Prof. Dr. Christiane Alberternst von der Hochschule Coburg forscht zum Thema
Social Media als ständiger Begleiter: Wie beeinflussen Instagram, TikTok und Co. den Selbstwert von Jugendlichen? An der Hochschule Coburg erforscht Prof. Dr. Christiane Alberternst das psychische Befinden junger Menschen im digitalen Raum und beleuchtet die Rolle von Algorithmen sowie elterlicher Begleitung. Einen tiefen Einblick in ihre Forschung gab sie auch im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften (LNdW) am Freitag, 8. Mai, an der Hochschule Coburg.
Soziale Medien sind aus dem Alltag vieler Jugendlicher nicht wegzudenken. Laut der aktuellen JIM‑Studie 2025 nutzen rund 60 Prozent der Jugendlichen Social Media mindestens wöchentlich, ein Großteil sogar täglich. Zugleich zeigt eine DAK‑Studie, dass ein relevanter Anteil von etwa 28 Prozent bereits riskante oder suchtnahe Nutzungsweisen aufweist. Für Prof. Dr. Christiane Alberternst von der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Coburg ist das ein wichtiges Forschungsfeld: Sie möchte untersuchen, wie Social-Media-Konsum und der Selbstwert bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenwirken und was junge Menschen im digitalen Raum psychisch stärkt.
Soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube machen einen Großteil des Medienkonsums aus, weiß Prof. Dr. Alberternst: „Die JIM-Studie weist fast vier Stunden Smartphone-Zeit pro Tag aus. Bildbasierte Apps werden von über der Hälfte mehrfach täglich genutzt.“ Doch nicht alles sei negativ, so die Professorin: „Forschungsergebnisse zeigen kleine bis moderate Zusammenhänge, abhängig von Person, Nutzungsmuster und Inhalt.“ Es hänge also stark von den jeweiligen Personen ab.
Wenn Algorithmen krank machen
Doch auch die Gestaltung der Plattformen steht in der Kritik, da sie gezielt suchtfördernde Mechanismen nutzt. Im März 2026 sprach ein US‑Gericht Meta und YouTube wegen fahrlässigen Designs schuldig. „Die Suchtgefahr ist hoch, da Verstärkungsmechanismen wie Likes und Reichweite wie Belohnungen wirken. Das fördert intensive Nutzung und führt in einen Teufelskreis“, warnt Alberternst.
Für Jugendliche ist das fatal, denn in der Pubertät entwickelt sich die Identität, und Vergleiche mit anderen gehören dazu. Alberternst: „Vergleiche mit hyperattraktiven Influencer und Influencerinnen, die mit Fotofiltern und Beauty-OPs unerreichbare Idealnormen vorgeben, verstärken die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, sind mit negativer Stimmung und mehr Selbstobjektifizierung verbunden. Das fördert depressive Symptome und essgestörtes Verhalten bei ohnehin vulnerablen Jugendlichen.“
Messenger wie WhatsApp oder Telegram erleichtern den Kontakt außerhalb der Schule, bergen aber auch Risiken. Es brauche dringend elterliche Begleitung und klare Grenzen, mahnt die Professorin.
Schönheitsideal digital
Besonders betroffen seien vor allem Jugendliche mit Symptomen psychischer Erkrankungen, wie Ängsten oder Depressionen, sowie Jugendliche, die Einsamkeit erleben. Sie haben ein erhöhtes Risiko für negative Aspekte der Nutzung sozialer Medien und berichten häufiger von Stimmungsabhängigkeit durch Likes und mangelnder Kontrolle. „Wer vorbelastet ist, wird durch die Nutzung noch stärker negativ beeinflusst.“
Schon das Scrollen durch vermeintlich perfekte Ideale kann die Selbstwahrnehmung stören, selbst bei Erwachsenen. Der normale Körper wird im Vergleich abgewertet, ein gesunder Körperbau plötzlich als zu dick empfunden. Das kann massive psychische und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen.
Grenzen, Regeln, Weiterbildung
Christiane Alberternst empfiehlt Eltern daher, sich rechtzeitig zu informieren und eine Kombination aus Grenzen und Regeln für die Nutzung sozialer Medien aufzustellen. „Die Begleitung Ihrer Kinder mit Gesprächen, Regeln und einem guten Vorbild führt zu den besten Ergebnissen bei Jugendlichen.“ Ihr Tipp für Jugendliche: „Habt mindestens zwei gute Freunde oder Freundinnen im realen Leben, verbringt mehr von eurer freien Zeit offline als online und sprecht über das, was ihr da seht, mit vertrauten Menschen. Je krasser die Inhalte sind, desto wichtiger ist das.“
Infos zu Christiane Alberternst:
Prof. Dr. Christiane Alberternst ist Professorin und Dekanin an der Hochschule Coburg. Ihre Expertise liegt vor allem in der psychosozialen Beratung und in den psychologischen Grundlagen der Sozialen Arbeit.
- Seit 2019Professorin an der Hochschule Coburg.
- 1992–1999Studium der Diplom-Psychologie an der TU Braunschweig.
- 1999–2002wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
- Forschungsschwerpunkte: Gesprächsqualität in Beratung und Führungsbeziehungen, Auswirkungen von Schulfrühstück auf Schüler und Schülerinnen.
- Funktionen an der Hochschule: stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte für Frauen in Wissenschaft und Kunst, Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit.
- Ehrenamtliches Engagement: Vorstand im Verein „dick und dünn Nürnberg e.V., “
Aktueller thematischer Bezug:
Die Hochschule Coburg ordnet sie aktuell auch einem Forschungsbezug rund um Jugendliche, Social Media und psychisches Befinden im digitalen Raum zu.