5 Fragen — 5 Antworten: Mit Urs Meier

Urs Meier (1959 in der Schweiz geboren) ist ein ehemaliger  FIFA-Referee, ZDF-Fußballexperte, Vortragsredner und Buchautor. Mit seiner Urs Meier Management AG bietet er darüber hinaus, Schulungen, Referate und Events an. wissensschule tauschte sich mit ihm über Unsportlichkeiten im Fußball sowie die erste Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga aus.

Speakers Excellence - Wissensforum 2009 Urs Meier 091002_wl_speakers_#### Foto: copyright Wolfgang List - 02.10.2009 Mobil 0172-7107756 Veröffentlichung nur mit "Foto Wolfgang List" als Bildunterschrift und Zusendung eines Belegexemplares

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Direkt ins Studium, eine Ausbildung machen oder  im Ausland erste Erfahrungen sammeln? Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu raten Sie jungen Menschen?

Mein Rat zielt nicht nur auf die jungen Menschen, sondern generell sollte man auf sein Herz hören und ihm folgen. Es gibt so viele Wege zum Ziel, welche sich oft erst später herauskristallisieren. Auf jeden Fall sollte man sich öffnen und Sprachen lernen, denn wo man sich nicht verständigen kann, bleibt man Außenseiter und wird viel Schönes, Interessantes nicht erfahren. Deshalb rate ich „Unentschlossenen“  geht ins Ausland und lernt die Sprachen und Kulturen kennen.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen  mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Ja, ganz klar, diese Meinung vertrete ich schon seit vielen Jahren. Ich denke, dass unser Schulsystem, und da nehme ich das schweizerische nicht aus, näher an die heutige Zeit, an die heutigen Anforderungen ausgerichtet werden sollte. Ich denke, dass das britische System hier bereits einen guten Weg geht und die Schüler auf die Aufgaben nach der Schule vorbereitet. Zudem werden die „Leitplanken“ viel klarer und konsequenter gesetzt, genau wie bei einem guten Schiedsrichter. Und, oh Wunder, die Schüler, die Eltern, aber auch die Lehrer finden es mega cool.

Die schönste Nebensache der Welt, der Fußball, verkommt immer mehr zu Kommerz, Geldgier und Showgeschäft. Auf der einen Seite Spieler mit großflächigen Körpertattoos  sowie stylischen Haarschnitten, verehrt und geliebt wie Popstars und manch einer von ihnen gebärdet sich auch so. Auf der anderen Seite sehen wir in den Stadien oder vor den Bildschirmen Pöbeleien von Spielern und Trainern gegen Schiedsrichterentscheidungen, Hassplakate gegen ungeliebte Fußballclubs oder deren Finanziers, elegante Schwalben und teilweise unsägliche Fouls. Sind wir dabei den Fußball zur unsportlichsten verkommen zu lassen und was können wir hier von anderen Sportarten lernen? 

Fußball ist und war von je her ein Spiegelbild der Gesellschaft. Fußball ist in der Tat eine Sportart, in welcher man zur Unsportlichkeit trainiert wird: lass Dich doch fallen, hole den Elfmeter raus! Versuche deinen Gegner zu provozieren, damit er vom Platz gestellt wird! Reklamiere beim Schiedsrichter, dass er das nächste Mal für uns pfeift usw. usw.. Ja, wir können von anderen Sportarten lernen: Rugby ist nur eine davon.

Mit Bibiana Steinhaus pfeift in der kommenden Saison die erste Frau in der Fußball-Bundesliga. Haben die Männer den Fußballkrieg der Geschlechter verloren oder eine längst überfällige Entscheidung?

Hier geht es nicht um das Geschlecht, sondern um die Qualität. Bibiana hat mit ihrer Erfahrung, mit ihrer Persönlichkeit, mi ihren Leistungen in der 2. Bundesliga längst bewiesen, dass sie einen Platz in der 1. Liga verdient. Da das Thema Frauen im Männersport immer noch heiß diskutiert wird, wird sie leider von den Ewiggestrigen weiterhin Gegenwind erhalten, doch auch dieser Wind wird abflauen.

Seit Jahren sind Sie Botschafter für die Kindernothilfe. Was war der Auslöser für Ihr Engagement und was genau wird von Ihnen wie unterstützt?

Die Hilfsorganisation musste zu mir passen, meine Werte vertreten, für welche ich seit Jahren einstehe: Fairplay = vom Anderen her Denken, Langfristigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, Transparenz, Menschlichkeit. Genau dies widerspiegelt die Kindernothilfe, welche schon seit über 50 Jahren den Schwächsten auf der ganzen Welt hilft. Dabei besuche ich Projekte vor Ort, damit ich auch die Glaubwürdigkeit aufzeigen kann und damit hoffentlich Spenden generieren kann, denn jeder Cent zählt und ist wichtig.

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