5 Fragen — 5 Antworten: mit Jaqueline Bloem

Jaqueline Bloem (1989 in Warburg geboren) ist eine deutsche Schlagersängerin, die sich nicht nur auf der klassischen Bühne zu Hause fühlt, sondern als studierte Medienproduzentin auch den Klassenraum ihre Heimat nennt. 

5 Fragen — 5 Antworten: mit Jaqueline Bloem Aktuelles Prominent nachgefragt

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …….“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu raten Sie jungen Menschen? 

Bei dem Wust an Angeboten wird es vielen definitiv schwindelig – so auch mir als es hieß: „Abi, und dann?!“ Praktika bei verschiedenen Stationen sind hilfreich, wenn man so gar nicht weiß, was man mit sich anfangen möchte. Mir wurde dadurch zumindest klar, was ich nicht machen möchte. Und so hangelt man sich dann weiter voran, bis man via Ausschluss-Taktik vielleicht erst einmal zu einer Kompromisslösung findet, die über die Zeit hinweg neue Wege eröffnet, Möglichkeiten aufzeigt und den Weg zur eigentlichen Bestimmung ebnet. Über Umwege kommt man eben auch zum Ziel. Aber was ich rückblickend jedem Unentschlossenen empfehlen kann ist, sich einfach mal zurückzunehmen, um der inneren Stimme Zeit zu geben einem zu sagen, was sie wirklich will.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Ich teile den Wunsch von Naina tatsächlich. Hat man seinen Abschluss in der Tasche, wird man auf einmal auf die Welt losgelassen, muss sich mit Verträgen auseinandersetzen, seine Finanzen kalkulieren – und all das ohne wirklich zu wissen wie. Natürlich hat man vielleicht seine Eltern als Berater an seiner Seite, aber auch die wissen nicht alles und sind bei manchen Fragen ähnlich ratlos. Da wäre es doch eigentlich angebracht, bevor man blind drauf losläuft, in der 10. Klasse mindestens die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen an die Hand zu bekommen. Das bedeutet nicht, dass das bisher in der Schule gelehrte bedeutungslos und weniger wichtig ist. Es müsste eben um ein paar weitere Aspekte, auch hinsichtlich der digitalen Bewegung des Arbeitsmarktes, erweitert werden.

Gerade den Jüngeren sind Sie noch aus der 11. Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” präsent und bekannt. Für viele junge Menschen ist diese Glitzerwelt und Showbühne ein lang ersehnter Traum. Welche Erfahrungen können Sie hier aus eigenem Erleben weitergeben? 

In den wenigsten Fällen fällt einem das Glück einfach so in den Schoß. Für seine Träume muss man arbeiten, und das nicht wenig! Es war spannend und aufregend an einer Casting-Show teilzunehmen und sicherlich kann sie einen Grundstein für die vielleicht folgende Karriere legen – vorausgesetzt man stellt sich gescheit an! Man lässt sich nicht formen und biegen um eine Rolle zu spielen, die ausgezeichnet ins Drehbuch passen würde, um im Idealfall noch ordentlich Einschaltquoten zu generieren, und man setzt sich währenddessen und besonders danach auf seinen Hosenboden, knüpft Kontakte, baut sich ein Netzwerk, sucht sich die (hoffentlich) richtigen Leute und sieht zu, dass man seinen Casting-Stempel geschickt einzusetzen lernt oder ihn im Idealfall irgendwie runter bekommt, um als seriöse Musikerin wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Man kann nicht darauf warten, dass das Glück zu einem kommt, man muss es selbst in die Hand nehmen, sich auf das fokussieren was man wirklich möchte und dann alles dafür geben.

Die  BG3000 Service GmbH  ist eine bundesweite Initiative zur Förderung der digitalen Bildung in verschiedenen Kernzielgruppen. Mit dem Smart Camps werden besonders Schulen bzw. Schülerinnen und Schülern interessante und spannende Einblicke in die digitale Welt gewährt. Wie lange sind Sie dort schon als Dozentin mit dabei und was genau waren hierfür Ihre Beweggründe?

