G8/G9: Ein Diskurs mit Schülern

G8/G9: Ein Diskurs mit Schülern G8/G9 Klassenraum & Schule Seit mehr als zehn Jahren gibt es das G8 nun schon, das verkürzte Abitur in 12 statt bisher 13 Schuljahren. Jetzt treten einige der Bundesländer (unter anderem auch NRW) wieder auf die Bremse, um entweder zu G9 zurück zu kehren oder aber beide Formen anzubieten. Für oder wider G8 bzw. G9 oder Wahlmöglichkeiten an den Schulen? Was ist der richtige Weg? Dies möchten wir in unserer neuen Reihe “G8/G9 – ein Diskurs” thematisieren und Sie/Euch einladen, sich daran zu beteiligen. Heute tauscht sich wissensschule mit Hannah Steffen und mit Imke van Wickeren aus. Sie sind Schülerinnen am Collegium Augustinianum Gaesdonck.

Die Diskussion um das Abitur nach 12 bzw. 13 Jahren hat auch in NRW wieder Fahrt aufgenommen.  Lehrer,  Eltern und Schüler sind verunsichert, was hat das mit euch gemacht?

Hannah Steffen: Diese allgemeine Verunsicherung hat auch mich natürlich anfangs beeinflusst. Allerdings habe ich das Glück, dass auf meiner Schule, der Gaesdonck, sowohl das G8 – als auch das G9-System angeboten wird. Durch diverse Infoveranstaltungen der Schule konnte ich mich außerdem informieren sowie mich natürlich mit Freunden, der Familie und den Lehrern beraten und bin so auch letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass das G9-Modell für mich passender ist und mir persönlich mehr Vorteile bringt.

Imke van Wickeren: Zunächst war ich auch etwas irritiert. Doch diese Verunsicherung legte sich schnell, da ich aufgrund der Auswahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 selber entscheiden konnte, was für mich am besten ist. Für mich wurde dadurch relativ schnell klar, dass ich mein Abitur nach 12 Jahren absolvieren will. Also habe ich mich ausreichend informiert und mir über die Diskussion keine weiteren Gedanken mehr machen müssen.

Viele Schüler empfinden das G8-Abi als stressig; habt ihr schon einmal versucht etwas dagegen zu unternehmen? Was müsste passieren, damit es zu einer Veränderung kommt?

Imke van Wickeren: Da ich den “G8-Weg” gewählt habe, weiß ich, wie stressig das Abitur nach 12 Jahren sein kann. Ich bin aber auch der Meinung, dass wenn man gute Noten erzielen möchte, das G9-Abi ebenfalls stressig ist. Damit etwas Anstrengung genommen werden kann, wäre es sinnvoll, die Klassen und Kurse so klein wie möglich zu halten. Auch ich merke, dass – ganz unabhängig von meinen “Lieblingsfächern” – ich in den Kursen besser mitkomme, an denen nicht so viele Schüler teilnehmen. Das hat den Vorteil, den Stoff nicht nachholen zu müssen und mehr Freizeit für andere Dinge als lernen zu haben. Dennoch glaube ich, dass sich Stress auf jeden Schüler unterschiedlich auswirkt und daher jeder selbst entscheiden sollte, ob G8 oder G9 für ihn besser ist.

Hannah Steffen: Um das G8_abitur ein bisschen ‚stressfreier‘ zu gestalten, müsste man evtl. einiges vom Lehrplan kürzen, da viele Schüler mit der großen Menge an Schulstoff in der vergleichsweisen kurzen Zeit nicht klarkommen. Dies ist einer der Vorteile an dem G9-Modell, da auf die Schüler ‚Rücksicht‘ genommen wird, in dem die Themen in dem ‚extra Jahr‘ intensiv aber ohne Eile bzw. Zeitdruck durchgenommen werden. So wird man weniger unter Druck gesetzt und ich zum Beispiel besser auf mein Abitur vorbereitet, da ich so über eine meiner Meinung nach besseren ‚Grundlage‘ für die Oberstufe verfüge.

Eltern sind besorgt, weil ihre Kinder nachmittags Unterricht haben und Schüler fragen sich, ob sie in der G8 Klasse noch genug Zeit für Freunde, Freizeit und soziales Engagement haben. Übertrieben oder gelebte Realität auch an eurer Schule? 

