5 Fragen — 5 Antworten: Mit Ulrich Wickert

Ulrich Wickert (1942 in Tokio/Japan geboren) ist ein deutscher Journalist und Autor. Er war als Korrespondent in den USA und Frankreich tätig und außerdem lange Jahre das bekannte Gesicht der Tagesthemen. wissensschule tauschte sich mit ihm über die Veränderungen des Journalismus, Tipps für angehende Journalisten sowie den Slogan “bad news are good news” aus.

Ulrich Wickert-interview

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nach der Schule oftmals nicht, was sie machen sollen — direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Gleich nach dem Abitur habe ich auf dem Bau gearbeitet, um Geld für den Führerschein zu verdienen. Dann habe ich mich im nächsten Semester an der Universität eingeschrieben, aber im ersten Semester schon um ein Auslandsstipendium beworben. Ich hatte Glück und bin nach dem 3. Semester mit einem Fulbright-Stipendium für ein Jahr in die USA gefahren. Der Auslandsaufenthalt war für mich sehr wichtig und bedeutend, obwohl ich ja schon ausreichend Erfahrung hatte. In Tokio geboren, in Japan, Deutschland und Frankreich aufgewachsen, war der erste Auslandsaufenthalt ohne Eltern und Familie ausschlaggebend.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will an den Schulen ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags einführen als Reaktion auf den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina. Bereitet Schule junge Menschen lebensnah auf die Zeit nach der Schule vor oder muss hier nicht massiv nachgebessert werden?

Weder die Schule noch die Universität bereiten auf das wirkliche Leben vor. Das kann verbessert werden, ist aber auch Aufgabe der Eltern und Familien.

Wie hat sich der Journalismus in den letzten Jahren verändert? Haben Digitalisierung, Klickzahlen, Apps und Co. das Handwerk, das Sie ursprünglich einmal erlernt haben, verändert?

Der Journalismus ist schneller und damit leider auch oberflächlicher geworden. Aber es gibt noch hervorragenden Qualitätsjournalismus in Deutschland.

Allerdings: Im Internet wird viel Müll gemeldet, vieles davon ist erfunden, Gerüchten entnommen oder einfach böswillig weitergeleitet, obwohl man weiß, dass es nicht stimmt. Das hat mit Journalismus nichts zu tun. Müll im Kopf ist auch Umweltverschmutzung.

Sie sind das Vorbild vieler junger Menschen, die journalistisch arbeiten möchten. Was würden Sie jungen Journalisten und Jugendlichen, die es werden wollen, ans Herz legen?

Journalismus ist ein Handwerk, das seinen eigenen Regeln folgt. Jedes Handwerk muss man lernen, das ist anstrengend und erfordert viel Geduld. Neugier ist eine gute Triebfeder. Aber auch Genauigkeit der Recherche ist wichtig. Häufig versteht man Aktuelles nur, wenn man auch die Hintergründe kennt. Die gilt es zu erkundigen, selbst wenn es Zeit kostet. Lieber sorgfältig arbeiten, als zu versuchen, der Erste zu sein.

Terroranschläge, Kriege, Flüchtlingskatastrophen, Naturkatastrophen, Korruption und Skandale (DFB und VW) begleiten uns fast jeden Tag. Als Individuum fühlt man sich umgeben von schlechten Nachrichten. Verkaufen sich schlechte Nachrichten besser und wo bleibt eigentlich der Raum für “Good News” ?

Leider heißt ein Slogan immer noch: “bad news are good news”.  Ich halte das für zu vordergründig. Wenn man lange über eine Sache berichtet hat, dass sie NICHT klappt, dann ist es eine Frage der Fairness, auch darüber zu berichten, wenn sie endlich klappt.

Leider führt die Such nach  schlechten News auch dazu, manche gar nicht so schlechten Dinge schlecht zu machen. Das ist schlechter Journalismus.


Foto: Paul Ripke

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