Abi & JETZT?! #17 Latein auf Lehramt studieren

FotoIn der Reihe abi& JETZT?! zeigt wissensschule.de, welche Möglichkeiten man nach dem Abitur hat. Wir wollen aber auch zeigen, das Studium und Ausbildung nur zwei Wege sind, die man beschreiten kann und wie sich angehende Abiturienten auf die Zeit nach dem Abitur vorbereiten. Heute tauscht sich wissensschule mit  Jennifer Busch aus, die in diesem Jahr Abitur machen wird.

Jennifer Sie haben unlängst erfolgreich am Landeswettbewerb Alte Sprachen Certamen Carolinum 2015 teilgenommen. Was fasziniert Sie so sehr an der Sprache Latein und können Sie sich vorstellen, damit später einmal beruflich etwas anzufangen?

Ich halte Latein für unglaublich hilfreich dafür, besonders beim Übersetzen immer wieder auch über die eigene Muttersprache nachzudenken, davon abgesehen, dass die Sprache einen enormen Vorteil für das Erlernen weiterer romanischer Sprachen wie Französisch oder Spanisch darstellt.

Dennoch geht es dabei nicht nur um das Auswendiglernen verschiedener Verbformen, sondern gleichzeitig besteht die Möglichkeit, vieles über das Leben in der römischen Gesellschaft zu lernen und interessante Denkanstöße mitzunehmen, die noch heute aktuell sind.

Ich selbst beabsichtige deshalb, unter anderem Latein auf Lehramt zu studieren und dann als Lehrerin zu arbeiten.

Durch den Tweet der damals 17-jährigen Kölner Schülerin Naina, in dem der Wunsch nach “mehr lebensnahem Unterricht” geäußert wurde und Themen wie z.B. Steuern, Miete und Versicherungen mit behandelt werden sollten, wird die Diskussion um die zeitgemäße Wissensvermittlung an unseren Schulen wieder neu befeuert. Wie lebensnah ist aus Ihrer Sicht heute noch der Unterricht und wovon wünschen Sie sich mehr?

Ich denke, dass dies besonders auch vom Unterrichtsfach abhängt: so wird in Fächern wie Sozialwissenschaften meiner Meinung nach der Fokus auf aktuelle und somit auch lebensnahe Themen gelegt. Ansonsten hat auch die Gestaltung des Unterrichtes großen Einfluss darauf, wie dieser von den Schülern empfunden wird (fast hauptsächlich theoretischer Frontalunterricht kommt dabei sicherlich schlechter an als das tatsächliche selbstständige Arbeiten und die Mitgestaltung der Schüler). Dennoch stimme ich dem Tweet insofern zu, als dass bei oben angesprochenen Themenbereichen zunächst oftmals die Eltern um Hilfe gebeten werden, was sich, sei es durch Aufnahme in den regulären Unterricht oder durch Workshops etc., leicht ändern ließe.

Viele Eltern träumen nach dem Abitur vom Bachelor ihrer Kinder , während die vielleicht doch lieber mit ihren Händen arbeiten würden. Berufs- und Studienwahl wird neben der Schule maßgeblich vom Elternhaus mitbestimmt. Wie erleben Sie bzw. Ihre Mitschüler/innen hier das Engagement der Eltern, wohl dosiert oder eher den eigenen Vorstellungen folgend?

Ich empfinde den Einsatz der Eltern in den meisten Fällen so, dass die Jugendlichen die meisten ihrer Entscheidungen bezüglich der Berufs- und Studienwahl selbst treffen dürfen und dies auch von den Eltern erwartet wird.

Selbstverständlich werden die Schüler von ihren Eltern in den eigenen Interessen unterstützt und gefördert, ich würde aber nicht behaupten, dass für sie dabei besonders die eigenen Wünsche maßgeblich sind.

Dem größten Teil der Eltern ist es sicherlich wichtig, dass das eigene Kind im Leben möglichst weit kommt, dennoch würden wohl nur die wenigsten so weit gehen, ihm ein sehr theoretisch ausgelegtes Studium aufzuzwingen, wenn es lieber praktisch arbeitet und darin auch begabter ist.

G8 wird von Schülern, Eltern und Lehrern durchaus heftig diskutiert. Erhöhter Schulstress und weniger Freizeit für die Schüler, wie erleben Sie diese Zeit?

Ich denke, dass der Lernaufwand, der mit G8 einhergeht, für die Schüler prinzipiell machbar ist, auch weil es aus der Position eines Schülers schwierig ist, dies zu vergleichen, wenn man es nicht anders kennt und nicht weiß, wie groß bezüglich des Stresses der Unterschied wäre. Dass die verkürzte Schulzeit sich auch in mangelnder Freizeit widerspiegelt, für den einen mehr, den anderen weniger, ist allerdings klar.

Da ein Großteil der Schüler ein Jahr früher mit der Schule fertig wird, wissen viele nicht, welchen Weg sie in Sachen Berufswahl danach einschlagen wollen. Für einige wird diese Unentschlossenheit zum Problem und setzt sie unter Druck, bei anderen eröffnen sich aber auch Chancen wie ein Jahr im Ausland.

Stellen Sie sich vor, Sie wären unsere neue Bildungsministerin! Welche Veränderungen an Schulen würden Sie sofort umzusetzen, um Schülern/innen die Lust am Lernen neu zu vermitteln?

Zunächst sollte versucht werden, den Leistungsdruck an Schulen zu senken, der bei vielen Schülern zu einem Verlust der Motivation führt.

Ich denke auch, dass es wichtig wäre, mehr auf die Interessen der Schüler einzugehen und sie gezielter zu fördern, was bedeutet, dass in der Oberstufe die Fächer differenzierter gewählt würden und die Jugendlichen nicht das Gefühl hätten, mit der Hälfte der belegten Kurse im Leben „nie mehr etwas anfangen zu können“. Außerdem ist es wichtig, dass die Lehrer interessierte Schüler dazu ermutigen, sich außerhalb des Unterrichtes zu engagieren, wie zum Beispiel durch den Zusammenschluss von Gruppen oder auch die Teilnahme an Wettbewerben, um Gleichgesinnte zu treffen.

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