5 Fragen – 5 Antworten mit Christian Schmidt

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Foto: Thomas Lother

Christian Schmidt (1957 in Obernzenn geboren) ist ein deutscher Politiker (CSU) und seit Februar 2014 verantwortlicher Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft sowie seit Oktober 2017 kommissarischer Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.  wissensschule tauschte sich mit ihm über ein Schulfach Ernährungsbildung sowie über die Glaubwürdigkeit der politischen Parteien aus.

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen.Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen raten? 

Für einen erfolgreichen Start ins Studien- und/oder Berufsleben ist es unerlässlich, seine eigenen Begabungen und Interessen zu entdecken. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig darüber klar zu werden, was man wirklich will und was einem wichtig ist. Ich rate den Jugendlichen, sich hierbei genügend Zeit zu nehmen und sich so umfassend wie möglichzu informieren.

Mittlerweile gibt es ja eine Vielzahl an Informationsvorträgen, Probevorlesungen und Beratungsgesprächen zu aktuellen Studiengängen und Berufsperspektiven für Absolventen. Die „perfekte Entscheidung“ gibt es natürlich nicht, von diesem Gedanken sollte man sich verabschieden. Wer weiß denn schon, was einen im Leben erwartet. Trotzdem sollte man sich bei seiner Entscheidungsfindung Mühe geben. Denn es zeigt sich, dass viele Berufseinsteiger oder Studienanfänger nur eine vage Vorstellung davon haben, was sie später erwartet und sie auch nicht allzu viel dafür tun, daran etwas zu ändern.

Im Übrigen werden Auslandserfahrungen durch Praktika oder Auslandssemesterin unserer vernetzten und globalisierten Welt immer wichtiger und sind nicht selten ein Muss, um beruflich erfolgreich und zufrieden zu sein.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen  mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Diskussionen um die vermeintlich richtigen Bildungsinhalte und deren Priorisierung sind so alt wie die Schule selbst. Dieses Thema ist von Emotionen geprägt und wird seit jeher stark ideologisiert. Klar ist, dass die Leitziele unserer Bildung stets überprüft und auf die heutigen Bedürfnisse hin angepasst werden müssen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, welches Bildungsziel verfolgt werden soll und wie wichtig uns ein bestimmter Bildungsinhalt im Vergleich zu einem anderen ist. Ich halte es angesichts einer modernen Gesellschaft für wichtig, den Unterricht lebensnaher zu gestalten. Wir benötigen durchaus einen Unterricht, der die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler ernst nimmt. 

Sie selbst haben sich im Jahr 2015 für eine nachhaltige Gesundheitserziehung stark gemacht. Der Grundstein für eine gesunde Lebensweise wird im Kindesalter gelegt.Eine deutliche Verbesserung der Verpflegung und der Ernährungsbildung in Schulen und Kitas ist somit folgerichtig, auch und besonders vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Ganztagsschulen. Wie sehen hier Ihre Pläne aus?

Als Bundesernährungsminister trete ich nach wie vor dafür ein, das Fach Ernährungsbildung in welcher Form auch immer in die Schulpläne der Länder zu integrieren, am besten als eigenes Schulfach. Ich bin davon überzeugt, dass den kommenden Generationen Aspekte über Gemüse, Landwirtschaft und gesunde Ernährung vermittelt werden müssen. Unsere Heranwachsenden wissen zunehmend weniger über gesundes Essen, Produktion und Herkunft von Lebensmitteln. Eine Aufgabe von Schule –unabhängig von deren Form – ist es, Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Entscheidungen auf einer soliden Wissensbasis zu fällen, auch beim Konsum. Es kann nicht sein, dass sie sich beim Kauf eines Getränks oder Snacks einzig von Werbung leiten lassen. Sie müssen selbst ein Urteil fällen können.

Gleichwohl die Bildungspolitik in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Bundesländer fällt, möchte ich an alle Verantwortlichen appellieren, in dieser wichtigen Angelegenheit voranzugehen.

