5 Fragen — 5 Antworten Mit Joachim Masannek

Joachim Masannek (1960 in Bockum-Hövel geboren), ist ein deutscher Kinderbuchautor und Regisseur, vor allem bekannt durch die Buchreihe Die Wilden Fußballkerle und deren sechs Verfilmungen. wissensschule tauschte sich mit ihm über seinen beruflichen Werdegang, mediales Verhalten der jungen Zielgruppe sowie übertriebene Erwartungshaltungen der sogenannten “Hubschraubereltern” aus.

joachim Masannek

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nach der Schule oftmals nicht, wie es danach weiter geht — direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich wusste, was ich wollte. Ich wollte Schriftsteller werden. Das Problem war nur: wie? Das konnte mir keiner in der Provinz in Bockum-Hövel sagen. Deshalb habe ich zuerst meinem Vater zuliebe ein BWL-Studium getestet, das dann wegen Zivildienst abgebrochen und danach ein Gemanistik- und Philosophiestudium begonnen. Nach dem Grundstudium bin ich dann an die Hochschule für Fernsehen und Film in München gegangen, weil mir das filmische Erzählen mehr zugesagt hat und das Germanistikstudium sich als Sackgasse herausgestellt hat. Geholfen hätte mir damals, wenn man mir gesagt hätte, ein Schriftsteller muss erst einmal etwas erleben, also lasse Dir Zeit. Deshalb habe ich meine Söhne dazu aufgefordert, nach dem Abitur erst einmal zu reisen. Ich denke, das ist für alle Berufe wichtig, dass man Lebenserfahrungen sammelt, die nicht unbedingt etwas mit dem Beruf zu tun hat. Außerdem macht es die heute viel zu schnelllebige Welt etwas langsamer.

Haben Sie bereits während Ihrer Schulzeit realisiert, was später einmal Ihre Profession sein würde bzw. was war  für Sie der Impuls, der Ihnen den Weg für Ihren weiteren beruflichen Werdegang geebnet hat?

Ich habe Mathe und Physik als Leistungskurs gehabt. In Deutsch war ich immer versetzungsgefährdet. Ich habe ab der Pubertät nicht mehr freiwillig gelesen und habe mir nach dem Abitur aus Langeweile ein Buch gekauft, um es am Strand zu lesen. Das war „Stiller“ von Max Frisch und damit war ich angefixt.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will an den Schulen ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags einführen als Reaktion auf den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Meine jetzt fast 5 jährige Tochter will, seitdem sie auf der Welt ist, nur eins: erwachsen werden. In meinen Lesungen gibt es immer mehr 10jährige Kinder – bis zu 50% -, die nicht mehr erwachsen werden wollen, weil sie dann Verantwortung übernehmen müssen.

Aber Verantwortung übernehmen ist das einzige, was einem den Respekt verschafft, warum man ernst genommen wird. Was machen wir also in diesen fünf Jahren zwischen fünf und zehn falsch, dass so etwas passieren kann, dass Menschen nicht mehr respektiert werden wollen. Ich denke, dass man da angreifen müsste.

Das mediale Verhalten der jungen Zielgruppe stellt nicht nur Zeitungsverlage sondern zunehmend mehr auch Film- und Fernsehen vor Probleme. Wie gelingt es Ihnen, Themen zu finden, die Kinder und Jugendliche dennoch so ansprechen?

Ich bleibe analog. Bei den Wilden Kerlen gibt es die digitale Welt nicht mehr und in dieser nicht digitalen Welt können sich die Kinder nicht mehr in der Anonymität der sozialen Netzwerke verstecken. Sie müssen selbst aktiv werden, Farbe bekennen und zu ihren Ängsten stehen. Bei mir leben Kinder in einer Welt, in der sie sich wieder behaupten müssen und nicht ständig betreut und von A nach B gefahren oder organisiert werden. Kinder sehnen sich nach so einer Welt in der sie den Freiraum haben, sich selbst zu erkunden.

Kind zu sein in der heutigen Zeit ist nicht mehr das gefühlte Erleben wie noch vor 20,30 Jahren. Nur wer heute sein Abitur hinlegt und anschließend noch ein Studium draufsattelt, bringt es zu was im Leben, so die landläufige Meinung. Ist es aber nicht auch eine übertriebene Entwicklung der sogenannten “Hubschraubereltern”, die ohne Rücksicht auf die Wünsche und Neigungen ihrer Kinder diesen Prozess forcieren und Kindern zu wenig Freiraum lassen, Kind zu sein?

Ich denke, dass Eltern, die so denken, selbst noch nicht richtig erwachsen sind. Wer sich zu sehr an Regeln hält und von Angst steuern lässt, handelt nicht selbstverantwortlich. Wir werden heute alle sehr alt. Wir haben ein langes Leben vor uns und sind selbst mit siebzig Jahren oft noch voll leistungsfähig. Warum soll man sich da beeilen oder etwas überstürzen. Wichtig ist nur, dass man verantwortlich lebt, dass man neugierig bleibt, Sachen entdeckt und sich weiterentwickelt  und beim sich Zeit lassen, niemandem zur Last fällt.


Foto: Marc Reimann

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