Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

5 Fragen — 5 Antworten: mit Pater Anselm Grün

2. Mai 2016

Pater Anselm Grün (1945 in Junkershausen geboren) ist ein deutscher Benediktinerpater, erfolgreicher Buchautor, Referent, geistlicher Berater sowie Kursleiter für Meditation und Kontemplation. Nach seinem Abitur trat er mit 19 Jahren in die Benediktinerabtei Münsterschwarzbach ein. wissensschule tauschte sich mit ihm über seine Zeit nach dem Abitur, dem Festhalten am Glauben bei den Gräueltaten auf der Welt sowie dem Verhältnis zwischen jungen Menschen und der Kirche aus.

pater-Anselm Grun

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit ...“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen raten?

Es geht nicht darum, den sicheren Weg zu gehen. Aber trotzdem sollten sich die jungen Menschen nach dem Abitur klar werden, was sie wollen. Viele tun sich schwer, sich zu entscheiden. Sie wollen sich alle Türen offen halten. Doch jede Entscheidung engt ein. Aber nur durch die Enge, die ich wähle, entsteht eine neue Weite. Wenn ich mir alle Türen offen halte, stehe ich irgendwann vor lauter verschlossenen Türen.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach "mehr lebensnahem Unterricht" geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen  mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Das Wort Schule kommt vom griechischen „schole“, das Muße bedeutet, in der wir über das Wesentlich nachdenken können. Und „schole“ kommt von „echein“, das innehalten bedeutet. Die Schule ist also der Raum, inne zu halten, um im Innern Halt zu finden und von diesem Halt her dann das äußere Leben zu gestalten. Aber über Steuern, Miete und Versicherungen muss man nicht unbedingt Bescheid wissen.

Direkt nach dem Abitur sind Sie mit 19 Jahren in die Benediktinerabtei Münsterschwarzbach gegangen. Was waren die Beweggründe bzw. was war der auslösende Moment für diese doch sehr rigorose Entscheidung?

Ich wollte damals etwas leisten für die Kirche und die Botschaft Jesu in die weite Welt tragen. Ich habe die Entscheidung nicht bereut. Natürlich musste da manches nachreifen. Trotzdem war es gut, sich zu entscheiden.

Fast täglich hören bzw. lesen wir von Kriegen, Gewaltausbrüchen, Folter, Flucht, Missbrauch, Korruption und anderen Verbrechen auf dieser Welt. Hier stellt sich doch dann für den gläubigen Christen sofort zwangsläufiger weise die Frage, warum lässt Gott das alles zu ? Wie vermitteln Sie bei all diesen Missetaten das Festhalten am Glauben?

Wir dürfen Gott nicht die Schuld zuschieben, wenn Menschen Böses tun. Die Freiheit des Menschen ermöglicht es ihm leider auch, sie zu missbrauchen und andern zu schaden. Anstatt über Gott zu sprechen, sollten wir überlegen, wie wir solches Unrecht verhindern können. Und da ist eine gute Bildung sicher ein wichtiger Weg, um Böses zu verhindern. Denn oft tun Menschen etwas Böses, die keine gute Bildung haben, die innerlich keinen Halt haben, sondern haltlos sich irgendwie beweisen müssen.

Ein großer Teil der Jugend von heute kann nicht mehr viel mit Kirche, Glauben und Gott anfangen. Wer heute nichts tut, lebt morgen wie gestern! Was muss Kirche heute tun, um  gerade junge Menschen von gestern auch morgen noch zu erreichen?

Die Kirche muss zuerst auf die jungen Menschen hören. Was haben sie für Fragen? Was bewegt sie? Wonach sehnen sie sich? Erst wenn ich auf die Fragen höre, kann ich gute Antworten geben. Die Kirche gibt oft Antworten, bevor sie gefragt hat.

Veröffentlicht am 02.05.16

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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