Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

Erfahrungsbericht Studium Ergotherapie

8. Juni 2021

Foto: HS Gesundheit

Mein Name ist Leonie und ich studiere zurzeit im 4. Semester Ergotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum.
Ergotherapie ist hier in Deutschland leider noch ein recht unbekannter Gesundheitsberuf und das Studium dazu noch viel seltener. Dennoch wird an der HS-Gesundheit die Praxis und Theorie super miteinander verknüpft und ein Grundstein für evidenzbasiertes Arbeiten im Gesundheitssystem gelegt.

Zur Ergotherapie bin ich über Umwege gekommen. In meinem vorigen Sportstudium habe ich einiges über den Menschen und seine Gesundheit gelernt. Besonders der motorische Aspekt und dessen Förderung hat mich interessiert. Durch meine Erfahrungen im Bundesfreiwilligendienst an einer Schule kam der Lehrerberuf für mich nicht in Frage, denn ich wollte gerne gezielte Förderung machen. So bin ich zu einem Therapieberuf gekommen. Zunächst wäre Physiotherapie am naheliegensten gewesen, doch nach intensiver Auseinandersetzung mit den beiden Berufen, war die Ergotherapie die passendere Wahl. Denn neben den grundlegenden Gesundheitsaspekten des Bewegungsapparates wird auch sehr viel auf die psychische und soziale Ebene eingegangen. Der/ die Patient:in/ Klient:in wird als Ganzes betrachtet, mit seiner Erkrankung, seinen Ressourcen, seiner Umwelt etc.

Dass ich mich für das Studium und nicht für die schulische Ausbildung entschieden habe hatte mehrere Gründe. Zum einen kannte ich das Studieren bereits und wollte nicht zurück in die „Schule“. Des Weiteren eröffnet einem das Studium mehr Möglichkeiten im Nachhinein. Man kann ganz normal als Ergotherapeut:in anfangen, leichter eine Führungsposition übernehmen oder aber in die Forschung gehen. Darüber hinaus bekommt man neben dem therapeutischen Fachwissen auch die Kompetenzen zum selbstständigen evidenzbasierten Arbeiten beigebracht, um den Klient:innen die beste Behandlung zukommen zu lassen. Natürlich möchte ich damit die schulische Ausbildung nicht schlechtmachen!
Trotz des theoretischen Studiums hat man viele praktische Studienphasen, in denen man das Arbeiten direkt an den Klient:innen lernen kann.

Die HS-Gesundheit ist keine riesige Uni und durch die recht geringe Studierendenanzahl pro Jahrgang (ca. 40 Leute) entsteht ein guter „Klassenverband“ unter den Studierenden. Besonderer Wert wird auf das Arbeiten mit den höheren Semestern gelegt. Es besteht eine gute Kommunikation untereinander und man profitiert sehr von den Erfahrungen der anderen. Der Campus ist sehr modern und mit Skillslabs ausgestattet, in denen eigenständig praktische Anwendungen geübt werden können. Zum Beispiel gibt es eine voll ausgestattete „Wohnung“ mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und Küche, um dort alltagsnahe Betätigungen wie einen Transfer vom Bett in den Rollstuhl oder das Kochen mit Hilfsmitteln zu üben. Auch eine Werkstatt für das Erlernen von Handwerk ist vorhanden. Auch wenn die Ergotherapie weg von dem Ruf „Basteltante“ kommen möchte, ist Handwerk immer noch ein gängiges Instrument in der Therapie.

Der Ablauf des Studiums lässt sich ganz grob in theoretische und praktische Phasen unterteilen. In den ersten drei Semestern werden hauptsächlich die theoretischen Grundkenntnisse vermittelt, mit zwei kleinen Praxiseinsätzen. Das vierte und fünfte Semester besteht zum größten Teil aus drei aufeinanderfolgenden Praktika. Diese werden in Praxen, Kliniken und anderen Einrichtungen absolviert. Die Praktikumsstellen müssen jedoch nicht eigenverantwortlich gefunden werden, sondern laufen über die Hochschule und deren Kooperationspartner. Lediglich das vierte und letzte Praktikum muss selbstständig organisiert werden, was jedoch auch den Vorteil der freien Wahl mit sich bringt. Im sechsten Semester findet dann das Examen statt, wodurch man nach dem Bestehen ein/ eine vollwertige Ergotherapeut:in ist. Das siebte und letzte Semester besteht dann noch aus ein paar Vorlesungen und dem Schreiben der Bachelorarbeit. Während dieser Phasen gibt es immer wieder den Theorie-Praxis-Bezug. Auch in der Lehre wird von Beginn an immer wieder ein Praxisbezug hergestellt.

Das Schöne an der HS-Gesundheit ist, dass die Hochschule noch recht jung und somit noch im Entwicklungsprozess ist. Es ist möglich dort einfach nur zu studieren und seinen Abschluss zu machen oder aber sich darüber hinaus zu engagieren und zu Veränderungen beizutragen. Ich selbst bin seit dem zweiten Semester Mitglied im allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und trete für Studierende ein. Gemeinsam im Team planen wir Semesterpartys und O-Wochen oder unterstützen Studierende bei jeglichen Problemen wie z.B. bei Prüfungsangelegenheiten oder finanziellen Angelegenheiten.

Ich bin froh über Umwege an die HS-Gesundheit gekommen zu sein und dort meinen Bachelor of Science in Ergotherapie machen zu können.

Veröffentlicht am 8. Juni 2021

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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