Abi & JETZT?! #14 Jungunternehmer werden

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noel-schaeferIn der neuen Reihe abi & JETZT?! zeigt wissensschule.de, wie viele Möglichkeiten man nach dem Abi hat. Wir wollen zeigen: FÖJ und Ausbildung sind zwei Wege, es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten. Heute tauscht sich wissensschule mit  Noel Schäfer aus, der nach dem Abitur mit seinem Schulkollegen und heutigem Geschäftspartner ein Unternehmen gründete. Ihr Unternehmen, die Telepano GbR hat sich auf die interaktive Entwicklung von 360°-Panoramen spezialisiert.

Die Frage, was man nach dem Abitur vorhat, nervt nicht nur die Abschlussklassen. Mit der Antwort „Irgendetwas mit …“ zählen einige Schüler schon zu den Entschlossenen. Was waren Ihre Beweggründe in den Wochen nach dem Abitur mal eben ein Unternehmen zu gründen?

„Mal eben“ klingt gut, in Wirklichkeit steckt hinter unserer Unternehmensgründung aber noch ein Stückweit mehr Geschichte als nur das Abitur in unserer Tasche. Wir haben während unserer Schulzeit bereits in einer Werbeagentur gearbeitet und 360°-Panoramen produziert. Weil sich das Klima dort mit der Zeit jedoch verschlechterte  und kurz vor den Abiturprüfungen derart zugespitzt hatte, fassten wir den Entschluss, uns dort auszuklinken und es nach dem Abitur besser zu machen. So planten wir rund ein halbes Jahr unser Geschäftsmodell bis wir im Oktober schließlich telepano gründeten.

Neben den oben genannten Gründen haben uns diverse Themenreihen in der Schule motiviert „der eigener Chef zu sein“. Eine Firmengründung ist kein Hexenwerk, viel mehr geht es darum, sich für das Gründertum zu motivieren und mit seinen Aufgaben zu wachsen. Und da wir, falls das ganze gescheitert wäre, noch unsere Familie im Hintergrund hatten, gab es keinen Grund zu zögern.

Fühlten  Sie sich an Ihrer Schule  ausreichend  zum Thema “Übergang Schule – Studium -Ausbildung” informiert oder muss hier zukünftig mehr passieren und wenn ja, in welcher Hinsicht?

Hm, das ist eine gute Frage. Mit Rückblick auf 13 Jahre Schule kann ich jedoch feststellen, dass die Schule einem dabei hilft einen Eindruck von vielen verschiedenen Facetten des Alltags und der Welt zu gewinnen. Vertiefen muss man das ganze schließlich selbst – oftmals Zuhause und nach der Schule. Ja, man wird vorbereitet, jedoch nur sehr oberflächlich und nicht tiefgründig. Trotzdem hat man sich natürlich immer wieder gefragt „Wofür brauche ich das noch in meinem Leben?“. Meine Erkenntnis ist eher, dass man das „Lernen“ lernt – also wie man an Aufgaben herangeht und diese möglichst effizient löst.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass Schulen die Kreativität ihrer Schüler mehr fördern. Es gibt einige Schüler die ihr Wissen sehr gerne unter Beweis stellen und vertiefen würden, es aber nicht können, weil der Lehrplan dafür keinen Raum bietet. Wir hatten das Glück, dass es einen Projektkurs „Schülerfirma“ gab. Dort haben wir eine echte Firma gegründet, die sich mit der Organisation und Durchführung von Klassenfahrten und Exkursionen beschäftigt hat. Die Nachfrage war groß und während dieser Zeit haben wir sogar wirtschaftliche Erfolge erzielt. Außerdem habe ich als 5. Abiturfach, als eine Art Facharbeit, in der Theorie eine Firma gegründet. 90% der Schüler wissen nicht einmal, dass so etwas möglich ist.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will an den Schulen ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags einführen als Reaktion auf den Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina. Wie denken Sie darüber?

Diese Diskussion habe ich mit verfolgt und mit Erstaunen festgestellt, wie unterschiedlich doch an deutschen Schulen unterrichtet wird. Anstatt eines separaten Unterrichtsfachs würde ich es besser finden, wenn das Fach Sozialwissenschaften einen höheren Stellenwert bekäme. Dort ist neben den gesellschaftlichen und politischen Themen genug Platz für solche Fragen. Am Ende des Tages liegt es jedoch an dem Schüler selbst. Bildung und Wissen bekommt man zwar kostenlos, aber nicht geschenkt. Man muss sich auch selber mit den Themen befassen, also z.B. auch damit, wie eine Steuererklärung funktioniert oder wie ich einen Haushalt kalkuliere. Den Schülern das Wissen aus jeder erdenklichen Nische einzuhämmern halte ich für den falschen Ansatz. Die Themen kurz anreißen, damit die Schüler diese vertiefen können – das ist für mich der richtige Weg.

