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DigitalPakt Schule – droht nun der große Stillstand?

26. März 2019

Doris Albiez, Senior Vice President und General Manager Dell Technologies Deutschland | Quelle: Dell Technologies

Die Politik hat den DigitalPakt Schule auf den Weg gebracht, Gelder fließen in die Hardwareausstattung und die Modernisierung der IT-Infrastruktur der Schulen. Die Initiative greift aber zu kurz und muss noch umfassender und langfristiger ausgelegt werden, fordert Doris Albiez, Senior Vice President und General Manager Dell Technologies Deutschland. 

Fast zweieinhalb Jahre nach seiner Ankündigung ist der DigitalPakt Schule in trockenen Tüchern. Bundestag und Bundesrat haben einer Grundgesetzänderung zur Digitalisierung der Schulen zugestimmt. Gerade einmal 20 Minuten dauerte die Sitzung des Vermittlungsausschusses von Bund und Ländern, wo zuvor monatelang gestritten wurde. Fünf Milliarden Euro wird der Bund in den nächsten fünf Jahren für die Digitalisierung der Schulen ausschütten, 500 Millionen steuern die Länder bei. Rein rechnerisch bedeutet das nach Angaben des zuständigen Bundesministeriums für Bildung und Forschung für jede der rund 40.000 Schulen in Deutschland einen durchschnittlichen Betrag von 137.000 Euro, um sich fit für das digitale Zeitalter zu machen. Umgerechnet auf rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler sind das in etwa 500 Euro pro Kopf. Hinzu kommen noch die Mittel, die der Bund für schnelles Internet ausgeben will, denn hier sollen die Schulen Vorrang haben.

„Alles zusammengenommen hört sich auf dem Papier erst einmal gut an. Doch ein Blick in die Details des DigitalPakts lässt eine Reihe von Fragen offen“, betont Doris Albiez. „Genau genommen werden Länder, Schulen und Lehrer bei der Umsetzung alleine gelassen.“ Das fängt bereits beim Antrag für die Gelder an: Die Schulträger – also Städte, Gemeinden, Landkreise oder private Einrichtungen – stellen die Förderanträge bei den Ländern. Nach derzeitigem Stand wird jedes Land für diesen Zweck eine eigene, mit dem Bund abgestimmte Förderrichtlinie herausgeben. Zusätzlich muss von den Schulträgern ein technisch-pädagogisches Konzept vorgelegt werden, bei dessen Erstellung die Medienberatungen der Länder helfen sollen. Inwieweit diese Rahmenbedingungen schon stehen beziehungsweise wie kompliziert das Verfahren ist, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung geht davon aus, dass in diesem Jahr lediglich eine überschaubare Zahl an Schulen mit Investitionsmaßnahmen in die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur beginnen wird. „Es ist bereits mehr als zwei Jahre her, dass die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka das Geld versprach. In dieser Zeit hätten bereits zwei komplette Jahrgänge mit modernster Technologie lernen können“, merkt Albiez an. „Eine weitere unnötige Verzögerung ist nicht mehr vertretbar. Das Geld muss so schnell wie möglich in den Schulen ankommen.“

Das zweite große Thema: Digitale Medien sind kein Selbstläufer, sondern müssen sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden. Schon jetzt stehen mancherorts voll ausgestattete Rechner ungenutzt in den Kellern der Schulen oder werden vorhandene Whiteboards lediglich als besserer Overheadprojektor genutzt. Es fehlt an der breiten Ausbildung der Lehrer in punkto digitale Medienkompetenz. Zwar sieht der DigitalPakt Schule – ganz nach dem Grundsatz „Keine Förderung ohne Qualifizierung“ – Investitionen in pädagogische Konzepte sowie die gezielte Qualifizierung von Lehrkräften vor, die Verantwortung dafür legt der Bund aber in die Hand von Ländern und Kommunen. Sie müssen sich ergänzend zu den von Berlin spendierten fünf Milliarden Euro, die streng genommen nur für digitale Infrastrukturen vorgesehen sind, nicht nur um die Erarbeitung und Umsetzung von pädagogisch-didaktischen Konzepten kümmern, sondern auch um eine geeignete Aus- und -Fortbildung der Lehrer, die Entwicklung gemeinsamer Standards sowie die Sicherstellung einer nachhaltigen und professionellen Wartung und Administration der digitalen Bildungsinfrastruktur.

Was heißt das? Um Technik sinnvoll in den Unterricht einzubauen, müssen sich Lehrer erst selbst damit auseinandersetzen und diese verstehen. Sie müssen wissen, welche Apps oder Videos die Schüler fördern und welche pädagogisch nicht sinnvoll sind. Sie müssen kindgerechte Programme kennen, um die Grundsätze des Programmierens unterrichten zu können. „Die Lehrer brauchen Zeit, um sich fortzubilden. Whiteboards und schnelles Internet alleine führen nicht automatisch zu einem besseren Unterricht“, so Doris Albiez. „Es kann auch nicht sein, dass sich weiterhin Lehrer in ihrer Freizeit um die Systembetreuung, Reparatur und Wartung der Geräte kümmern.“ Ein flächendeckender digitaler Unterricht setzt deshalb die entsprechende personelle Ausstattung voraus, um die Technik am Laufen zu halten. „Auch wenn der Kompromiss von Bund und Ländern inzwischen sogar vorsieht, dass unter bestimmten Umständen befristet Personal der Schulen bezahlt werden darf, reicht das längst nicht aus, um die digitale Bildung auf ein solides Fundament zu stellen.“

Hardware und Infrastruktur können lediglich ein Anfang sein. „Die Initiative sollte umfassender und langfristiger ausgelegt werden. Alle Akteure, ob nun Bund, Länder, Lehrer, aber auch die IT-Hersteller, müssen an einem Strang zu ziehen, damit deutsche Schüler fit für die digitale Zukunft werden“, betont Doris Albiez.

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Veröffentlicht am 26.03.19

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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