Architektur macht Schule

Aktionsprogramm „Architektur macht Schule!“

Architektur und Stadtentwicklung als Themen im Schulunterricht
fest verankern!

Kinder und Jugendliche leben und lernen Tag für Tag in einer von Menschen gestalteten Umwelt, also in Architektur – und nehmen diese kaum wahr. Denn die Themen Wohnen, Architektur und Städtebau spielen im Unterricht in der Regel keine Rolle. Um diesen Zustand zu ändern, startete die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen im Jahr 2002 das Aktionsprogramm „Architektur macht Schule!“. „Wir wünschen uns, dass Schülerinnen und Schüler ein starkes Gespür für ihre gestaltete Umwelt entwickeln und erkennen, dass man diese aktiv beeinflussen und verbessern kann“, erklärt Hartmut Miksch, der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Dazu hat die Architektenkammer NRW, gemeinsam mit verschiedenen Partnern, neue Angebote und Lehrmaterialien entwickelt, die es den Schulen in Nordrhein-Westfalen auf einfache Weise ermöglichen, spannende Architektur-Projekte zu realisieren. „Architektur muss fester Bestandteil des Schulunterrichts werden“, fordert der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

„Aus verschiedenen Projekten an Schulen wissen wir: Kinder und Jugendliche haben großes Interesse an Fragen der Architektur und der Entwicklung ihrer Stadt, wenn diese Themen spannend und lebensnah vermittelt werden“, betont der Kammerpräsident Miksch. Die Initiative „Architektur macht Schule!“ ziele deshalb darauf ab, entsprechende Angebote an Schulen zu etablieren. Vorbilder seien Länder wie Frankreich und Finnland, in denen dies schon seit Jahren mit großem Erfolg praktiziert werde.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Engagement der Architektenkammer, Architektur-Themen stärker in den Unterricht zu tragen. Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, fungiert als Schirmherrin über die Veranstaltungsreihe „KidS – Kammer in der Schule“: „Architektur ist ein interdisziplinäres Themenfeld, und das vernetzte Denken wird in der modernen Wissensgesellschaft immer wichtiger.

„Kinder können viel dazu beitragen, unsere gebaute Umwelt attraktiver und lebenswerter zu machen“, betont der Präsident der Architektenkammer, Hartmut Miksch. Im Kern gehe es bei dem Aktionsprogramm „Architektur macht Schule!“ darum, Kindern und Jugendlichen ein Gespür für die Qualität ihrer gebauten Umwelt zu vermitteln und damit langfristig das öffentliche Bewusstsein für Baukultur zu schärfen. „Wir sind in den vergangenen Jahren auf diesem Wege bereits ein gutes Stück vorange-kommen“, freut sich Miksch. Bundesweit gebe es inzwischen eine Vielzahl ähnlicher Initiativen und Arbeitsansätze, so zum Beispiel die Netzwerkkampagne „bauTraum“ der Bundesstiftung Baukultur.

Seit Anfang 2010 ergänzt auch Lehr- und Arbeitsmaterial für Grundschulen das Aktionsprogramm
„Architektur macht Schule!“, das sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt. Ein wichtiger Bestandteil sind Planungs- und Bauprojekte an Schulen, die unter dem Titel „KidS – Kammer in der Schule“ bereits seit rund 15 Jahren durchgeführt werden. Zudem gibt die Architektenkammer NRW in Kooperation mit dem Klett-Verlag sowie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen Schulbücher heraus: Das Buch „Wie gewohnt?“ dreht sich rund um die Entwicklung des Wohnens in Deutschland, „Gebaute Geschichte“ greift das Thema „Denkmalschutz“ auf, und die Arbeitsmappe „Alles nur Fassade?“ macht die städtebauliche Entwicklung eines Quartiers für Jugendliche nachvollziehbar.

Außerdem vermittelt die Architektenkammer NRW auf Anfrage allen interessierten Schulen Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, die dazu bereit sind, ehrenamtlich als Gast an Unterrichtsreihen teilzunehmen oder Projektreihen an Schulen durchzuführen. Eine Vielzahl von Unterrichtsreihen und Planungsprojekten sind auf diese Weise in den vergangenen Jahren an nordrhein-westfälischen Schulen durchgeführt worden.

