Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

5 Fragen — 5 Antworten: Nazan Eckes

21. August 2015

nazan-eckes-blog

Nazan Eckes  (1976 in Köln geboren) ist eine deutsche Fernsehmoderatorin. wissensschule.de tauschte sich mit ihr über die Zeit nach ihrem Abi, lebensnahen Unterricht und Unterstützung bei den Flüchtlingsopfern aus.

 

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit ...“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Wie haben Sie die Zeit erlebt als Sie 1995 in Leverkusen Ihr Abi gemacht haben?

Das war eine sehr aufregende Zeit. Ich hatte damals das Gefühl, dass das Leben jetzt erst richtig beginnt. Ich hatte keine große Angst vor der Zukunft. Vielmehr dachte ich 'Mensch, jetzt ist noch alles möglich. Bloß keine Fehler machen'.

Das lag mit Sicherheit auch daran, dass ich schon sehr früh wusste, welche Branche mich wirklich interessiert. Die Medien.

Durch den Tweet  der damals 17-jährigen Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach "mehr lebensnahem Unterricht" geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Naina hat Recht. Vieles von dem, was ich in der Schule pauken musste, habe ich nie wieder gebraucht. Nun braucht man natürlich eine gewisse Grundbildung, um sich später entscheiden zu können, was man überhaupt will. Aber wichtige Themen wie Politik und Geschichte könnten so viel lebhafter gestaltet werden. Längere Projektbezogene Arbeit z.B. finde ich effektiver, als Jahreszahlen  auswendig zu lernen. Das macht mehr Spass und es bleibt mehr hängen.

Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer, Abschottungspolitik verschiedener EU-Mitgliedsstaaten hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen sowie Brandanschläge auf Asylantenheime in Deutschland vermitteln nicht unbedingt den Eindruck einer "Willkommenskultur".  Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Grundsätzlich müssen wir unbedingt an unserer Willkommenskultur arbeiten. Dennoch finde ich, sollte man nicht all die vielen Menschen vergessen, die sich tatsächlich engagieren und große Hilfsbereitschaft zeigen. Viele Organisationen verzeichnen einen hohen Anstieg, was die Zahlen derer betrifft, die aktuell helfen wollen. Es tut sich also was.

Durch die fast täglich neuen Flüchtlingsströme stoßen die Städte und Gemeinden in unserem Land kapazitätsmäßig an ihre Grenzen. Till Schweigers Versuch hingegen ein erstes privates Vorzeige-Flüchtlingsheim zu schaffen, stießnicht nur beim Bundesamt für Migration auf breite Zustimmung. So kann gesellschaftliches Engagement auch ausgebremst werden, wie gehen Sie damit um? 

Meine persönliche Meinung ist: jeder der helfen will, verdient Respekt. Mir ist dabei egal, um welche Art von Hilfe es sich handelt und um welche Person. Eine so beliebte und bekannte Persönlichkeit wie Til Schweiger kann natürlich viel mehr bewirken. Ich finde sein Vorhaben daher sehr mutig und jede Kritik daran unverständlich.

Für viele junge Menschen haben bekannte und erfolgreiche Fernsehmoderatoren/innen ein Stück weit Vorbildcharakter und sind deren Idole. Permanent in der Öffentlichkeit zu stehen, oberflächliche Interviewanfragen  zu beantworten und immer gut drauf zu sein, erfordert doch sicherlich auch ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Was sind die Schattenseiten dieses Berufs und welchen Rat können Sie jungen Menschen hier mit auf den Weg geben?

Gerade in Zeiten von Facebook und Co ist es wichtig eine klare Linie zwischen Privatleben und Job zu ziehen. Es gibt zwar durchaus Privates, das ich verrate, aber dennoch weiß ich, welche Dinge NICHT  in die Öffentlichkeit gehören. Daher blieben mir bisher die Schattenseiten der Branche zum Glück erspart. Du hast selber in der Hand, wie öffentlich du sein willst. So einfach ist das.


 

Foto: IMMO FUCHS

Veröffentlicht am 21.08.15

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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