Aus „Schüler werden Lebensretter“ wird “Kids save lives”

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Von Münster in die Welt: Das vor knapp zehn Jahren gestartete Projekt „Schüler werden Lebensretter“ soll nach Willen der WHO auch international mit dem Slogan „Kids save lives“ Schule machen. Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM (Universitätsklinikum Münster), stellte das Projekt nun auf Einladung bei einem Kongress in Kalifornien vor, an dem auch US-Vizepräsident Joe Biden und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton teilnahmen. „Für mich ist mit der Internationalisierung des Projekts ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen und es zeigt, dass es sich lohnt, an Dinge zu glauben“, sagt Van Aken.

Der Anästhesist und Intensivmediziner verweist auf internationale Zahlen, nach denen bei einem plötzlichen Herzstillstand im Durchschnitt nicht mal einer von fünf anwesenden Menschen im Ernstfall korrekt reagiert. Schnelles Handeln, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken, ist ausschlaggebend für das Überleben, da das Gehirn nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff überleben kann. „Es gibt einige europäische Länder, die eine Quote von 60 Prozent erreichen“, so Van Aken, der seit 2013 Präsident der European Patient Safety Foundation (EUPSF) ist. „Wenn wir diese Zahlen flächendeckend erreichen, können jährlich weit mehr als 200.000 Leben in Europa und in den USA gerettet werden.“

Um die Hemmschwelle möglichst früh abzubauen, startete Van Aken im Jahr 2006 unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Ärztekammer Westfalen-Lippe das Projekt „Schüler werden Lebensretter“, bei dem im Verlauf mehr als 430 Schüler am Münsterschen Gymnasium Paulinum und am Aachener Pius-Gymnasium eine theoretische sowie praktische Ausbildung der Wiederbelebung erhielten. Dass das Konzept funktioniert, zeigt eine wissenschaftliche Analyse: Bereits zwölfjährige Kinder können Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgreich durchführen. Die Studienergebnisse trugen dazu bei, dass der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz im Juni 2014 die Empfehlung aussprach, Lehrkräfte entsprechend schulen zu lassen und Schüler ab der siebten Klasse mit Start des Schuljahrs 2015/2016 jedes Jahr zwei Stunden Wiederbelebungstraining erhalten.

Auf dem Schlossplatz in Münster machten zudem im September 2013 auf Initiative der UKM-Klinik mehr als 12.000 Schüler auf das Thema Laienreanimation aufmerksam: Im Rahmen des Woche der Wiederbelebung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, deren Genrealsekretär Van Aken ist, stellten sie unter dem Motto „Prüfen, Rufen, Drücken.“ einen neuen Weltrekord im gemeinsamen Reanimationstraining auf.

Im weiteren Verlauf geht es nun darum, dass Projekt „Kids save lives“ möglichst zeitnah in anderen Ländern zu starten. „Wir werden von sehr vielen Gesellschaften der Anästhesie und Intensivmedizin unterstützt, auch in Asien und Afrika“, sagt Van Aken, der davon ausgeht, dass die europäischen Nachbarländer als erstes mit dem Projekt beginnen. „Nur wenn Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an das Thema herangeführt werden, können wir die Ängste vor einer Reanimation Schritt für Schritt abbauen“, appelliert Van Aken.

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