5 Fragen — 5 Antworten: Mit Prof. Christian Scholz

5 Fragen — 5 Antworten: Mit Prof. Christian Scholz Aktuelles Prominent nachgefragt

Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz (1952 in Vöcklabruck / Oberösterreich geboren) wurde 1986 als Hochschullehrer an die Universität des Saarlandes berufen. Er publiziert in wissenschaftlichen Zeitschriften, schreibt aber auch regelmäßig Kolumnen beispielsweise für die WELT und bloggt seit 2006 als „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“. Er wurde sechsmal in Folge auf die Liste der „40 führenden Köpfe im Personalwesen“ und danach in die personalwirtschaftliche „Hall of Fame“ gewählt. Seine wichtigsten Arbeiten sind zwei Bücher zum Personalmanagement und die Trendstudie zum Darwiportunismus „Spieler ohne Stammplatzgarantie“ (2003) sowie zur „Generation Z“ (2014): Diese nach 1990 Geborenen sind neben der digitalen Transformation der Wirtschaft aktuell sein zentrales Interessengebiet.  

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen raten?

Der eigenen Intuition folgen – und das aber gründlich und zu 100 Prozent: Wenn mir die Universität reizvoll vorkommt, studiere ich. Wenn ich reisen will, dann reise ich und verdiene unterwegs mein Geld. Wenn ich etwas Praktisches machen möchte, wähle ich die Ausbildung. Wichtig: Ich verfolge ohne künstlichen Stress dieses Ziel konsequent auf möglichst hohem Niveau und zwar ohne die eigene Entscheidung zu hinterfragen. Wenn die Entscheidung getroffen ist, dann wird sie beim Studium beispielsweise mindestens drei Jahre konsequent und ohne permanentes Hinterfragen durchgezogen: Danach habe ich meinen ersten Studienabschluss, Erfahrungen einer aufregenden Weltreise oder eine richtige Ausbildung. Und erst jetzt kommt die nächste Entscheidung.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen  mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Auch wenn es trivial klingt: Schule ist auch, was man daraus macht. Richtig ist, dass heute viel zu viel in Projektgruppen geplaudert und zu wenig konkretes Wissen vermittelt wird. Denn das klingt altmodisch und nicht so chic wie interdisziplinär und interaktiv. Gerade deshalb müssen Schüler konkretes Wissen einfordern. Es nützt also nicht, mal ganz locker allgemein über Unternehmen zu plaudern und die Welt neu zu erfinden. Man sollte beispielsweise ganz exakt lernen (und nachher wissen!), wie man Gehälter festlegt und wann leistungsorientierte Entlohnung gut und wann sie unpassend ist. Oder wie man einen lesenswerten und fehlerfreien dreiseitigen Text schreibt.

Was konkret sollten Schulen tun, um sich optimal auf das Zeitalter der Digitalisierung einzustellen und maximalen Lernerfolg verbunden mit optimalem Lernerlebnis zu liefern? Sollten die Jugendlichen ihre eigenen Laptops oder Tablets in den Unterricht mitbringen? Sollten die Lehrer auf Facebook mit ihren Schülern befreundet sein?

Im Regelfall sollten die Geräte im Unterricht ausgeschaltet sein. Auch wenn ich die digitale Welt faszinierend finde, lautet mein Ratschlag: Die digitale Welt nicht überbetonen! Es gibt jenseits von Google und Wikipedia auch Bücher aus Papier. Und weiße Bögen, auf die man zeichnen kann. Und Holz und Metall. Und Musik sowie Theater kann man selber „analog und Realzeit“ machen. Und Lehrer haben auf der Facebook-Seite oder der WhatsApp-Gruppen ihrer Schüler nichts verloren.

Als Generation Z wird die Nachfolge-Generation der Millennials bezeichnet, also all jene, die nach 1990 geboren worden sind. Wie tickt diese Generation im Vergleich zu Vorgängergenerationen und was bedeutet dies konkret für die Personalverantwortlichen, die in den Unternehmen das Ausbildungsmarketing verantworten?

Die Generation Z will anders arbeiten; Sie möchte eine klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben. Der zur Zeit von Unternehmen und „New Work“-Beratern forcierten Logik des Work-Life-Blendings kann sie überhaupt nichts abgewinnen. Gleiches gilt für die Logik der arbeitnehmerseitigen Flexibilität und Agilität, wo sich Mitarbeiter ohne viel Planung und Struktur laufend an das anpassen sollen, was vom Unternehmen kommt. Die Generation Z ist bereit, gut und hart zu arbeiten – aber in klaren zeitlichen, örtlichen und sachlichen Grenzen. Das sollten Unternehmen erkennen, berücksichtigen und der Generation Z kommunizieren. Und auch ganz wichtig: Trotz aller Digitalisierung möchte die Generation Z ihren eigenen Schreibtisch mit Kaktus und Bild von Freund beziehungsweise Freundin.

Es ist zu beobachten, dass einige Unternehmen bzw. Branchen durch die Produktion von Imagevideos versuchen, sich für den Nachwuchs von morgen besonders attraktiv darzustellen. Mitunter nehmen diese Firmen- bzw. Branchenvideos recht skurrile Züge an und wirken wenig authentisch. Wie schätzen Sie das ein und welche Fehler sollten hier unbedingt vermieden werden ?

Was die Generation Z überhaupt nicht schätzt, das sind die reinen Imagevideos, die Unternehmen in strahlendem Licht mit strahlenden Mitarbeitern zeigen. Die Generation Z weiß: Bei keinem Unternehmen steht der Mitarbeiter als Mensch im Mittelpunkt und kaum ein Unternehmen verspürt echte soziale Verantwortung. Deshalb wirken Werbevideos für Firmen und Branchen als genau das, was sie sind, nämlich reine Werbung. Sie stößt auch bei der Generation Z auf weniger Interesse und erfährt weniger Vertrauen als Waschpulverwerbung. Trotzdem: Die Generation Z liebt Videos und verwendet YouTube als Suchmaschine. Deshalb brauchen Unternehmen derartige Videos: Sie sollten aber einfach und authentisch gemacht sein, konkrete Fakten zum Arbeitsplatz liefern, authentisch nicht mehr als vier Minuten dauern, keine Menschen jenseits von 25 Jahren zu Wort kommen lassen und auf YouTube zu finden sein. Sie sollten also einfach wie eine Gebrauchsanweisung für eine Waschmaschine wirken und definitiv keine singenden Mitarbeiter zeigen.

Dein Kommentar