5 Fragen — 5 Antworten: mit Mirko Drotschmann

Mrwissen2go

Was machen Menschen auf YouTube? — Nicht selten lautet die Antwort: neue Sachen lernen! Mit Do-It-Yourself-Videos und informativen Wissensclips kann man sich nahezu alles beibringen und aneignen. Videos der zweiten Kategorie produziert Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go. Mit über 250.000 Abonnenten ist er einer der erfolgreichsten deutschen YouTuber im Wissenssegment und spricht vor seinem Publikum über aktuelle politische Geschehnisse, deutsche Geschichte und Bildungsthemen.

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nach der Schule oftmals nicht, wie es danach weiter geht — direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Bei mir war es so, ich gehöre noch zu denjenigen, die Wehrdienst machen mussten bzw. ich entschied mich für den Zivildienst. Das waren 9 Monate und eigentlich eine gute Zeit. Das hilft einem – finde ich – bei der Orientierung. Ich hätte mich nicht jetzt direkt ins Studium stürzen wollen. Die Zeit dazwischen war nicht schlecht. Ich hatte direkt nach dem Abi ein Praktikum beim Südwestfunk und durfte auch danach dort weiterarbeiten. Ich habe parallel zum Zivildienst gearbeitet. Mir hat es geholfen, nicht direkt zu studieren sondern ich konnte schauen – mein Jobwunsch war Journalist – ob es das Richtige ist.

Wenn es nicht so gewesen wäre, hätte ich dann direkt auch etwas studiert. In meinem Fall habe ich festgestellt: Ja – es ist das Richtige! So habe ich Geschichte und Kulturwissenschaften studiert und auch versucht, theoretisches Fundament zu schaffen, zu dem was ich praktisch machen will.

Und deswegen wäre mein Tipp, wenn man nicht schon direkt weiß, ob man zum Beispiel Medizin oder Jura studieren will, sich erst einmal zu orientieren. Vielleicht auch ins Ausland gehen. Warum nicht? Hätte ich im Nachhinein auch gern gemacht, um eine Sprache besser zu lernen.

Also man hat noch viel Zeit an der Uni zu sein und man kann ein ½ Jahr nach dem Abi oder Schulabschluss gerne noch schauen, um andere Erfahrungen zu sammeln.

Inwiefern wollen oder können Sie mit Ihrem YouTube-Angebot das Leben von Schülerinnen und Schülern verändern oder leichter machen?

Also, dass ich das Leben verändern kann, würde ich jetzt mal nicht denken und das will ich auch gar nicht. Ich will es tatsächlich etwas leichter machen. Dinge, die man in der Schule vielleicht nicht ganz verstanden hat, weil es vielleicht zu schnell ging oder weil aus irgendeinem Grund ein Thema hinten runtergefallen ist, die möchte ich erklären auf einem Kanal und den Leuten noch ein bisschen näher bringen. Ich versuche auch ihnen einen Überblick zu geben über bestimmte Themen – gerade im geschichtlichen Bereich oder in politischen Themen und  hoffe, dass es mir gelingt.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will an den Schulen ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags einführen als Reaktion auf den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich finde das hervorragend. Also das ist geplant und ich bin gespannt, ob es umgesetzt werden kann. Ich finde es total wichtig, dass man in der Schule lernt, wie man eine Steuererklärung schreibt, was eine Sozialversicherung ist bzw. ein Sozialversicherungssystem. Wie man einen Mietvertrag unterschreibt, was da alles wichtig ist usw.

Das finde ich, kommt in der Schule oft zu kurz. Natürlich könnte man sagen, dass ist Aufgabe der Eltern. Aber auf der anderen Seite sind es auch Dinge, die einen auf das Leben vorbereiten sollen und das ist ja Aufgabe der Schule und deswegen finde ich so ein Fach sehr gut.

Bildung im Netz ist ja ein viel beachtetes Thema — halten Sie es für möglich, dass Schule im herkömmlichen Sinne durch Web-Lernkurse ersetzt werden?

Ne – auf gar keinen Fall. Ein eindeutiges NEIN.

Also natürlich kann es eine gute Ergänzung sein im Internet Lernkurse anzubieten, Videos anzubieten und ergänzendes Material.

Aber dass das die Schule komplett ersetzt, das sehe ich definitiv nicht so. Lehrer wird es auch noch in 20 / 30 Jahren geben. Menschen, die vor Schülern stehen, auf Fragen antworten können, die vertiefend ins Thema eintauchen können. Das geht einfach nicht nur über’s Internet. Natürlich gibt es so was in bestimmten Gebieten, vor allem in den USA, wo die Ortschaften weit auseinander sind oder so. Da gibt es Schüler, die über’s Internet unterrichtet werden. Früher war das sogar über’s Telefon möglich. Das mag funktionieren aber der bessere Weg ist immer noch der in die Schule, an einen Ort, zugehen. Auch aus sozialen Gründen natürlich; ganz einfach aber auch, weil es die bessere Art und Weise ist zu lernen.

Wie entstehen Themen, Texte und schließlich die Videos auf Ihrem YouTube-Kanal?

Ja – das ist bei mir eigentlich ganz klassisch wie ich auch als Journalist arbeite. Ich recherchiere zuerst und unterhalte mich mit Leuten. Suche mir Materialien im Internet zusammen. Schaue auch mal ins Buch, je nach dem, um welches Thema es geht und dann sammel ich die ganzen Materialien und schreibe ein Script. Dieses Script versuche ich auswendig zu lernen und dann stelle ich mich vor die Kamera. Mache das Script einmal vom Blatt und dann lege das Script weg. Dann versuche ich es so direkt in die Kamera zu sprechen und schneide es danach und lade es hoch. Alles in allem dauert es im Schnitt zwischen 12 und 15 Stunden so ein Video zu machen – mal mehr, mal weniger. Es kommt immer aufs Thema an. Aber das ist so der grobe Weg und die Themen kommen größtenteils von den Zuschauern. Also 80 % ungefähr aller meiner Themen sind Vorschläge von Zuschauern.

Die sagen: ich habe etwas in den Nachrichten gehört oder dieses Thema interessiert mich oder das macht mir Angst. Kannst Du nicht darüber mal was machen ? Dann versuche ich es zu machen oder ich suche, was gerade aktuell ist. Das ist auch so eine Möglichkeit, Themen zu bekommen. Und es kommt auch immer mal wieder vor, dass mir irgendwo ein interessantes Thema begegnet und dann denke ich: ah ja – dazu könnte ich was machen.

Also das sind so die 3 Wege : Zuschauer – aktuelle Gegebenheit – eigenes Interesse.


Foto: Moritz Leick

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