nachfrage“). Die tatsächliche Herausforderung der Prüfung bestand also nicht im Schwierigkeitsgrad der Inhalte, sondern in der Masse an Themen. Als Schüler ist man noch nicht unbedingt gewohnt, nur eine umfangreiche Prüfung pro Semester absolvieren zu müssen statt mehrerer kurzer Klausuren zu schreiben.

Im zweiten Semester wählte ich Mikroökonomik & Neue Institutionenökonomik. Die Inhalte des Moduls waren zwar sehr theoretischer Natur, aber für mich persönlich trotzdem sehr interessant. Hier war es – im Gegensatz zum letzten Semester – nicht so gravierend, dass ich keine Arbeitserfahrung wie die anderen Kommilitonen hatte, da die Themen eher volkswirtschaftlich waren. Die vielseitigen, oft interessanten Beispiele, die die Dozenten erläutert haben, trugen hervorragend zum Verständnis bei.

Der Arbeitsaufwand für die Prüfung war ähnlich hoch wie in Management Basics, allerdings diesmal nicht aufgrund der Masse an Inhalten, sondern eher wegen der Komplexität der Themen. Ich konnte mich aber bereits besser organisieren als im letzten Semester (auch, weil die Schule zum Zeitpunkt der Prüfung im Juli schon vorbei war). Ich konnte die Inhalte schon direkt nach den Vorlesungen nacharbeiten, sodass ich vor der Prüfung weniger wiederholen musste. Außerdem habe ich mich auf die Klausur im Team einer Lerngruppe vorbereitet, was mir sehr geholfen hat und eine neue Erfahrung für mich war. Glücklicherweise stellten die mathematischen Anforderungen kein Problem dar, sondern bewegten sich durchgängig auf Oberstufenniveau, es war also nicht notwendig, vorher das Mathematik-Modul zu belegen.

Das Frühstudium selbst brachte neben den inhaltlichen Einblicken auch noch weitere persönliche Erkenntnisse. Durch das Frühstudium habe ich gelernt, meine Zeit so effektiv wie möglich zu planen und neben Schule, Engagement und Sport weitere Prioritäten zu setzen. Außerdem musste ich beurteilen, wie intensiv ich den Stoff vor- und nacharbeiten und mich auf die Prüfung vorbereiten musste. Hier wurden meine Kompetenzen definitiv erweitert. Zudem habe ich viel über das Studium selbst gelernt. Dazu gehört, wie ein Studium aufgebaut ist, wie eine Vorlesung abläuft, was die Dozenten von ihren Studenten erwarten und wie die Klausuren ablaufen.

Diese Erfahrungen sind eine gute Stütze für das tatsächliche Studium nach der Schule, weil ich so die Abläufe bereits kenne und mich nicht von Null komplett neu einfinden muss. Die Interaktion mit den Kommilitonen war ebenfalls eine gute Erfahrung. Ich war froh, dass ich voll akzeptiert wurde. Die gegenseitige Hilfe und Unterstützung mit dem Lernstoff war gängige Praxis, insbesondere wenn man mal eine Vorlesung nicht besuchen konnte. Über mich selbst habe ich gelernt, dass es mich eher in Richtung volkswirtschaftlicher als betriebswirtschaftlicher Themen zieht, da ich die Inhalte im 2. Semester (Mikroökonomik & Neue Institutionenökonomik) deutlich spannender fand als die im 1. Semester (Management Basics). Über meine Erfahrungen als Frühstipendiat wurde ich auch in einem Interview für die Website der FOM Hochschule befragt.

Neben den Erfahrungen vom Frühstudium selbst gab es vielfältige ideelle Förderangebote durch die Claussen-Simon-Stiftung. Wie bereits erwähnt, war schon das Auswahlseminar eine gewisse Art Förderung, denn sowohl das Feedback als auch die Gespräche habe ich als sehr hilfreich und wertvoll empfunden. Ich fühlte mich gut vorbereitet auf das Frühstudium und andere Bewerbungsgespräche und konnte die hier gewonnenen Erkenntnisse z. B. bei einem Bewerbungsgespräch für ein Praktikum bei Ernst & Young einsetzen. In meiner Zeit als aktiver Stipendiat habe ich an mehreren Angeboten teilgenommen: Zunächst bei einem Regionalgruppentreffen, wo ich mit anderen Stipendiaten/-innen unterschiedlicher Förderprogramme der Claussen-Simon-Stiftung Kontakte knüpfen und mich über schulische und berufliche Fragen austauschen konnte. Im Workshop „Chancenreicher bewerben” erhielt ich abseits üblicher Phrasen wertvolle Tipps rund um Anschreiben und Vorstellungsgespräch. Des Weiteren nahm ich am 10. Forum der Claussen-Simon-Stiftung teil, wo es über zwei Tage hinweg Workshops und Vorträge zu wirtschaftlichen Themen gab, z. B. über die Bedeutung des Hamburger Hafens, Unternehmensgründung während der Schulzeit und über die Gründung eines kulturellen Non-Profit-Startups. Darüber hinaus wurden berufliche Aspekte behandelt, z. B. ein Studium im Ausland. Die Vorträge an den beiden Tagen des Forums haben meinen Horizont sehr erweitert, da ich mich mit Themen über den Tellerrand hinaus befasst habe, die mir zuvor so noch nie begegnet sind. Dazu kommt, dass der Austausch mit den anderen Stipendiaten sehr fruchtbar und ermutigend ist. Ich bin nun z. B. viel motivierter, mich auch im Ausland für ein Studium zu bewerben.

Zusätzlich gibt es noch viele weitere Workshops der Claussen-Simon-Stiftung und die Akademien für Oberstufenschüler, bei denen Schüler/-innen aus Hamburg und aktive Stipendiaten/-innen drei Tage lang an Vorlesungen und Workshops zu einem Thema teilnehmen. In diesem Jahr ist es z. B. das Thema „Wirtschaftsrecht – zwischen Ethik und Profit”. Für all diese Events werden aktive Stipendiaten nach Hamburg eingeladen, wobei die Fahrtkosten und das Hotel von der Stiftung erstattet werden – die persönliche Finanzlage ist also keine Einschränkung.

Da meine Schulzeit und somit auch das Frühstudium vorbei sind, bin ich nun kein aktiver Stipendiat mehr, sondern Alumnus. Dennoch habe ich verschiedene Möglichkeiten, mich weiterhin aktiv einzubringen, z. B. bei Stipendiatentreffen. Das diesjährige Treffen findet in Ratzeburg statt. Auf die Themen bin ich bereits jetzt gespannt.

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