5 Fragen — 5 Antworten: Mit Dr. Michael Groß

Michael Groß  (1964 in Frankfurt am Main geboren) ist als mehrfacher Olympiasieger im Schwimmen bekannt geworden. Heute ist er Inhaber einer Beratungsgesellschaft für Change Management und Talent Management. Zudem unterrichtet er an der Universität Frankfurt am Main zum Thema “Digital Leadership” und ist seit vielen Jahren als gefragter Coach und Buchautor tätig.

Die Frage, was man nach der Schule vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …….“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen.Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen heute raten?

Einerseits ist eine Entscheidung für einen Weg zu treffen. Zugleich sollte jeder flexibel bleiben. Wer zum Beispiel mit 18 das Studium beginnt, hat Zeit, auch eine Entscheidung zu revidieren. Parallel auf jeden Fall sich umschauen, andere Dinge machen, Erfahrung sammeln. Begeisterung für ein Thema oder Branche entwickeln ist mindestens genauso so wichtig wie Fachkompetenzen. 

Durch denTweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Schule kann bei Alltagsthemen sicher etwas mehr machen, hat jedoch nicht diesen Schwerpunkt, Es ist wichtig, das Lernen zu lernen. Und viele Fächer kennen lernen und einige vertiefen. Nur so sind die eigenen Talente zu entdecken. Dazu gehört auch, vieles zu lernen, dass früher oder später vergessen wird.

Auch in Deutschland tendieren Nutzer von Mobiltelefonen zu nomophobem Verhalten. Schon für die 12- bis 13-Jährigen gehört demnach ein Smartphone zur StandardausstattungErsetzt das Smartphone zunehmend unser Gehirn und sind nicht gerade heranwachsende Kinder angewiesen auf kognitiven Tätigkeiten, um eine normale Hirnentwicklung zu erfahren?

Alle digitalen Geräte sind Helfer, kein Ersatz für eigenes Denken. Antizipieren, die Vorstellung, was ich möchte und was passieren könnte, ist eine menschliche Domäne. Wir sollten unser Gehirn nicht unterfordern. Wenn digitale Helfer uns von 08/15 Dingen entlasten, z.B. in der Informationssuche, ist das gut. Die Bewertung sollten wir selbst machen.

Je mehr man sich mit dem Thema digitales Lernen bzw. digitale Bildung befasst, desto mehr wird man auch verunsichert. Die einen propagieren digitale Bildung bereits im Kindergarten, die anderen warnen vor den Folgen zu frühen Medienkonsums. Wenn Sie 5 Thesen dazu aufstellen könnten, wie würden diese lauten?

Dazu bin ich keine Experte und das Thema ist für eine Laienmeinung zu wichtig.

Jeden Freitag demonstrierten Schüler*innen für einen besseren Klimaschutz mit ihrer Initiative “Fridays for Future”. Die Schüler-Demos gegen den Klimawandel spalten weiter die Politik. FDP-Chef Christian Lindner sprach den Schülern ausreichend Wissen beim Thema Klima ab und fügte hinzu: „Das ist eine Sache für Profis.“ Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, sollen Schüler für ihre Überzeugungen demonstrieren oder verurteilen Sie das Schulschwänzen?

Ja, klar … wir haben auch demonstriert, auch häufig, zu meiner Zeit gegen die Aufrüstung im „Kalten Krieg“. Dazu gehört auch, sich der Diskussion zu stellen, was das eigene Handeln auslöst. Dazu zählen Fragen wie: Warum geht Ihr nicht zur Abwechslung am Samstag demonstrieren, wie wir damals, also opfert Freizeit und nicht nur Schulzeit? Oder was ist Euer Vorschlag, zum Beispiel den Klimawandel zu beherrschen, ganz verhindern geht nicht mehr? Alles auf einmal abschalten oder stehen lassen ist ja keine Lösung. Das weiß jeder. Und reines Verteufeln bringt auch wenig.

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