Als studierte Medienproduzentin mit medienpädagogischem Hintergrund hat mich die BG 3000 mit ihren Smart Camps sofort überzeugen können. Seit September 2016 bin ich nun mit an Bord und habe das Vergnügen den Schülerinnen und Schülern in den Kursen „Journalismus im Digitalen Zeitalter“ und „Geschichten fürs Ohr. Beiträge, Podcasts und Co.“, für ihre (digitale, crossmediale) Zukunft, sehr wertvolles Handwerkszeug mitzugeben, über Berufe zu informieren und darüber hinaus ihnen meine persönlichen Erfahrungen weitergeben zu können.

Ein weiterer Kurs liegt mir besonders am Herzen, da dieser eine immer größer werdende Problematik thematisiert: „Medienknigge/Respekt im Netz“. Kinder und Jugendliche kommunizieren schon sehr früh über Klassen-WhatsApp-Gruppen miteinander und die Sozialen Netzwerke nehmen einen großen Platz in ihrem Leben ein. Ich habe das vor allem bei dem  mittleren meiner 3 jüngeren Brüder beobachten können, der mit seinen nun 13 Jahren zwar technisch versiert ist, sich aber mit einer jugendlichen Naivität und teilweise Leichtsinnigkeit in der digitalen Welt bewegt, sodass es mir ab und an flau wurde. Was dabei alles schief gehen kann – wenn man Inhalte teilt, was eigentlich das Persönlichkeits- und das Urheberrecht damit zu tun haben und was das Recht am eigenen Bild bedeutet – das wird den Schülerinnen und Schülern nicht, und wenn überhaupt erst viel zu spät bewusst gemacht. Nämlich oft erst dann, wenn z. B. Cybermobbing bereits aus dem Ruder gelaufen ist, oder sensible, persönliche Daten eine Runde um die Welt gedreht haben. Kurse wie diese suchen wir in normalen Lehrplänen noch vergebens und ich bin stolz darauf, dass ich bei den noch wenigen Pionieren dabei sein darf!

Junge Menschen gehen in den sozialen Netzwerken  mit ihren persönlichen Daten, Erfahrungen und Erlebnissen, nennen wir es mal “recht sorglos” um. Wie sind hier Ihre Erfahrungen als Dozentin mit Schülerinnen und Schülern und was sind 5 No-Goes in den sozialen Netzwerken?

Wie in der Frage zuvor bereits beschrieben, konnte ich diesen sorglosen Umgang sehr gut in meinem privaten Umfeld beobachten. Und nicht selten musste ich hier tatsächlich auch einschreiten. Aber eins ist sicher: mein Bruder ist kein Einzelfall! Seine „digitalen Bewegungen“ waren und sind exemplarisch für die Generation der Digital Natives – das wird mir auf jedem Smart Camp erneut sehr deutlich. Umso wichtiger wäre es, im ersten Schritt die Aufklärung über die Risiken in der digitalen Welt, für alle und so früh wie möglich, fest in die Lehrpläne zu integrieren. Für mich gibt es drei Merksätze, die sich jeder hinter die Ohren schreiben sollte, der sich in einem digitalen Umfeld bewegt: „Zuerst denken, dann handeln“ steht hier an erster Stelle. Dies gilt nicht nur im realen Leben sondern besonders in der digitalen Welt, denn: „Im Netz schreibt man mit wasserfestem Edding“ und „nichts bleibt hier privat“. No-Goes wären zum Beispiel: das öffentliche Teilen der Telefonnummer, oder sogar der Wohnanschrift und in diesem Zusammenhang das lückenlose posten seines eigenen Standorts (Bewegungsprofil); unüberlegte Beleidigungen gegenüber einer bestimmten Person oder Personengruppen (Cybermobbing); das Versenden von Bildern auf denen man nur leicht bekleidet oder gar nackt zu sehen ist (diese werden auf den Servern der Sozialen Netzwerke gespeichert und können – im schlimmsten Fall durch einen Hacker-Angriff – öffentlich werden); die ungeprüfte Verbreitung auf Social Media Plattformen geposteten Nachrichten, wenn diese nicht eindeutig verifiziert werden können (im schlimmsten Fall gehen Fake-News auf diese Weise in Sekundenschnelle um die Welt). Die Liste lässt sich sicherlich noch weiterführen und umso wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen  zu helfen nicht nur kreativ, sondern auch kritisch mit den digitalen Medien umzugehen.

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