Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

5 Fragen — 5 Antworten mit Wolfgang Bosbach

23. April 2021
Wolfgang Bosbach (1952 in Bergisch Gladbach geboren) ist ein deutscher Politiker und Rechtsanwalt. Er war von Februar 2000 bis November 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union und von November 2009 bis Juli 2015 Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Im Oktober 2017 beendete er seine politische Arbeit im Deutschen Bundestag.

Die Frage, was man nach der Schule vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …....“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Den eigenen Interessen folgen oder einen sicheren Weg gehen? Wozu würden Sie jungen Menschen heute raten?

Das hört sich jetzt vielleicht etwas flapsig an, ist aber ganz ernst gemeint. Ich sage gerne: Mach' Dein Hobby zum Beruf und Du hast immer Freizeit!

Man sollte zumindest versuchen genau das zu tun, was man wirklich gerne tun würde. Dann macht man seine Arbeit nicht nur gerne, sondern auch gut.  Keine halben Sachen, was man anfängt auch zu Ende bringen, nicht zu oft auf die Uhr gucken. Und wenn man merkt " das ist nicht meins " mutig eine neue Herausforderung annehmen.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach "mehr lebensnahem Unterricht" geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema, bereitet Schule zu wenig auf das Leben vor?

Ach Du liebe Güte, mein letzter Schultag ist schon ein paar Jahrzehnte her! Damals ging es noch in erster Linie um rechnen, schreiben, lesen und später um Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte, naturwissenschaftliche Fächer, glücklicherweise auch Sport und andere klassische Schulfächer. Nichts spricht gegen eine Erweiterung des Bildungsangebotes aber bitte nicht zu Lasten der erwähnten Disziplinen.

Seit heute (20.04.2021) ist es also amtlich: Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der CDU/CSU Fraktion. Nach der desaströsen Corona Politik, die die Menschen mehr verunsichert als beruhigt, liefern sich die beiden Landesväter von Bayern und Nordrhein-Westfalen ein munteres Possenspiel. Führt dies nicht zusätzlich zu weiterer Politikverdrossenheit und kostet es die CDU/CSU nicht weitere Stimmen bei der Bundestagswahl im September?

Der Wettstreit der Kandidaten, der im Kern kein Streit zwischen CDU und CSU war, sondern ein CDU interner Konflikt, hat der Union erkennbar nicht gutgetan.  Aber bis zum 26. September ist es noch lange hin, da kann noch viel passieren.  Die Union wird sicher nicht in diesem demoskopischen Tief verharren.

Zu den Umbrüchen durch Globalisierung, Digitalisierung und Migration ist jetzt noch die Pandemie dazu gekommen.  Das Hickhack um die Oster-Ruhetage, endlose Beratungen fast ohne Ergebnis, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, die sich nicht auf eine einheitliche Linie einigen können, stärken nicht unbedingt das Vertrauen in unsere Politik. Haben hier unsere Politiker kollektiv versagt?

Sorry, aber diese schlichte Diagnose ist mir wirklich zu platt. Auch mir fällt einiges ein, was man hätte besser machen können und auch besser machen müssen. Beispiel Einkauf von medizinischem Bedarf im Frühjahr 20 und die Beschaffung der Impfstoffe.  Aber auch im Vergleich mit vielen anderen Staaten kann bei uns von katastrophalen Verhältnissen keine Rede sein. Eine 1 würde ich der Corona- Politik zwar nicht geben, aber mit einer 3 bis 4 liege ich bestimmt nicht komplett daneben.

16 Jahre Ära Kohl, 16 Jahre Ära Merkel. Ich denke, in der jetzigen Zeit sehnen sich viele Menschen nach einem politischen Neuanfang mit einer anderen Regierung. Wie schätzen Sie das ein?

Da die Kanzlerin nicht mehr antritt, wird es ja ohnehin einen Neuanfang geben.  Jede Zeit hat ihre neuen, ganz besonderen Herausforderungen und auf neue Fragen muss es neue Antworten geben. Ich hoffe sehr, dass es im Wahlkampf nicht allzu schlicht zugeht.  Die entscheidenden Fragen sollten nicht lauten ist das neu, anders oder modern, sondern ist das richtig, klug und vernünftig?

Aber ich gebe zu, derartige Kriterien kommen immer mehr aus der Mode.

Veröffentlicht am 23. April 2021

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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