Weiterführende Informationen und eine Datenbank, die verschiedenste Architekturprojekte an Schulen dokumentiert, stellt die Architektenkammer NRW ständig im Internet bereit. Unter der Adresse www.architektur-macht-schule.de finden Interessierte Material, Infos und Ansprechpartner sowie zahlreiche Anregungen für eigene Projekte an Schulen.

 

Architektur macht Schule! – Bausteine

Ein Aktionsprogramm der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

Baustein 1: Schulprojektreihe „KidS – Kammer in der Schule“

„Wir haben ein Problem an unserer Schule – wir lösen es!“ – Unter diesem Leitspruch führt die die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen unter der Schirmherrschaft der Schulministerin des Landes seit über 15 Jahren die erfolgreiche Projektreihe „KidS – Kammer in der Schule“ durch. An insgesamt vierzehn nordrhein-westfälischen Schulen aller Stufen und Schulformen wurden mittlerweile konkrete Planungs- und Bauprojekte realisiert. Das besondere an der KidS-Reihe: Die Schülerinnen und Schüler entwickeln selbst – unter Anleitung und Begleitung eines Architekten – ein Bauprojekt, das von der Problemanalyse über Entwurfsideen bis hin zur Suche von Sponsoren und zur Mitarbeit in der Bau-phase von den Kindern und Jugendlichen realisiert wird.

Aktuell läuft ein KidS-Projekt an einem Gymnasium in Essen.

Die interessantesten KidS-Projekte hat die Architektenkammer NRW in einer Wanderausstellung zu-sammengefasst, die bereits an verschiedenen Schulen und in Institutionen des Landes Nordrhein-Westfalen zu sehen war. „Die Ausstellung soll im Sinne einer best practice-Darstellung Schulen zum Nachdenken und Nachmachen anregen“, erläutert der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Hartmut Miksch. Auf 16 großen Tafeln können Schüler, Lehrer, Eltern und alle Interessierten nachvollziehen, wie z. B. an einer Realschule in Halver ein öder Innenhof sich in einen Spiel- und Erholungsbereich gewandelt hat; wie an einer Gesamtschule in Duisburg-Marxloh Kindern und Jugendlichen die Umgestaltung ihres asphaltierten Schulhofs in einen Bereich gelungen ist, der Bäumen und Pflanzen Raum bietet und hohe Aufenthaltsqualität hat; oder wie an einer Grundschule im niederrheinischen Goch Schüler und Architekten gemeinsam ein Freiluft-Klassenzimmer entwarfen und bauten.

Schulhof-Neugestaltungen, der Umbau des Schulfoyers, ein Farbleitsystem für Flure und Klassenzimmer und die Nutzung brachliegender Hofflächen sind Themen, zu denen Kindern und Jugendlichen quer durchs Land NRW vielfältige und realisierbare Lösungen eingefallen sind.

Die Ausstellung kann von den Schulen in NRW bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen abgerufen werden. Interessierte Schulleiter und Lehrer können sich bei der Architektenkammer melden, um die Ausstellung zu bestellen.

 

Baustein 2: Schulbücher

Ein zentrales Element von „Architektur macht Schule!“ ist die Entwicklung von Lehrmaterial. In Koope-ration mit dem Klett-Verlag und unter der Autorenschaft des Hamburger Fachjournalisten Prof. Dr. Gert Kähler haben die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen bereits mehrere Schulbücher entwickelt und herausgegeben.

 

„Wie gewohnt? – Ein Buch um das Wohnen für die Sekundarstufe II“
Ein ungewöhnliches Schulbuch, das scheinbare Selbstverständlichkeiten wie das Wohnen und das Wohnumfeld hinterfragt und damit zum Nachdenken anregen will. Der Autor, Prof. Dr. Gert Kähler (Hamburg), schildert angepasst an die Lebens- und Erfahrungswelt der Schüler der Sekundarstufe II u. a. die Zusammenhänge zwischen Wohnung, Quartier und Stadt, die planerischen und gestalterischen Aspekte von Wohnarchitektur sowie die historische Entwicklung des Wohnungsbaus.