Der kürzlich erschienene “Fleischatlas 2018” besagt, dass die Deutschen 2016 pro Kopf durchschnittlich 59 Kilogramm Fleisch gegessen haben. Dies ist nicht nur der Gesundheit sehr abträglich, anders sind aber auch weder die Klimaziele noch mehr Tier- und Naturschutz zu erreichen.  Aus Sicht von Umweltschützern sollten die Deutschen nur noch halb so viel Fleisch essen und die Tierbestände deutlich reduzieren.Wie könnte aus Ihrer Sicht ein nachhaltiger Umbau der Tierhaltung aussehen? 

In dieser Frage sind einige Behauptungen enthalten und Themen werden vermengt. Richtig ist: Hochwertige Lebensmittel lassen sich nicht mit null Emissionen herstellen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Ernährungssicherung die Kernaufgabe der Landwirtschaft ist. Trotzdem verfolgen wir natürlich das Ziel einer nachhaltigen, ökologisch verantwortbaren und ökonomisch leistungsfähigen Land- und Forstwirtschaft. Die Landwirtschaft hat selbst ein großes Interesse am Umweltschutz. Wie keine andere Branche sind wir mitten drin und deswegen auch Teil der Lösung. Und die Landwirtschaft liefert auch schon: Seit 2015 sind Direktzahlungen stärker an Umwelt- und Klimaschutzleistungen geknüpft. 2017 habe ich eine neue Düngeverordnung erlassen, durch die Stickstoffüberschüsse reduziert werden. Grundsätzlich verfolge ich eine Politik, die den Menschen nicht in den Kochtopf reinregiert. Jeder kann essen, was er will. Und bezogen auf die vorher gestellte Frage, ob Schule zu „abgehoben“ sei: Ich setze auf Information und auf Ernährungsbildung zu gesunder und ausgewogener Ernährung. Wie gesagt, am besten als eigenes Schulfach.

Nach den gescheiterten 4-wöchigen Jamaika-Verhandlungen sitzen nun wieder die altvertrauten Genossen und Christdemokraten gemeinsam am Tisch, um Sondierungsgespräche für eine erneute GroKo zu führen. Erst eine Absage der SPD zur nochmaligen GroKo, dann Intervention des Bundespräsidenten mit dem Appell zur politischen Verantwortung, anschließend spektakulärer Vorschlag  von Seiten der SPD zu einer Koko-Koalition. Nun sondiert man wieder. Wie wollen Politiker den mittlerweile mehr als genervten Bürgern und Wählern klar machen, dass es hier nicht um parteipolitischen Proporz, persönliche Befindlichkeiten und Interessen sowie das Durchsetzen ihrer Parteiprogramme geht, statt um Aufbruchsstimmung und das Wohl des eigenen Volkes?

Die Sondierungen mit der SPD hat die Union ja bereits abgeschlossen und wir sitzen nun in den Koalitionsverhandlungen. Die letzte Bundestagswahl hat neue politische Realitäten geschaffen und wir müssen als Politiker jetzt nach Kräften das Beste daraus machen. Wir können ja nicht so lange die Bürgerinnen und Bürger zur Wahlurne bitten, bis uns das Ergebnis passt. Aber das Wahlergebnis zeigt uns unbestritten, dass viele Menschen unzufrieden waren und sich nur unzureichend verstanden fühlten. Daraus werden und müssen alle demokratischen Parteien, allen voran die großen Volksparteien, die entsprechenden Schlüsse ziehen. Das ist unerlässlich, denn Deutschland steht vor großen nationalen und internationalen Herausforderungen, die nur durch kluge Kompromisse gelöst werden können.

In einer Welt, in der einstige Gewissheiten in Frage gestellt werden und Unsicherheiten wachsen, steht unser Land nach wie vor für Verlässlichkeit und Stabilität. Deutschland ist und bleibt auch weiterhin ein Stabilitätsanker für eine gesunde Demokratie. Ich blicke daher mit Zuversicht auf die Koalitionsverhandlungen mit der SPD. Denn eine Minderheitsregierung zieht erhebliche neue Unwägbarkeiten nach sich, die niemand wünscht oder braucht.

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