Hannah Steffen: Ich persönlich habe am Beispiel meiner älteren Schwester (ebenfalls ‚Gaesdonckerin‘, Oberstufe G8, voraussichtliches Abitur 2018) erfahren, dass dies leider zutrifft. Freizeitaktivitäten sind fast gar nicht mehr möglich auszuführen, ebenso wie Freunde außerhalb der Schule zu treffen. Zum einen mag dies an dem enormen Stress in der Schule liegen, zum anderen auch an den späten Zeiten, zu denen man nach der Schule nach Hause kommt und selbst dann anschließend noch Hausaufgaben erledigen – und lernen muss. Das steht natürlich auch besonders im Kontrast dazu, dass sie, sowie viele andere Schülerinnen und Schüler der Gaesdonck vor der Oberstufe ‚extern‘ waren, sodass sie jeden Mittag um 13:10 Uhr nach Schulschluss nach Hause fahren konnten und eben – als große Umstellung – diese Freiheit nun nicht mehr besitzen.

Imke van Wickeren: Ich kann die Sorgen der Eltern und Schüler gut nachvollziehen, da ich zu Beginn ähnliche Bedenken hatte – die sich aber mittlerweile geändert haben. Ich stimme zu, dass Schule einen großen Teil meiner Zeit beansprucht, aber während meinem Schultag habe ich auch einige Freistunden, welche ich oft mit meinen Freunden verbringe. Es kann sogar sehr hilfreich sein, in der freien Zeit mit seinen Freunden zu lernen, da sowohl mehr aufkommende Fragen beantwortet werden können, als auch Freizeit und Schule miteinander verbunden wird. An meinen außerschulischen Aktivitäten hindern mich die langen Schulzeiten nicht – mein Tanzunterricht findet in er Regel am Abend statt, sodass ich mich nach der Schule auspowern kann. Des Weiteren bleibt mir die Zeit, an einem Austauschprogramm teilzunehmen. Somit bietet sich mir die Chance für ca. 3 Monate nach Paraguay zu fliegen und meine Spanisch-Kenntnisse zu verbessern.

Eine Rückkehr zu G9 würde bedeuteten wieder etwas mehr Zeit zu haben — wie würdet ihr diese Zeit in der Woche nutzen?

Hannah Steffen:  Durch das G9-Modell der Gaesdonck merke ich schon jetzt, dass ich viel mehr Zeit für mein Umfeld und mich habe, verglichen mit zum Beispiel Freunden an anderen G8-Schulen. So muss ich beispielsweise weder auf mein Volleyball-Training zweimal in der Woche inkl. Spieltag am Wochenende, noch auf die Klavierstunden oder den Tanzunterricht verzichten. Am Wochenende kann ich weiterhin Babysitten oder mich sogar spontan mit meinen Freunden treffen, Zeit mit der Familie verbringen. Trotz alledem bleibt dabei immer noch genug Zeit für die Schule und meine Hausaufgaben, da diese natürlich neben den anderen Aktivitäten nicht zu kurz kommen dürfen. Dass ich auf all dies nicht verzichten muss, gefällt mir an dem G9-Modell sehr gut!

Unabhängig davon, nach wie viel Jahren ihr euer Abitur macht, wie sehen eure Planungen danach aus?

Imke van Wickeren: Nach meinem voraussichtlichen Schulabschluss 2019 würde ich gerne direkt mit einem Medizinstudium beginnen und später in dem Fachbereich der Chirurgie tätig werden. Diesen Plan verfolge ich schon seit einer gewissen Zeit und möchte daher schnell mein Abitur absolvieren. Ich denke aber auch über ein Studium der Zahnmedizin oder der Pharmazie nach.

Hannah Steffen: Für mich steht fest, dass ich nach meinem Abitur im Jahr 2020 in absehbarer Zeit mit einem Studium beginnen möchte. An einem genauen Thema habe ich mich bis jetzt zwar noch nicht festgelegt, allerdings tendiere ich zum jetzigen Zeitpunkt eher entweder zu Sprachen wie ‚Deutsch‘ oder ‚Englisch‘ oder andernfalls auch zu ‚Kunst‘, da mir diese Fächer in der Schule im Moment am meisten Spaß machen und bei denen ich mir vorstellen könnte, sie in meinen späteren Beruf zu integrieren. Auch über eine Zeit im Ausland nach meinem Abitur habe ich nachgedacht, wie zum Beispiel meine Austauschschülerin aus der französischen Schweiz, bei der ich Anfang dieses Jahrs (2017) zwei Monate verbracht habe (auch dank des G9-Modelles) zu besuchen, um so meine Französischkenntnisse erneut zu verbessern. Da ich mich bis jetzt allerdings noch nicht konkret festgelegt habe, bin ich dankbar, dass mir dank des G9-Modells noch ein Jahr ‚extra‘ Zeit bleibt, um mir über meine Zukunft klarzuwerden.

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