IT-Sicherheit / Informationstechnik – Mein Erfahrungsbericht

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Foto: RUB

Wie viele meiner Kommilitonen bin ich eher durch Zufall auf den Studiengang IT-Sicherheit/Informationstechnik gestoßen. Mir war schon relativ früh klar, dass ich ein Studium im Bereich Informatik beginnen wollte, allerdings erschien mir ein reines Informatikstudium etwas trocken. Eines Tages verteilte mein Physiklehrer dann Flyer für den Schülertag IT-Sicherheit, und was ich dort über den Studiengang erfuhr, überzeugte mich schließlich. Mittlerweile studiere ich im 6. Semester an der Ruhr-Universität Bochum und bin mit meiner Entscheidung weiterhin voll und ganz zufrieden.

Noch vor den ersten Vorlesungen wird ein dreiwöchiger Vorkurs angeboten, in dem hauptsächlich der Mathestoff aus dem Abitur aufgefrischt wird. Das ist auch sinnvoll, da gerade in den ersten Semestern relativ viel Mathematik auf dem Programm steht. Wer also mit Zahlen auf dem Kriegsfuß steht, sollte sich dessen bewusst sein, allerdings muss man nicht zwingend einen Leistungskurs besucht haben. Neben Mathe erfährt man während des Vorkurses auch einiges über die verschiedenen Lehrstühle und deren Arbeit, was mich damals sehr motiviert hat. Zudem lernt man natürlich schon einmal den Campus kennen und knüpft erste Kontakte, ich würde den Vorkurs daher jedem empfehlen, auch wenn man sich in Mathe noch einigermaßen fit fühlt.

Wer noch keine Erfahrungen im Programmieren hat, muss sich deswegen übrigens keine Sorgen machen, da dies ohne nötige Vorkenntnisse von Grund auf gelehrt wird. Wenn man vor dem Studium etwas freie Zeit hat, kann es aber sicher nicht schaden, sich schon mal vorab mit dem Thema zu beschäftigen.

Während der ersten beiden Semester findet einmal pro Woche in kleineren Gruppen das Tutorium statt, welches von Studenten aus höheren Semestern geleitet wird. Hier kann man sowohl Fragen zu Inhalten aus den Vorlesungen als auch zum Studienalltag stellen, und man lernt automatisch viele neue Leute kennen. Diese Unterstützung hat mir in den ersten paar Wochen sehr geholfen mich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Inhaltlich ist das Studium sehr breit gefächert, es gibt neben Veranstaltungen aus der Informatik und IT-Sicherheit auch ingenieurtechnische Fächer. Auch wenn zu Anfang natürlich viele Grundlagenfächer anstehen, lernt man bereits im ersten Semester in „Einführung in die Kryptographie“ vieles über moderne Verschlüsselungsverfahren und wie diese in der realen Welt eingesetzt werden. Im späteren Verlauf nimmt dieser Bereich dann einen immer größeren Teil ein, für die wirklich spannenden Fächer lohnt es sich also dranzubleiben. Im dritten Semester etwa erwartet einen das „Grundlagenpraktikum ITS“, bei dem man in mehreren praktischen Versuchen konkrete Verfahren und Programme angreifen darf.

Dieser Praxisbezug ist aber glücklicherweise in den meisten Veranstaltungen, die sich mit IT-Sicherheit beschäftigen, gegeben. Oft werden Aufgaben gestellt bei denen man das theoretische Wissen selbstständig anwenden kann. Das reicht von der Programmierung eines Verschlüsselungsverfahrens über das Mitschneiden von Netzwerkpaketen bis hin zur Ausnutzung von Schwachstellen einer Webseite. Für korrekte Lösungen gibt es dann in der Regel Bonuspunkte für die Klausur (auch in den meisten anderen Fächern wie z.B. Mathematik), was natürlich zusätzlich motiviert. Damit geht jedoch einher, dass man sich nach der letzten Vorlesung des Tages meistens noch nicht auf die faule Haut legen kann, sondern die Aufgaben bearbeitet. Andererseits ersetzen die „Quasi-Hausaufgaben“ auf gewisse Weise das Nacharbeiten, was man ja ohnehin tun sollte, um in der Klausurphase nicht vom Stoff überrumpelt zu werden. Meiner Erfahrung nach funktioniert diesesSystem sehr gut, da man durch die Korrektur der Aufgaben schon während des Semesters seine Leistungen einschätzen kann. Außerdem kann man ein wenig entspannter in die Klausur gehen, wenn man schon ein paar Punkte sicher hat.

Apropos Klausuren, diese werden meistens in den ersten vier bis fünf Wochen der vorlesungsfreien Zeit geschrieben. Dadurch hat man zwar etwas kürzere Semesterferien als in manch anderem Studiengang, die Termine werden jedoch meistens so gelegt, dass ein paar Tage zwischen den einzelnen Prüfungen liegen, man sich also besser vorbereiten kann. Ein weiterer Pluspunkt ist meiner persönlichen Meinung nach, dass man in den Semesterferien (und auch sonst) praktisch keine Haus- oder Seminararbeiten schreibt.

Was mir weiterhin besonders gefällt ist, dass in den Vorlesungen oft aktuelle Forschungsthemen und Ereignisse aus den Nachrichten, wie etwa neu entdeckte Sicherheitslücken, behandelt werden. Nicht selten sind an deren Aufdeckung auch Wissenschaftler der eigenen Fakultät beteiligt. Man wird dadurch immer wieder daran erinnert, dass das was man studiert wirklich von Bedeutung ist und Zukunft hat.

Außerhalb des Hörsaals bietet die Fakultät eine ziemlich entspannte Atmosphäre und der Großteil der Dozenten ist recht locker drauf. Hat man beispielsweise Fragen, kann man oftmals einfach beim Lehrstuhl anklopfen und einem wird geholfen. Sie befindet sich außerdem im relativ neuen Gebäude ID, das Gerücht von der RUB als grauem Betonklotz trifft hier also nicht zu. Erwähnenswert ist auch die hochschuleigene Firmenkontaktbörse „ITS-Connect“, auf der man einmal im Jahr viele interessante Firmen aus dem Bereich IT-Sicherheit und darüber hinaus kennenlernen kann.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass der Studiengang IT-Sicherheit/Informationstechnik wirklich etwas Besonderes ist. Nicht nur weil man darin spannende, hochaktuelle Themen behandelt, sondern auch weil die Ausbildung in dieser Form nur von einer Handvoll Hochschulen in Europa angeboten wird. Die Berufsaussichten sind dementsprechend alles andere als schlecht.

Ich kann jedem, dessen Interesse jetzt geweckt ist, nur empfehlen, beim Tag der offenen Tür, Schülertag oder sonstigen Veranstaltungen vorbeizuschauen und sich selbst ein Bild zu machen. Ein weiteres hilfreiches Angebot ist das „Mailmentoring-Plus“ Programm, dort kann man sich per E-Mail an einen Studenten wenden, um offene Fragen zu klären.

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Über den Autor | Jonas Ricker ist 21 Jahre alt und studiert ab April im 6. Semester an der Ruhr-Universität Bochum IT-Sicherheit

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