GrafStat-Projekt: Neues jüdisches Leben in Unna – Anne-Frank-Realschule Unna

Einsatz neuer Medien an der

Anne-Frank-Realschule Unna

Ein statistisches Profil des jüdischen kulturell- integrativen Vereins “Stern” e.V. Unna

SchülerInnen der Anne-Frank-Realschule
schließen Bekanntschaft mit MitbürgerInnen jüdischen Glaubens

Ausgangspunkt und Basis für dieses Projekt war die Auseinandersetzung mit den Themen “Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart” und “Die Rolle der Kirchen im Dritten Reich” im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts in den Kursen 9cd und 10ab. Im Anschluss an die historisch-faktische Erschließung der Themenfelder erwuchs die Frage nach ihrer Gegenwartsbedeutung. Ein Schüler des 10. Jahrgangs griff bei seiner Beantwortung auf den Bonhoeffer-Film “Die letzte Stufe” zurück: “Bonhoeffer hat doch gesagt: ,Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.’ Also sind wir als Christen stets gefordert, unseren Mund für Mitbürger jüdischen Glaubens aufzumachen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.” Diesem gelungenen Transfer folgte eine Einladung an Frau Khariakova, die Vor-sitzende des jüdischen kulturell-integrativen Vereins “Stern” e.V. in Unna.

Am 16.02.2006 konnten wir Frau Khariakova und Herrn Schechowytsch in unseren Kursen begrüßen. Sie verdeutlichten den SchülerInnen zunächst die generelle Migrationssituation der sog. “Kontingentjuden” in Deutschland und dann die spezielle, der in Unna heimisch gewordenen MitbürgerInnen jüdischen Glaubens. Herr Schechowytsch, Vorstandsmitglied des Vereins “Stern”, schilderte seine ganz persönliche Situation als arbeitsloser Arzt, der 25 Jahre lang in der Ukraine als Urologe tätig gewesen war. Er erklärte sich bereit, die Lebensgeschichte seiner Eltern zu einem späteren Zeitpunkt vor den SchülerInnen auszubreiten, trug doch sein Vater den Ehrentitel des Staates Israel “Gerechter unter den Völkern”, weil er während des Naziterrors mehrere Juden vor der Vernichtung gerettet hatte. Hinsichtlich der angestrebten Projektarbeit bildeten sich anschließend die unterschiedlichen Themenschwerpunkte der beiden Religionskurse relativ rasch heraus. Die SchülerInnen des 10. Jahrgangs waren stärker biographisch interessiert, die SchülerInnen des 9. Jahrgangs wollten den Verein “Stern” näher kennen lernen. Es galt nun entsprechende Vorüberlegungen anzustellen: Welche methodisch-technischen Fähig- und Fertigkeiten der SchülerInnen konnten für die beiden Zielsetzungen fruchtbar gemacht werden? Welches Produkt sollte angestrebt werden? Welches Maß an Mitarbeit war den Vereinsmitgliedern zuzumuten? Welche Präsentationsform sollte gewählt werden? Welcher zeitliche Rahmen ließ sich vertreten? Am Ende eines engagierten Klärungsprozesses standen folgende Zielsetzungen fest:

1. Der Religionskurs 10ab wird eine Dokumentation der Familiengeschichte des Herrn Schechowytsch erstellen.

Diese Dokumentation soll als Text und auch filmisch gestaltet werden und als Unterrichtsmaterial für nachfolgende Religionskurse dienen.

2. Der Religionskurs 9cd wird eine Mitgliederbefragung des Vereins “Stern” durchführen.

Diese Befragung soll

  • ein Beitrag zur Integration des Vereins in Unna sein,
  • dem Verein und der Öffentlichkeit ein statistisches Vereinsprofil liefern,
  • zur Optimierung der Vereinsarbeit beitragen.

Besonders hilfreich war es, dass sich zwei Informatikschüler bereit erklärten, ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Statistik- und Grafikprogramm “GrafStat” für dieses Projekt einzubringen. Es galt also zunächst, dem gesamten Kurs einen Einblick in die Software zu vermitteln, insbesondere hinsichtlich der möglichen Fragetypen einer Umfrage bezogen auf ihre spätere Auswertbarkeit. Dieser “Vorlauf” erwies sich rückblickend als sehr gewinnbringend. In einem nächsten Schritt musste im Gespräch mit der Vorsitzenden (23.02.2006) ein Fragenkatalog erstellt werden. Da sehr viele Vereinsmitglieder noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatten bzw. haben, mussten die Fragen von Frau Khariakova ins Russische übersetzt werden.. Es blieb noch die Arbeit an einem kurzen Einleitungstext für den Fragebogen und schon war in relativ kurzer Zeit mit Hilfe von “GrafStat” ein recht professionell wirkender Fragebogen mit insgesamt 20 Items (Fragen) erstellt. Die Vereinsvorsitzende übernahm die “logistische” Seite und bat die Vereinsmitglieder darum, die Fragebögen bis zum Purim-Fest (14.03.2006) auszufüllen bzw. abzugeben. Von den 100 ausgeteilten lagen den SchülerInnen dann Ende März 95 beantwortete Fragebögen vor. Das war ein beachtlicher Rücklauf, sorgte aber auch für einige “Beschäftigung”, denn nun galt es, die Daten (immerhin ca. 2100) dem Programm “GrafStat” zuzuführen. Für die Präsentation der Befragungsergebnisse war inzwischen auch schon gesorgt. Hatte doch der Caritasverband des Kreises Unna die Anne-Frank-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium um eine Beteiligung an einer Ausstellung im Stadtmuseum Unna gebeten, die unter dem Motto “Jüdisches Leben wieder in Unna” stehen sollte. Dankend nahmen wir dieses Angebot an und traten schließlich zur Eröffnung der Ausstellung im Stadtmuseum am 12.05.2006 mit den grafisch aufbereiteten Befragungsergebnissen an die Öffentlichkeit. Auch der Vortrag des Herrn Schecho-wytsch über das Schicksal seiner Eltern, den die SchülerInnen gefilmt und auf DVD gebrannt hatten, wurde der Unnaer Öffentlichkeit im Rahmen der o.g. Ausstellung zugänglich gemacht. (R. T.)

Die komplette Auswertung der Befragung findet sich als PowerPoint-Präsentation auf der Schulhomepage:

afr-unna.de/

Leave a reply