 

„Gebaute Geschichte – Ein Geschichtsbuch über Bauten und Denkmalschutz“ rückt die Auseinandersetzung mit der historischen Bausubstanz, dem gewachsenen Umfeld und mit geschichtlich bedeutsamen Grünanlagen in den Mittelpunkt. Schülerinnen und Schülern (vornehmlich der Sekundarstufe II) soll einerseits Grundlagenwissen zum Thema Denkmalschutz vermittelt werden; zum anderen zielt das Lehrbuch auch darauf ab, Geschichte buchstäblich hautnah erlebbar zu machen. Das Buch setzt an der Lebenswirklichkeit und den Alltagserfahrungen der Jugendlichen an und bietet von daher spannenden Stoff für Projekte und Diskussionen.

Bei Pädagogen beliebt ist außerdem die Arbeitsmappe „Alles nur Fassade?“, mit deren Hilfe Lehrerinnen und Lehrer eine spannende Projektwoche zum Thema „Mein Wohnviertel/Mein Stadtteil“ durchführen können. Die Architektenkammer bietet die Arbeitsmappe unter www.architektur-macht-schule.de kostenlos zum Download an.

Kein Schulbuch im engeren Sinne, aber ein attraktives Kinderbuch, das auch im Unterricht eingesetzt werden kann, ist die neue Publikation „Achtung, fertig, Baustelle! – Wie ein Haus geplant und gebaut wird“ von Rolf Toyka. Das Buch vollzieht aus der Perspektive des jungen Tim nach, wie ein Planungs-prozess für ein Wohnhaus abläuft, das in einer innerstädtischen Baulücke entsteht. Dabei werden die Bilder zur Planung und zum Bauprozess jeweils ergänzt um Infotafeln, auf denen Baumaterialien, technische Details und architektonische Überlegungen anschaulich dargestellt werden. Das Buch ist im Gerstenberg-Verlag erschienen.

 

Baustein 3: Film und Arbeitsmaterial „Von Märchenschlössern und Traumhäusern“

Wie entsteht ein Haus? Warum hat es die gewählte Form, welche Funktion führt zu welcher Lösung? Der Film „Von Märchenschlössern und Traumhäusern“ informiert Kinder darüber, wie ein Architekt arbeitet, wie eine Planung für ein Haus entsteht, wie ein Bauprozess abläuft und vieles mehr.

Der etwa neunminütige Film wird ergänzt um Arbeitsmaterial für Lehrerinnen und Lehrer, das direkt Bezug auf einzelne Filmsequenzen nimmt und die Kinder u. a. dazu anregen soll, selbst Quizaufgaben zu lösen, Zusammenhänge der gebauten Umwelt zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Der Film wurde von der Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen in Kooperation mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und dem hessischen Rundfunk (Schulfernsehen) erarbeitet mit dem Ziel, Kindern architekturrelevante Fragen spielerisch näher zu bringen. Er wurde bereits einige Male von verschiedenen Sendern der ARD ausgestrahlt.

Die Veröffentlichung richtet sich gezielt an Grundschulen. Besonders im Rahmen der Ganztagsangebote („Betreuende Grundschule“) am Nachmittag ist diese Publikation hervorragend geeignet.

Autor: Dr. Joachim Meißner, Filmproduzent: Lutz Dieckmann
Projektentwicklung- und Leitung: Rolf Toyka in Kooperation mit Thomas Löhning und Georg Spieske.
Der Film kann einschl. Begleitmaterial (Kopiervorlagen) gegen eine Schutzgebühr von EUR 10,00 zzgl. Porto bei der Architektenkammer NRW bestellt werden.

 

Baustein 4: Web-Präsenz

unter www.architektur-macht-schule.de

Die vielfältigen Angebote und Arbeitsbausteine, welche die Architektenkammer NRW im Rahmen ihres Aktionsprogramms „Architektur macht Schule!“ entwickelt hat und Interessierten anbietet, können über eine zentrale Web-Domain abgerufen werden. Unter www.architektur-macht-schule.de findet der User ein Online-Portal, auf dem man sich umfangreich über das Aktionsprogramm informieren kann.

Das Portal bietet aktuelle Meldungen zum Thema, eine Bilddatenbank bereits abgeschlossener Schulprojekte, Publikationen zum Download und Bestellformulare sowie weiterführende Informationen und Links. Das Portal ist interaktiv angelegt: Unter dem Menüpunkt „Aktiv werden“ werden Hinweise und Tipps dazu gegeben, wie interessierte Architekten, Eltern und andere Interessierte Projekte an Schulen initiieren und durchführen können. Erfolgreich abgeschlossene Projekte wiederum können in die Projektdatenbank eingestellt werden, um anderen als Beispiel zu dienen.