Was glauben Sie, sind die Beweggründe dafür, dass sich so wenig junge Menschen in eine Selbstständigkeit wagen? Wiegt bei der  jüngeren Generation mehr das Sicherheitsbedürfnis sowie der Wunsch mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben, als der Aspekt sich als “Unternehmer” zu versuchen?

Das Problem ist weniger das Sicherheitsbedürfnis sondern vielmehr die Angst vor dem Scheitern. In unserer Gesellschaft wird oftmals eher auf Niederlagen geschaut. Positive Errungenschaften fallen hinten rüber und spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Somit liegt es sehr nahe, dass sich einige Menschen mit einer tollen Idee vielmehr aus Angst, es könnte nicht klappen, gegen eine Existenzgründung entscheiden.

Darüber hinaus hält die Bundesrepublik einige komplizierte Fallstricke (Steuern, Gesetze, usw.) für Jungunternehmer bereit, die ebenfalls abschrecken. Im ganzen fehlt es Deutschland aber auch an mehreren Stellen um Gründerfreundlich zu sein. Nehmen wir als Beispiel die Krankenversicherung: Dort gibt es bestimmte Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, damit man über seine Eltern versichert bleibt. Wenn man dort anruft und sagt man hat neben dem Studium ein Startup, wird man häufig endlos herumgereicht, weil eben niemand so recht Bescheid weiß. Das Finanzamt meldet sich natürlich auch sofort und will Prognosen und Umsätze sehen. Als Jungunternehmer erschlägt das einen natürlich erst einmal und nimmt einem die Zeit, die man besser in sein Startup investieren kann. Ich könnte ein ganzes Buch mit der Kommunikation zwischen Ämtern und Versicherungen zum Beginn unserer Firma schreiben. Das war schon sehr zeitraubend.

Viele Schüler/innen haben das Gefühl, dass sie möglichst jung, mit möglichst guten Noten einen Abschluss machen sollten, um dann sofort in den Arbeitsalltag einsteigen zu können. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Meiner Meinung nach ist das der völlig falsche Weg. Es geht nicht darum es möglichst früh „hinter sich“ gebracht zu haben, sondern vielmehr bietet einem die Schulzeit Raum zur Orientierung. Viele junge Menschen wissen während ihrer Schulzeit noch überhaupt nicht wo ihre „Reise“ hingeht. Sich dann notgedrungen in irgendeine Ausbildung oder Studiengang zu begeben demotiviert eher als das es nützt. Das Leben ist lang genug und dementsprechend bleibt ausreichend Zeit, um  sich Gedanken über seine Zukunft zu machen.

In meinem Jahrgang waren einige Jungen und Mädchen, die mit 17 Jahren ihr Abitur erworben haben. Dadurch, dass die Politik das Abitur praktisch um ein Jahr gekürzt und auf zwei Jahre gestaucht hat,  sind eine Vielzahl von Problemen entstanden. Einerseits geht es beim Abitur nur um Leistung, da der für drei Jahre ausgelegte Stoff bereits in zwei Jahren erlernt werden muss. Andererseits bleibt kaum noch Zeit sich selbst zu finden und sich beruflich zu orientieren. Besser wäre es vielleicht sogar noch ein Jahr dranzuhängen, in dem sich die Schüler mit Hilfe von Projekten orientieren können. Um auf meine Schulkollegen zurückzukommen: Die meisten wussten in dem Alter überhaupt nichts mit sich anzufangen und haben angefangen irgendetwas zu studieren oder der Klassiker: Ein Jahr entspannen und ins Ausland gehen. Dass es sich nicht jeder Schüler leisten kann, ein Jahr in Australien zu verbringen, muss ich nicht erwähnen. Alleine die Tatsache, dass viele sich erst einmal von der Schule „erholen“ müssen, zeigt aber doch, dass die Kürzung des Abiturs nichts gebracht hat. Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, so früh wie möglich mit der Schule „fertig“ zu sein.

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