Auslandsstudium während des Studiums Praktische Sozialwissenschaften

Auslandsstudium in Island während des Studiums Praktische Sozialwissenschaften an der Uni Duisburg-Essen

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Erfahrungsbericht Island 2006

Juhu, ich bin ein Trendsetter!

Schon lange bevor die Insel zwischen Europa und Amerika, als einer der ersten westlichen Staaten am Bankrott vorbeischrammt und mit der Asche seiner Vulkane ganze Kontinente verkehrstechnisch und wirtschaftlich ins Chaos stürzt, habe ich Island bereist.
Seitdem kann ich den Eindruck einer Welt zwischen Feuer und Eis, zwischen schöpferischer Kraft und zerstörerischer Gewalt der Natur, zwischen Wagemut und Übereifer seiner Menschen nicht mehr vergessen.

Doch berichte ich besser von Beginn an.

Als ich mein Studium der Praktischen Sozialwissenschaften zum Wintersemester 2004/05 an der Universität Duisburg-Essen begann, verging die Zeit des Grundstudiums bis zum Sommer 2006 wie im Fluge.
Die Entscheidung für diesen Kombi-Studiengang aus Politik, Soziologie und Empirie zur Erlangung des Magister Artium fiel mir nicht schwer, da dieser viele mich interessierende Themenbereiche umfasste und mir ein Ineinandergreifen der Studieninhalte bzgl. eines effektiven Studiums durchaus sinnvoll erschien.
Grundlagenkurse in empirischer Sozialforschung, sowohl quantitativ als auch qualitativ und das umfassende Lehrangebot in Politik und Soziologie, von den Theorien über die wissenschaftliche Diskussion bis hin zu tagesaktuellen Themen, forderten mich als Studienanfänger vollkommen.
Nach der Ablegung der Zwischenprüfung in Form einer schriftlichen Hausarbeit, war es dann an der Zeit zu überlegen, ob nicht ein Studienaufenthalt im Ausland meine Zusatzqualifikationen bereichern könnte und ich nicht noch ein weiteres Praktikum (zu den in der Prüfungsordnung vorgesehenen drei Pflichtpraktika) absolvieren müsste.

Zunächst eher durch universitätsinterne Vorgaben zur Reise in die nördlichste Hauptstadt der Welt animiert, war die weitere Planung des Auslandsaufenthaltes ein organisatorisch recht umfangreicher (Erasmusbewerbungen ausfüllen, Scheinvorgaben recherchieren, Stundenpläne vergleichen, Unterkunft finden etc.), doch sollte sich dieser Aufwand ohne jeden Zweifel lohnen.
Denn von meiner Ankunft im August 2006 in einer schwarzen, kargen Mondlandschaft an, war ich fasziniert von diesem Land und seinen Menschen.
Die endlose, vulkanaschegeschwärzte Landschaft des Küstenstreifens im Süden Islands erweckte schon auf dem Weg in die Haupstadt Reykjavik Bilder wie aus einer nordischen Saga und man wartet gespannt darauf erste Trolle und Erdgeister zu erblicken.

Doch dieser Eindruck reichte zunächst nur bis in die Hauptstadt, denn dort ergriff einen unmittelbar ein Staunen über den freundlichen, offenen und unglaublich pragmatischen Umgang der Bewohner dieser Insel miteinander und auch mit Besuchern. Da die isländische Sprache zu den „schwersten“ Sprachen der Welt zählt, sprechen sogar schon Grundschulkinder ein fast akzentfreies Englisch, sodass Kommunikation mit den Einheimischen kein Problem für den Besucher darstellt. Ebenso ist Englisch in vielen Fachbereichen an den Universitäten Lehrsprache.

Die Organisation an der University of Iceland (es gibt auch noch eine University of Reykjavik) war im Vergleich zur damaligen Umbruchsituation im deutschen Studienwesen hervorragend.
Eine kompetente und fürsorgliche Betreuung der ausländischen Studierenden flankierte die Lehrveranstaltungen, deren Teilnehmerzahlen zwischen 10 und 15 Leuten variierte und in einer technisch hochmodernen und attraktiv gestalteten Universitätslandschaft stattfanden.
Veranstaltungen in Politik und Soziologie die Thematiken der isländischen Gesellschaft und deren Verhältnis zur Europäischen Union sowie die bewegte und fabelhafte Vergangenheit der Insel und ihrer Bewohner weckten Begeisterung und Faszination.

