5 Fragen — 5 Antworten: Mit Michael Martin

Foto: Michael Martin
Foto: Michael Martin

Michael Martin  (1963 in München geboren) ist Diplom-Geograf, Autor und Referent. Er hat mehrere Bildbände und Bücher veröffentlicht und gilt als weltweit renommiertester Wüstenfotograf.

wissensschule.de tauschte sich mit ihm über seine Schulzeit, seine Wüstenerfahrungen sowie die wichtigen Dinge des Glücks im Leben aus.

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …….“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen raten?

Ich würde jungen Menschen raten, bei diesen Entscheidungen ihrer Leidenschaft zu folgen. Es bringt nichts, auf Zahlen und Wahrscheinlichkeiten zu schielen, wenn man keine rechte Lust auf eine vermeintlich vernünftige Richtung hat. Wer keine besondere Leidenschaft für eine Richtung verspürt, sollte ruhig reisen. Es ist eine besondere Erfahrung, auch andere Länder und Kulturkreise kennenzulernen und sich selbst organisieren zu müssen. Auf Reisen ist man außerdem nicht dem Einfluss der Lehrer und Eltern ausgesetzt und findet vielleicht zu einer Entscheidung. 

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen  mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule auf das spätere Leben vor?

Ich halte die heutigen schulischen Inhalte für völlig verfehlt. Ich habe von meinen 13 Schuljahren kaum etwas für das Leben brauchen können. Was sollen all die Fakten und Themen, wenn man weder soziale Kompetenz noch handwerkliche Fähigkeiten oder Soft Skills wie Selbstvertrauen oder Rhetorik vermittelt bekommt.

Mit “Wüsten der Erde” hatten Sie 2007 einen ungeheuren Erfolg. War die Gegenüberstellung von Eis- und Trockenwüsten letztendlich der Auslöser für die Idee “Planet Wüste”, weil es das bis dato so in der Form noch nicht gab?

Ja, Planet Wüste ist praktisch die logische Fortführung von dem Projekt „Die Wüsten der Erde“.  Ich hätte nicht geglaubt, wie aufwändig die Umsetzung werden würde. Das hängt vor allem mit den Verhältnissen in der Arktis und Antarktis zusammen. Das Klima dort ist extrem, der Transport teuer und die Entfernungen enorm. Außerdem musste ich mich erstmals mit Polarbären, Erfrierungsgefahren und heftigem Seegang auseinandersetzen.  Die fotografischen Ergebnisse rechtfertigen aber den Aufwand. Gerade der Kontrast dieser völlig unterschiedlichen Extremzonen ist fotografisch hochinteressant.

Bereits als 17-Jähriger waren Sie mit dem Mofa in Marokko unterwegs, nicht der Wüste wegen sondern weil Sie als begeisterter Hobbyastronom die Sternbilder beobachten wollten.  Ist Ihnen diese Entdeckungsfreude sowie die unbändige Neugier nach neuen  Erlebnissen und Erfahrungen bis heute erhalten geblieben?   

Ja, das ist mir zum Glück erhalten geblieben. Heute ist es zwar deutlich schwieriger,

„unentdeckte“ Gebiete zu finden, aber gute Motive und spannende Geschichten gibt es weiterhin. Wenn meine Neugier nicht mehr wäre, müsste ich aufhören, denn ich muss ja meine Begeisterung an meine Zuschauer weitertragen.

Ich denke , dass der Blick aus solchen Gegenden, die Sie besucht haben, einem auch die Sinne neu schärfen und die Bedeutung des Wortes “Demut” wieder einen Sinn bekommt. Kommen einem da nicht auch die kleinen und profanen Dinge und Sorgen des Alltags  so ziemlich lächerlich vor und realisiert man hier, dass man nicht mehr als ein Staubkorn ist?

Mein Alltag in Deutschland ist für mich die gleiche Herausforderung wie für jeden anderen.

Natürlich würde ich eine Reifenpanne auf der Autobahn wegen meiner Erfahrung gelassener sehen. Auch der Umgang mit sturen, deutschen Bürokraten fällt mir mit all meiner Auslandserfahrung leichter. Trotzdem stehe ich im Stau, warte lange an der Supermarktkasse oder

ärgere mich über unfreundliche Hausmeister. Gleichzeitig machen wir meine Reisen bewusst, wie wertvoll Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder eine gute Gesundheitsversorgung sind.

Was das Staubkorn betrifft: Ich habe mich nie zu wichtig genommen, letztlich ist Gesundheit und die unmittelbarer Umgebung, die Familie und die Freunde, entscheidend für das Glück im Leben.

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