Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

5 Fragen — 5 Antworten mit Michael Hähnel

4. August 2021

Michael Hähnel (1966 in Göttingen geboren) ist ein deutscher Manager. Seit Januar 2020 hat er den Vorsitz der Geschäftsleitung des Familienunternehmens Rügenwalder Mühle übernommen.

Die Frage, was man nach der Schule vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen heute raten?

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, sich selber treu zu bleiben. Ist man eher der sicherheitsliebende Typ? Oder macht man sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf? Das ist alles in Ordnung, am Ende des Tages muss man selber zufrieden sein. Aber egal für welchen Weg sich die Schulabsolvent:innen entscheiden, sie sollten immer offen für Veränderungen bleiben und auch den Mut haben, neue Wege zu gehen. Dann wird es sicher nicht langweilig. 

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach "mehr lebensnahem Unterricht" geäußert wurde, und Themen wie z. B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Die Schule ist der wichtigste Grundstein für eine umfassende Bildung. Sicher ist aber auch, dass viele Schüler bei ihren ersten Schritten in Richtung Eigenständigkeit und Berufsleben vor neue Herausforderungen gestellt werden. Ideal wäre es, junge Menschen auch darauf vorzubereiten und so die Selbstständigkeit weiter zu fördern. Das kann aber bestimmt nicht die Schule alleine lösen, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Im Juli letzten Jahres hat Ihr Unternehmen mehr Umsatz mit Veggie-Produkten gemacht als mit klassischen Fleischprodukten. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung, haben sich die Verbraucher gerade in Corona-Zeiten bewusster mit Ernährung auseinandergesetzt?

Wir bei der Rügenwalder Mühle haben schon seit längerer Zeit beobachtet, dass viele Menschen weniger Fleisch und Wurstprodukte essen möchten. Dafür gibt es viele verschiedene Gründe – Klimaschutz, Tierwohl oder die eigene Gesundheit zum Beispiel.

Dazu kommt, dass viele Menschen während des Lockdowns wieder mehr selbst zu Hause gekocht haben, Kantinen und Restaurants hatten ja geschlossen. Und wer mehr selber kocht, setzt sich automatisch intensiver mit dem Thema Ernährung auseinander oder probiert auch mal neue Sachen wie vegetarische und vegane Alternativen aus.

Mit der Aufnahme alternativer Fleisch- und Wurstprodukte bewegen Sie sich vom Wurst- zum Lebensmittelhersteller. Dieser Markt ist heiß umkämpft, in denen sich sowohl Multis wie Nestlé und Kraft, aber auch Start-ups wie Impossible Foods bzw. Beyond Meat tummeln. Entscheidet hier das jahrzehntelang hart erarbeitete Vertrauen der Verbraucher und die Glaubwürdigkeit eines Familienunternehmens über die Marktmacht Ihrer Mitbewerber?

Absolut! Bei der Rügenwalder Mühle stellen wir seit 1834 Wurst- und Fleischwaren her – wir wissen also, worauf es ankommt! Unsere langjährige Erfahrung konnten wir auf unsere vegetarischen und veganen Produkte übertragen, um damit leckere pflanzliche Alternativen herzustellen. Außerdem wissen unsere Kunden schon seit Generationen: Wo die rote Mühle drauf ist, sind leckere Qualitätsprodukte drin – das hat sich beim Start unserer vegetarischen und veganen Produkte sicher positiv ausgewirkt.

Gerade junge Menschen ernähren sich bereits seit Jahren verstärkt vegetarisch bzw. vegan, Überzeugungsarbeit bei dieser Zielgruppe ist somit obsolet. Wie aber verhält es sich bei der älteren Zielgruppe, die Fleisch und Wurst aus Pflanzen nicht unbedingt favorisieren? Mit welchen Argumenten kann man sie überzeugen?

Als Familienunternehmen ist es uns wichtig, dass sich jeder Mensch nach seinen Vorlieben ernähren kann, wir stellen Produkte für alle her und bringen alle an einen Tisch. Wir freuen uns natürlich, wenn auch die ältere Generation zu den Alternativen greift. Denn bezüglich der Umweltbilanz und im Hinblick auf den Klimawandel und die wachsende Weltbevölkerung haben vegetarische und vegane Produkte viele Vorteile. Aber wir möchten niemanden missionieren.

Veröffentlicht am 04.08.21

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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