Die Universitäten Islands sind in der Hauptstadt Reykjavik im Südwesten und in Akurreri im Norden der Insel angesiedelt. Die Studienzeiten sind von Januar bis April und von September bis Dezember. Im Sommer widmen sich die Menschen den Besuchern und dem Leben bei ständigem Tageslicht, Unversitäten und Schulen schliessen in dieser Zeit. Die Unterbringung erfolgt nach Wunsch entweder auf dem Campus in Studentenwohnheimen oder aber in Wohngemeinschaften in der Stadt. Die Universitäten sind nach den neusten Standards der Informationstechnologie ausgestattet, kostenfrei und in der Lehre in allen Fachbereichen qualitativ hochwertig, da die Universitäten den Masterplan verfolgen, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu den hundert besten Universitäten der Welt zu zählen.
Doch verstehen es die Isländern nicht nur effizient und hochmodern zu lernen und zu lehren.

Bei einer Einwohnerzahl von knapp 230.000 Menschen, bei 290.000 Inselbewohnern insgesamt, ist man als Besucher ebenso überrascht über ein Nachtleben, das an jedem Wochenende und bei JEDEM Wetter keinen Vergleich mit den Metropolen des Westens scheuen muss. Eine lebendige Clubszene, die nicht nur von Björk geprägt ist, und eine junge erfolgreiche Generation lassen die Hauptstadt regelmässig in einem Meer von Partymenschen versinken. Die Isländer lernen und arbeiten hart, aber sie feiern auch ebenso.

Aber nicht nur die Bewohner dieser Insel faszinieren. Auch die Schönheit der Natur sucht auf der Welt ihresgleichen und dies versucht die Universität in der Betreuung der Studierenden ebenfalls zu vermitteln. Touren und Ausflüge für ausländische Studierende werden von der Universität organisiert, sodass man vergleichsweise günstig viele Sehenswürdigkeiten der Insel entdecken kann.
Gletschertouren und Vulkanbesteigungen gehören ebenso zum Programm, wie eine Rundtour im Thingvillir –dem ältesten Versammlungsort und Geburtshaus der Demokratie der Insel (und der westlichen Hemisphäre)- und der Besuch eines der aktivsten Geysire der Welt.

Ein Tourguide sprach einmal davon, dass Island ebenso wie Neuseeland für die Dreharbeiten zur Triologie „Der Herr der Ringe“ in Erwägung gezogen worden ist, jedoch das durchaus wankelmütige Wetter der auschlaggebende Punkt gegen die Insel im Norden gewesen sei. Diese Beschreibung der Landschaften der Insel trifft es sehr gut, denn Trolle, Zwerge und Elfen sind seit jeher feste Bestandteile der isländischen Mythen- und Sagenwelt und man hält Ausschau nach ihnen, sobald man die kleinen Flecken der Zivilisation verlassen hat.

Nach einem knapp fünfmonatigen Studienaufenthalt war es dann aber wieder an mir, die Insel kurz vor Weihnachten komplett zu verlassen und in die mitteleuropäischen Breitengrade pünktlich zu den Weihnachtstagen zurückzukehren.

Den Abschluss meines Studiuenaufenhaltes bildeten in den Lehrveranstaltungen, die ich besuchte, sowohl Klausuren wie auch mündliche Prüfungen, deren Ergebnisse mir zu Beginn des Jahres 2007 postalisch mit allen notwendigen Unterlagen zur Anrechnung zugesendet wurden.
Das Anrechnen der Studienleistungen stellte mich vor keinerlei größere Probleme, da schon im Vorfeld die Krietrien zur Anerkennung umfassend geklärt wurde, sodass sich dieser Auslandsaufenthalt nicht nur persönlich sonder auch universitär voll und ganz gelohnt hat.

Also macht euch auf den Weg eine Insel und ihre Menschen zu entdecken, in alten Sagenwelten zu wandeln, ein hippes Nachtleben zu geniessen und einen Himmel zu sehen, der blauer und weiter nicht sein kann…..ach und natürlich um zu studieren.

 

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