Die Science Show AG am Gymnasium Stift Keppel

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Naturwissenschaften hatten lange Zeit einen eher faden Beigeschmack. Viele Formeln in Tafelkreide festgehalten, dicke Bücher zum Lesen und Auswendiglernen und wen es mal ein Experiment gibt, dann besteht die hohe Chance, dass es nicht funktioniert. Glücklicherweise ist es heute anders. Zumindest am Gymnasium Stift Keppel in Allenbach bei Hilchenbach im Siegerland, NRW. Dort gehören Explosionen, leuchtende Chemikalien und schwebende Objekte zum Alltag im Klassenraum. Aber nicht nur das, die Schülerinnen und Schüler müssen alles auch erklären können. Das ist die Science Show AG, eine altersübergreifende Arbeitsgruppe von Schülerinnen und Schülern, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die faszinierende Welt der Naturwissenschaften ihrem Publikum zu erklären.

Insgesamt 50 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 12 treffen sich jeden Freitag um 13 Uhr in dem kleinen Hörsaal ähnlichen Physikraum der besonders naturwissenschaftlich geprägten Schule. Stift Keppel ist Schule im MINT-EC Netzwerk, ist DLR_School und bietet Junior Ingenieur Akademie in der 8. und 9. Klasse gemeinsam mit der Telekom-Stiftung an. Im Physikraum fühlen sich die Schüler sichtlich wohl. Gerade klingt die Schulglocke die Mittagspause ein und ein qualmender Standzylinder auf dem Pult ein neues Experiment der Science Show AG. Hans und Linus aus der 8. Klasse zeigen heute ihren Mitschülern, wie man mit Wasser, torquier und Spülmittel riesige mit Dampf gefüllte Blasen auf das Pult zaubert. Die zwei, drei mal über die Tischplatte hüpfen, bevor sie in einer Nebelwolke zerplatzen.

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Die Science Show AG ist mehr, als nur eine Sammlung von naturwissenschaftlichen Experimenten, die Schüler später vor Publikum vorführen. Sie vereint auch kommunikative Kompetenzen. Darstellende Kunst, also das richtige Verhalten auf der Bühne, die Improvisation, die Gestik und das richtige Sprechen, gehört ebenso zum Arbeitsplan, wie das erstellen von Bühnenskripten und Auf- und Abbau von Experimenten.

Dabei macht vor allem eines den Schülern Spaß, es gibt keine Abgrenzungen zwischen Physik, Chemie und Biologie, alles geht in einander über. Linda aus der 6b beschreibt das so: Im Unterricht verstehe ich oft den Zusammenhang zwischen Experiment und realem Leben nicht, weil ich es nicht selbst ausprobieren kann. Hier in der AG mache ich aber genau das und es macht richtig Spaß mit den coolen Experimenten, ihre Freundin Franzi ergänzt: Hier lernt man einfach anders.

Vielleicht ist genau das eines der Geheimnisse der Science Show AG, die 2010 von den beiden Physiklehrern Dr. Elmar Winkel und Sebastian Funk ins Leben gerufen wurde. Später kam auch noch Maja Röder, Lehrerin u.a. für Biologie und darstellendes Spiel hinzu. Anfangs trat die AG nur in der eigenen Aula auf, bei den sogenannten Science Show Nights, mehrstündige Abendveranstaltungen, bei denen auf die Feuerwehr mehrmals mit ins Geschehen eingriff, natürlich geplant, oder Lehrer auf Nagelbrettern mit Vorschlaghämmern bearbeitet wurden. Alles natürlich genauestens erklärt von den Schülerinnen und Schülern. Die Science Show Nights wurden bald Kult und es blieb nicht dabei. 2013 traten die jungen Nachwuchsforscher bei der langen Nacht der Wissenschaft in Berlin auf, fuhren zum internationalen Science on Stage Festival nach Polen und zeigten dort ihr Können vor mehreren hunderten Zuschauern.

Lampenfieber habe ich nicht, sagt Noah aus der 7. Klasse lässig ich lese mir vor dem Auftritt mein Skript noch mal durch, dann klappt das, und wenn mal etwas nicht klappt, improvisieren wir eben!meint Thomas aus der 8. Generell ist bemerkenswert, wie gut die Zusammenarbeit zwischen jungen und alten Schülerinnen und Schülern hier klappt. Mal helfen die älteren bei komplizierten Fachbegriffen, mal geben die jüngeren Schüler mit einer witzigen Art dem Auftritt den letzten Schliff.

Durch die Arbeit der Science Show AG kam es zu einem merklichen Anstieg der Belegung von naturwissenschaftlichen Kursen in der Oberstufe, aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst veränderten sich. Sie wurden lockerer beim Vortragen von Referaten, sie zeigen keine Angst, aber den nötigen Respekt vor Experimenten. Insgesamt ein Gewinn für die Schullandschaft des kleinen Gymnasiums.

Dieses Jahr im Juli tritt die Science Show AG zum ersten Mal bei der IdeenExpo in Hannover auf, dafür wird jetzt bereits geprobt, neue Experimente erdacht und Auftritte durchgespielt. Und obwohl die Veranstaltung in den Schulferien stattfindet, wollten alle Schülerinnen und Schüler gerne dort auftreten. Mitkommen werden nur 12. Mehr geht leider nicht, sagt AG-Leiter Sebastian Funk und merkt an obwohl es doch toll ist, dass die Schüler auch in den Ferien Spaß an Naturwissenschaften haben.

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