Hochschule Niederrhein forscht am Recycling von Lebensmittelresten

Student Benedikt Hofmann stellt im Labor des Fachbereichs Oecotrophologie ein Extrakt und ein Fermentationsprodukt aus Apfeltrester her.

An der Hochschule Niederrhein forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Methoden, um Lebensmittelreste wiederzuverwerten. Dabei geht es um Reste, die bei der Produktion von Lebensmitteln anfallen. In Deutschland schätzen Experten diesen Anteil auf 18 Prozent der Gesamtmenge der Lebensmittelabfälle.

Das Projekt SUN (Sustainable and natural sidestreams) möchte hier Lösungen entwickeln. Dabei geht es um die sogenannten Sidestreams, also die Nebenströme, die bei der Lebensmittelproduktion anfallen und in dem Projekt genutzt werden sollen. An dem deutsch-niederländischen Verbundprojekt sind Hochschulen und Unternehmen aus dem Bereich Agrobusiness beteiligt. Leadpartner ist die Hochschule Niederrhein. Deren Professoren Dr. Reinhard Hambitzer, Dr. Alexander Prange und Dr. Georg Wittich vom Fachbereich Oecotrophologie leiten das Projekt, das mit insgesamt 1,6 Millionen Euro durch das Interreg V A-Programm unterstützt wird.

Überall wo Lebensmittel produziert werden, fallen Nebenströme an. Dies geschieht bei der Sortierung, der Reinigung, dem Schälen oder der Konfektionierung. Ein Beispiel dafür ist Trester, ein Abfallprodukt bei der Apfelsaftproduktion. Reinhard Hambitzer arbeitet mit seinen Studierenden daran, aus dem Nebenstrom Trester ein Hauptprodukt zu machen. Dies kann Apfelpektin sein, was für die Herstellung von Konfitüren geeignet ist, oder Cookies, die unmittelbar aus Trester hergestellt werden können.

„Wir wollen hochwertige Lebensmittel aus den Nebenströmen entwickeln“, sagt Hambitzer. Ein Down-Grading der Nebenströme zu Nebenprodukten wie Futtermittel oder Brennstoffe soll vermieden werden. Dabei ist Kreativität gefragt. Und natürlich der permanente Austausch mit den Partnern im Projekt. Dazu gehören Startups und kleine Technologie-Unternehmen aus den Niederlanden sowie eher mittelständisch geprägte Unternehmen aus der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland.

In dem Projekt sollen zum einen neue Rezepturen und Produkte entwickelt werden, zum anderen einzelne Komponenten in bestehende Rezepturen eingebaut werden, zum Beispiel als Aromen, Farbgeber oder Dickungsmittel. Ein Beispiel: Bei der Herstellung von Minikarotten fallen Möhrenschalen an, die unmittelbar nicht zu verwenden sind. Die in ihnen enthaltenen Farbstoffe oder Dickungsmittel können aber gut verwendet werden. Aufgabe von Lebensmittelchemiker Georg Wittich ist es, in dem Projekt die Reststoffe entsprechend zu extrahieren und die stoffliche Stabilität beim Einsatz zu beurteilen.

Mikrobiologe Alexander Prange stellt anschließend die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Verarbeitungsprozesse und der neuen Endprodukte sicher. Denn den Nebenströmen – wie zum Beispiel den Karottenschalen – haftet oft ein mikrobiologisch-hygienisches Risiko an. Wenn Lebensmittel verarbeitet werden, sind sie ein Einfallstor für Mikroorganismen.

Als besonders effizient haben die Projektpartner die Herstellung neuer Trockenprodukte identifiziert, die bestehenden Rezepturen beigemischt werden können wie Würz-und Suppengrundlagen, süße und

herzhafte Brotaufstriche, trinkbare Gemüseprodukte. „Trockenprodukte sind haltbar und haben einen hohen Nährstoffgehalt, lassen sich saisonunabhängig verarbeiten, sind mikrobiologisch unkritisch und lassen sich lange lagern ohne Energie lagern“, sagt Hambitzer.

  • Projektpartner: Mühlhäuser GmbH, Manss GmbH, Frischeservice Hamm, Heinz Funken GmbH Kempen,
  • Inter-Solution BV Eindhoven, UM Food Claims Centre, Universiteit Maastricht, Brightlabs BV Venlo,
  • Valensina, Brocker Möhren, TUN Food Innovation BV Venia, Liquid Salads BV Venlo

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