Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

5 Fragen — 5 Antworten mit Benedict Kurz

25. Juni 2021

Benedict Kurz (2001 in Böblingen geboren) ist ein deutscher Mitgründer und CEO von Knowunity, einer Social Media Plattform für Schüler*innen. Als damals 16-jähriger gründete er gemeinsam mit langjährigen Freunden das Startup Unternehmen. 

 

Die Frage, was man nach der Schule vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …....“ zählen einige Schüler*innen schon zu den Entschlossenen. Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen heute raten?

Ich bin ja selbst noch ein sehr junger Mensch, deshalb kann ich anderen auf jeden Fall raten, dass man seinen eigenen Interessen folgen soll. Ich denke, dass man oft unglücklich endet, wenn man nur den „sicheren Weg“ geht. Daher sollte sich jeder darüber Gedanken machen, was man mit seinen Interessen anfangen kann und wo einen diese hinbringen können.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach "mehr lebensnahem Unterricht" geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Ja, da stimme ich voll zu. Ich glaube, dass die Schule und die Lernpläne auf einem Stand von vor 20 Jahren sind. Schule bereitet nicht auf gesellschaftliche Themen wie Steuern, Miete oder Versicherungen vor. Aber auch aktuelle Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und die Zukunft unserer Arbeitswelt kommen viel zu kurz. 

Daher bin ich der Meinung, dass der Lernplan generell einmal überarbeitet werden sollte. So könnten einerseits Themen, die fürs Leben wichtig sind, beigebracht werden. Andererseits könnten so Zukunftsthemen stärker zur Geltung kommen und die Schüler:innen besser auf ihr weiteres Leben vorbereiten.

Immer wieder gab es in diesem und auch schon im letzten Jahr Home-Schooling. Wie haben Sie selbst die Situation der Schüler*innen während Corona erlebt? Welche Rolle spielen alternative Lernangebote (wie z.B. Ihre App)?

Ich glaube, dass die Corona-Pandemie gezeigt hat, dass Schule nicht digital genug ist. Schüler:innen und das Lehrpersonal hatten große Probleme mit der Umstellung zum Distanzunterricht. Uns als Unternehmen hat die Pandemie natürlich geholfen, denn es war eine riesige Chance Schüler:innen an das digitale Lernen heranzuführen. Wir haben sehr viel positives Feedback erhalten, da wir laut unseren Nutzer:innen eine große Erleichterung für den Schulalltag sind. 

Ich glaube, dass einige Unterrichtsteile auch weiterhin im Homeschooling ausgerichtet werden könnten, aber Schüler:innen sollten auf jeden Fall auch in der Schule zusammenkommen. Aber letztendlich hat die Pandemie sicherlich geholfen, unseren digitalen Rückstand etwas aufzuholen. 

Laut einer aktuellen, repräsentativen Umfrage der Startup Teens wollen 49 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler der Generation Z später ein eigenes Unternehmen gründen. Nur ein erschreckend kleiner Bruchteil setzt dies hierzulande später aber in die Tat um – bisher. Was also sollte unternommen werden, um junge Menschen darin zu bestärken an ihrem Ziel festzuhalten und es nicht zu verwerfen? 

Wichtig ist, dass man stärkere Vorbilder aus dem gesamten Gründerbereich hat. Es gibt in Deutschland wahnsinnig viele erfolgreiche und sozial engagierte Gründer. Diese sollte man viel stärker hervorheben und die Geschichten von ihnen, die am Anfang auch nicht immer einfach waren, erzählen. Ich glaube, dass das für junge Leute sehr wichtig ist. Ich finde es gibt in Deutschland mittlerweile sehr viele Angebote. Aber ich fände es gut, wenn diese Angebote ihren Fokus stärker auf die Gründer:innen setzen. 

Wenn Gründerförderung erst nach der Schulzeit beginnt, haben viele junge Menschen bereits gedanklich einen anderen Weg eingeschlagen. Eine aktuelle Untersuchung des Global Entrepreneurship Monitor belegt eindrucksvoll, dass Länder, die bereits in der Schule einen hohen Fokus auf Entrepreneurship Education legen, signifikant mehr Gründungen haben und diese nachhaltig erfolgreicher sind. Hätten Sie sich das nicht auch während Ihrer Schulzeit gewünscht?

Natürlich hätten wir uns das während unserer eigenen Schulzeit auch gewünscht. Ich denke, das ist eine super Idee! Ein Fach wie Entrepreneurship, schon in früheren Klassen, würde sicherlich vielen Leuten helfen. Ich glaube aber, dass nicht unbedingt jeder ein Unternehmen gründen muss. Aber für die, die es wirklich machen wollen, glaube ich, dass es sehr sinnvoll wäre. Ich habe das Glück, dass ich aus einer Unternehmer-Familie komme. Dieser Umstand und meine eigenen Interessen haben bei der Gründung geholfen. Gerade die Schule hätte uns aber sicherlich ebenfalls stark unterstützen können.

Veröffentlicht am 25. Juni 2021

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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