Auch wer einen Architekten oder eine Architektin als Partner für ein Schulprojekt sucht, wird hier fündig: Im Menüpunkt „Aktiv werden“ findet sich eine „Schulberater“-Liste, in der Mitglieder der Architektenkammer NRW verzeichnet sind, die gerne ehrenamtlich an Schulprojekten mitwirken oder für Ge-spräche im Unterricht zur Verfügung stehen.

Über eine integrierte Volltextsuche kann man schnell den gesamten Datenbestand durchsuchen und über die „Weiterempfehlen-Funktion“ kann man einen „Tipp“ versenden. Der gesamte Auftritt ist natürlich barrierefrei gestaltet.

 

Baustein 5: Kooperation mit dem Land NRW und dem Ministerium für Schule und Weiterbildung

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Bemühungen der Architektenkammer NRW, Architektur, Wohnen und Stadtentwicklung als Themen in den Schulen zu platzieren. Die Verbesserung der Qualität der Schulbildung in Nordrhein-Westfalen, die Erhöhung der gesellschaftlichen Wertschätzung von Schule an sich und somit die Bildungs- und Zukunftschancen unserer Kinder sind erklärtes Ziel der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Schule und Weiterbildung, hat deshalb die Schirmherrschaft über die Veranstaltungsreihe „KidS – Kammer in der Schule“ übernommen.

Dieses wichtige Ziel kann nur erreicht werden, wenn Schule nicht isoliert betrachtet wird: Denn längst sei es wissenschaftlich erwiesen, dass für die schulische Leistung nicht nur interessierte, aufmerksame Kinder und ein hervorragender Unterricht bei motivierten Fachkräften maßgeblich sind, sondern ebenso ein qualitativ hochwertiger, den heutigen Ansprüchen an Unterricht entsprechender Schul-Raum. Dieser Einfluss des umgebenden Gebäudes auf die Schülerinnen und Schüler wird nach Einschätzung des NRW-Schulministeriums umso größer und nachhaltiger, je mehr die Verweildauer der Kinder in der Schule sich verlängert.

Aus diesem Grund hat das Ministerium für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen – obwohl nach wie vor die Kommunen für Bau und Unterhaltung von Schulgebäuden zuständig sind und bleiben sollen – das Thema “Schulbau” auch thematisch aufgegriffen:

Gemeinsam mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen führte das Ministerium im Frühjahr 2007 einen Kongress „Schularchitektur“ durch. Ziel der von über 400 interessierten Architektinnen und Architekten, Lehrern und Pädagogen, Kommunalpolitikern und Verwaltungsfachleuten besuchten Veranstaltung war es, den Schulraum als wichtigen Einflussfaktor in den Mittelpunkt zu rücken, aktuelle Tendenzen bei Planung , Bau und Finanzierung zu diskutieren und natürlich Anregungen in Form von guten Beispielen zu zeigen, die Mut machen sollen. In den drei Themenblöcken „Schulbauplanung/Schularchitektur“, „Neue Aufgaben und Herausforderungen“ und „Neue Formen der Finanzierung“ wurden wesentliche und aktuelle Aspekte des Schulbaus beleuchtet und diskutiert.

Ein zweiter Schulbaukongress wird im Frühjahr 2012 in Kooperation zwischen dem NRW-Schulministerium und der Architektenkammer NRW stattfinden.

Im Frühjahr 2008 lobten beide Partner gemeinsam den „NRW-Schulbaupreis“ aus; in diesem Qualifizierungsverfahren sollen herausragende und zukunftsweisende Schulbauten ausgezeichnet und öffentlich vorgestellt werden. Die Preisverleihung fand im August 2008 statt.

Seit 2009 ist die Architektenkammer NRW außerdem Projektpartner des Programms „Kultur und Schule“, das von der Staatskanzlei betreut wird. In drei Projektphasen hat sich gezeigt, dass Architektur sich thematisch gut in das Programm einfügt und von allen Beteiligten mit großem Interesse angenommen wird.

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