Bäcker — mein Erfahrungsbericht

Foto: pixabay.com
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Als ich vor 3 Jahren meine Ausbildung in der Bäckerei & Konditorei Erich Lehnen in Bracht am Niederrhein begann, hatte ich schon ein Betriebspraktikum in einem Restaurant (als Koch) und ein Praktikum als Bäcker (bei Lehnen)  hinter mir.
Da ich wegen meiner Behinderung, ich habe nur noch  den kleinen Finger an der rechten Hand, schon ein etwas komplizierterer Fall  war, sagte man mir im Restaurant, dass ich für den Beruf  des Kochs nicht geeignet sei.

Daher probierte ich es mit dem Beruf  des Bäckers und bewarb mich dann bei der  Bäckerei & Konditorei Erich Lehnen für einen Praktikumsplatz. Da das Team (Bäckerei & Konditorei Lehnen unter Mitarbeiter) dort wirklich nett zu mir war und mich auch wirklich einsetzten konnte, bewarb ich mich direkt nach dem Praktikum, welches im 9. Schuljahr war, auf einen Ausbildungsplatz.

Nun standen noch 1 ½ Jahre Schule vor mir, welche ich dann aber mit der Fachoberschulreife verließ.
Nun begann meine Ausbildung und ich wurde, wie gewohnt, wie ein normaler nicht behinderter Mensch eingesetzt. Trotzdem ging ich mit der Einstellung: Ich will es allen beweisen, jeden Morgen zur Arbeit, mein selbst gestecktes Ziel war der Innungsbeste zu werden.

Nun war es in der Ausbildung nicht immer leicht. Ich hatte manche Phase, wo ich mir gesagt habe, jetzt hörst du auf, das mach ich nicht mehr mit. ABER: ich hab den Kopf dann doch nicht in den Sand gesteckt und dann erstmal die Zwischenprüfung als Bester abgeschlossen.
Der Erfolg in der Zwischenprüfung gab mir neue Motivation immer weiter zu machen und immer noch besser zu werden, bzw. immer noch mehr zu lernen. Ich erfüllte mir immer weitere meiner selbstgesteckten Ziele, z.B. möglichst viele Flechtarten zu lernen, oder es zu lernen mit Schokolade auf Marzipan zu schreiben.

Dann am Anfang des 3. Lehrjahres wurde ich wegen meines Einsatzes im Betrieb bzw. auch ehrenamtlicher Einsatz zum „Lehrling des Monats“ gewählt. Durch diese Wahl wurde ich automatisch für die Wahl zum „Auszubildenden des Jahres“ qualifiziert.

Nun stand auch schon die Gesellenprüfung vor der Tür. Der mir selbst auferlegte Druck der Beste zu werden, ließ mich die ein oder andere Nacht noch weniger als sowieso schon schlafen. Letzten Endes legte ich meine Prüfung dann nach 4.5 h von 7 h ab.  Nach einer Woche des Hoffens bekam ich dann in der Schule bescheid, ob ich bestanden habe oder nicht. Auf meinem Prüfungsblatt stand nur „Bestanden“. Nun erfuhr ich, dass der Innungsbeste erst bei der Lossprechungsfeier  bekannt gegeben wird, die aber erst in 3 Wochen sein sollte.

Nun hieß es wieder warten, aber es lohnte sich: ich wurde der  Innungsbeste. Dann nach 2 Monaten des Gesellenlebens bekam ich Post vom „Verband des rheinischen Bäckerhandwerkes“, welcher mir mitteilte, dass ich der „Auszubildende des Jahres 2010“ geworden sei. Diese Auszeichnung geht mit einer 4 Tagesreise nach Paris einher, welche man dann als Preis dazu bekommt. Nun bin ich bereits fast 5 Monaten Geselle und ich muss sagen, dass es mir  gefällt. Ich konnte in meinem Ausbildungsbetrieb bleiben und arbeite dort nun zwischen Teigen, Sahnetorten und super netten Kollegen, von denen ich mittlerweile keinen mehr missen möchte.

Nun habe ich schon den Meistertitel vor Augen, aber das wird noch ein kleines Stück Arbeit, da ich mich auch dort nicht mit dem 2. Platz zufrieden geben werde. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik und gehört noch nicht hierher.

Olli B. (oliver [at] boeken-bracht.de)

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