Jung und unsicher: Vernetzt rundum

Eine Glosse von Marie Kremmer

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Das Statement: ‘Früher war alles besser’, wie es ältere Leute gerne benutzen, wird der Jugend 2017 nicht gerecht. Allein wie sich Teenager äußerlich verändert haben, weist auf große Unterschiede zwischen der Jugend von 2017 im Vergleich zu vor knapp 10-20 Jahren hin. Diese Jugend ist die Generation, die mit der Digitalisierung nicht nur groß wird, sondern auch die Transformierung in Schulen und im Alltag miterlebt. Schulen wechseln zunehmend auf sogenannte ‘Whiteboards’, Tablets, Laptops, Beamer und andere interaktive Tafeln um. Technologie, die wir im Alltag benutzen, nimmt zu und inzwischen stellt es kein Problem mehr dar, Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel mit Hilfe des Internets und einer Plattform innerhalb von Minuten zu erreichen. Doch stellt die Digitalisierung und unsere Möglichkeiten nicht auch Gefahren und weitere Probleme dar, deren Jugendliche sich nicht bewusst sind? Wie geht die Jugend mit der Digitalisierung um, und was für Hürden muss sie überwinden? Wo muss umgedacht werden und wo müssen andere Perspektiven her, neue Blickwinkel und zunehmend kritisches Denken?

Allein im Jahre 2017 haben laut der JIM Studie diesen Jahres 92% der 12-13-Jährigen ein Handy, während 98% der 14-15 und die 16-17-jährigen ein Handy haben. Die 18-19 jährigen schließen mit 99% ab.  Es ist nichts Neues, dass durch die Digitalisierung Jugendliche und immer mehr Menschen auf ‘Social media’ zurückgreifen und mit Plattformen wie Whatsapp, Instagram, Snapchat und co. ihre Zeit vertreiben.  Fährt man Bus und Bahn, sieht man Jugendliche die meiste Zeit ‘verstöpselt und verkabelt’ mit In-Ear Kopfhörern.

Ich fragte einige meiner Mitschüler, warum sie so von sozialen Netzwerken abhängig sind und die so genannte ‘FOMO’ (Fear Of Missing Out) scheint ein Grund zu sein, da Jugendliche immer mehr ‘up to date’ sein wollen, Angst haben, etwas zu verpassen und ihren Idolen durch das Internet nahe sein wollen. Die Faszination, was Kylie Jenner jetzt als nächstes für hirnlose Selbstdarstellung publiziert, und welche Kosmetik sie wieder limitiert zum Verkauf bereitstellt, lässt Mädchenherzen höherschlagen: ‘Oh wie cool! muss ich haben!’, doch eigentlich steckt da vielmehr hinter. Es ist vielmehr nachdem Motto ‘Nur wenn ich das habe, bin ich cool’ oder ‘nur mit diesem Produkt bin ich ein besserer Mensch’. Hinterfragt man dies, stellt man fest, dass wir uns nicht immer die neuesten Sachen kaufen müssen und sollen, um ‘gut da zustehen’.  Allerdings ist es auch nichts Neues, dass sich Jugendliche Anziehsachen und andere Produkte kaufen, um ihren Wert über Statussymbole in die Höhe zu treiben, im Sinne von: ‘Ich kann mir das leisten, ich bin ein besserer Mensch’. Es ist eine unbewusste Fassade, die es ermöglicht, sich hinter Marken und dem vermeintlichen Idealbild zu verstecken. Wohlgemerkt verdienen sich Firmen und Marken dusselig an Trends und so genannten ‘Hypes’ und an den Jugendlichen, die meinen, sie müssten z.B. das neue Iphone X haben und den Schal von der neuen Gucci Kollektion – welcome to Düsseldorf.

Jugendliche meinen durch Produkte ihre innerliche Verunsicherung verbergen zu können: ‘Bin ich jetzt nur etwas wert, wenn ich diese Sneaker von Valentino habe und dieses Top von z.B. Subdued?’ oder‘ mögen mich Leute jetzt nur, wenn ich dies oder das tue, so agiere oder so spreche?’’ Dies sind nur weitere Fassaden, die Jugendliche aufsetzen, um sich besser zu fühlen und sicherer, nachdem Schema ‘cooler, besser, schöner, reicher’.

Ein weiteres Problem ist, dass die Zielgruppe, die Social Media benutzt, immer jünger und beeinflussbarer wird. Durch den weiteren exzessiven Konsum von Instagram und Co vergleichen sich Mädchen und Jungen mit den Bildern, die sie im Netzsehen, die teils bearbeitet und retuschiert wurden oder unrealistisch sind und damit eine Gefahr darstellen. Vor allem wird ein unglaublicher Druck auf die Mädchen heutzutage ausgeübt, dem ‘Idealbild’’ zu folgen, nur um von anderen als wohl möglichst ‘perfekt’ angesehen zu werden. Welchen Sinn ergibt es, sich einzureden, weniger wert zu sein, nur weil man nicht so toll aussieht wie die Person auf dem Bild erscheinen mag? Welchen Sinn ergibt es, sich deshalb abzuhungern, oder vier mal die Woche Sport zumachen, auf Süßigkeiten und gutes Essen zu verzichten, sich Workout Videos online anzusehen, nur um einem abgewrackten Spiegelbild der Gesellschaft immer gleicher zu werden?

Ärgerlich ist jedoch, dass der Großteil der Jugendlichen es nicht wagt, zuzugeben, dass er in dieser Phase seines Lebens lieber einer von vielen ist als er selbst, nämlich ein wunderbares Individuum. Viele Jugendliche trauen sich nicht für sich selbst und andere aufzustehen, und letztendlich traut sich keiner mehr so zu sein, wie er sein möchte aufgrund der Digitalisierung und ihrer Inhalte, die die Jugend zunehmend verunsichert.

 

Snapchat-1849837363Über die Autorin: Marie Kremmer besucht die Klasse 9.1 der International School of Düsseldorf

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