Auf in die Stratosphäre! Mit Wetterballon und Smartphones nach ganz oben

Startvorbereitung

Am 23.3. in der Mittagspause war es soweit. Die wochenlange Vorbereitung der altersübergreifenden Wetter-Ballon-AG kam zu ihrem Höhepunkt. Um 13:28 Uhr startete der Wetterballon Stratos 2in den blauen Himmel über dem Gymnasium Stift Keppel bei Hilchenbach, NRW. Mit an Bord: zwei Smartphones, zwei GoPro-Action-Kameras und ein GPS Sender.

Doch der Reihe nach. Im Sommer 2013 starte der Wetterballon Stratosdes Elektronik-Differenzierungskurses der Jahrgangsstufe 9 in den Siegerländer Himmel und blieb sechs Wochen lang verschollen. Der Grund damals: Die Smartphones konnten nicht lang genug geortet werden, ein separater GPS Sender war nicht vorhanden. Eine beispiellose Suchaktion per Zeitungen, Radio und Luftwaffe folgte. Als der Ballon dann schließlich auf einem Feld in Hessen gefunden wurde, war die Enttäuschung groß, die Kameras waren beim Start verklebt worden. Zwei Stunden schwarzes Bild mit Windgeräuschen waren alles, was geborgen werden konnte.

Diesmal sollte jedoch alles anders werden. Eine Arbeitsgruppe für alle Jahrgangsstufen der Schule wurde gegründet, unter der Leitung der Physiklehrer Markus Diehl und Sebastian Funk. Das Ziel war jedoch kein anderes, als schon 2013: Nur mit Hilfe von schülertypischen Mitteln und Sponsorensuche einen Stratosphärenflug zu realisieren. Dazu gehörten wieder zwei Smartphones, die mit ihrer HD Kamera den Flug filmen sollten.

Hilchenbach

Schnell bildete sich eine Gruppe aus sechs Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 bis 10. Die Projektarbeit begann. Während Sarah und Nick sich um Ballongas und weitere Kameras für den Ballon kümmerten, sorgten Thomas, Julian, Matthias und Nils für eine stabile Raumkapsel. Gebaut aus Styropor, Klebeband und besonders leichten, aber stabilen Drähten. Ungewöhnliche Hilfe kam von der Luftwaffe der Bundeswehr. So kam es, dass Matthias am Morgen des Starts aktuellste Winddaten aus den verschiedenen Höhen beim meteorologischen Dienst der Bundeswehr erfragen konnte. Daraus ergab sich eine erste Flugroute für den Ballon. Es würde ins Sauerland gehen und in die Nähe von Arnsberg sollte die Kapsel von Stratos 2 samt Fallschirm wieder landen.

Schließlich bestand die Kamerakapsel von Stratos 2 aus vier Kameras. Drei der Kameras, darunter eine GoPro4 (4k Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde), würden den Horizont filmen, die vierte Kamera senkrecht nach unten die überflogene Landschaft. Eine kleine Besonderheit: vor eine der Kameras wurde der kultige Leuchtkugelschreiber von DLR_next, dem Jugendportal des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, befestigt. Seit Januar ist Stift Keppel DLR_School und wird im Oktober eine eintägige Exkursion in das DLR_School_Lab nach Köln unternehmen.

13:17 Uhr. Der Ballon startet in den Himmel, die Kamerakapsel hebt ab. Doch dann beginnt das Drama, der Ballon sinkt wieder herab, die Kapsel landet auf dem Dach der Schulaula. War es das? Zum Glück kann der Ballon wieder auf den Startplatz vor der Kirche gezogen werden. Gas wird nachgefüllt, doch dann, ein Riss in der Ballonhaut. Binnen eines Wimpernschlags klebt auf dem Loch aber schon ein breiter Streifen Klebeband. Wieder Glück gehabt, aber auf solche Situationen hatte sich die Wetterballon-AG bereits eingestellt. Kein Problem. Ein letzter Countdown und dann saust der Ballon mit 6 Metern pro Sekunde in den Himmel. Der Start hat funktioniert. Erleichterung bei allen Zuschauern und ein schwerer Stein fällt von den Herzen der AG Schüler.

Nun heißt es warten. Um 16 Uhr hofft man auf erste Antworten des GPS Senders. Der hat noch bis 2000m Höhe gut funktioniert, dann aber war er außerhalb des Handynetzes. Jetzt sitzen die sechs Schüler, Herr Diehl und Herr Funk im Physikraum. Auf der interaktiven Tafel ist die Google Earth geöffnet und die vorläufige Flugbahn des Ballons eingezeichnet. Ein TV-Team des offenen Kanals Belgien, sowie eine Reporterin von WDR.de begleiten die Schüler bereits den gesamten Tag. Doch der GPS Sender meldet sich nicht. Jede halbe Stunde wird der Sender kontaktiert, aber es kommt einfach keine Rückmeldung. Dann klingelt es, aber es ist nur die Lokale Presse, immer wieder die gleiche Frage: Gibt es schon etwas Neues? 20 Uhr, erste Theorien sind im Raum. Ist der Ballon vielleicht noch in der Luft? Vielleicht haben die Akkus die Kälte der Stratosphäre nicht überlebt? Gemeinsam beschließt die AG die Suche für diesen Abend abzubrechen. Schließlich geht es am nächsten Morgen wieder weiter mit Schule.

Am nächsten Tag, der 24. März, klingt um 10:18 Uhr das AG-Telefon. Der Ballon wurde gefunden. Ein Mitarbeiter der Stadt Menden im Sauerland hatte bei einer Kontrollfahrt ein Zeltauf einem Feld entdeckt. Bei näherer Betrachtung war es jedoch kein Zelt, sondern der rote Fallschirm von Stratos 2. Aufatmen in Stift Keppel. Nach der Mittagspause geht es für die Keppler ins Sauerland. Die Kameras sind in Takt und werden noch am Fundort ausgewertet. Faszinierende Aufnahmen aus über 25km Höhe sind zu bestaunen. Verschiedenen Wolkenarten, Inversionsschichten und Landschaften sind zu erkennen.

Was für ein toller Abschluss, so kurz vor den Osterferien. Am letzten Freitag werden dann die ersten Videos in der Schule präsentiert. Es ist erstaunlich, was eine Schüler-AG meistern kann.

Nach den Osterferien werden die gesammelten Daten für den Erdkunde und Physikunterricht ausgewertet, die Idee ist, interaktives Unterrichtsmaterial von Schülern für Schüler zu erstellen.

Bis dahin bleiben aber die beeindruckenden Videofilme zu bestaunen, darunter auch ein hochauflösendes Video der 4k-Kamera.

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