Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

Kein Abi, na und!? — „Auf die Gesamt-Persönlichkeit von Bewerbern schauen“

16. August 2017

In der Reihe „Kein Abi, na und!?“ möchten wir Menschen und ihre Perspektiven auch ohne Abitur vorstellen. Es geht darum zu zeigen, dass man auch ohne Abitur seinen Wunschberuf finden und eine erfolgreiche Karriere hinlegen kann. Dazu befragen wir ehemalige Schüler, heutige Auszubildende, die kein Abitur gemacht haben, aber auch Unternehmer, Personaler, Experten aus unterschiedlichen Bereichen sowie Verbände und Organisationen. Heute tauscht sich wissensschule mit Dr. Loert de Riese-Meyer aus. Er ist Ausbildungsleiter bei Henkel.

Loert de Riese-Meyer Henkel

Es ist offenbar gerade gesellschaftlicher Konsens, dass man erst Abitur und danach studieren muss, um etwas zu werden. Kann man heute noch auch ohne Abitur im Hause Henkel Karriere machen und ganz weit nach oben kommen oder ist das nur "studierten Leuten" vorbehalten?

Wir schauen uns immer die Gesamt-Persönlichkeit von Bewerbern an. Eine gute Ausbildung und sehr gute Noten sind ein sehr wichtiges Kriterium, aber eben nicht alles. Wir möchten herausfinden, welcher Mensch dahinter steht. Henkel sucht nach jungen Menschen, die ein hohes Maß an Eigeninitiative, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich ganz unabhängig vom Bildungsabschluss. Natürlich sind erste praktische Erfahrungen in der Wirtschaft wünschenswert. Aber auch soziales Engagement sagt viel über die Persönlichkeit eines Bewerbers aus. Als globales Unternehmen mit den drei Bereichen Laundry & Home Care, Beauty Care und Adhesive Technologies bietet Henkel eine Vielfalt an spannenden Berufen – und das nicht nur für Mitarbeiter mit Studienabschluss.

In den zurückliegenden Jahren haben auch immer mehr Unternehmen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze auf Abiturienten gesetzt. Ist hier nicht ein gut gebildeter und sozialisierter Real- bzw. Hauptschüler für die Besetzung eines kaufmännischen Ausbildungsberufes die bessere Wahl als ein mit besten Noten bestückter Abiturient?

Henkel bildet in insgesamt über 20 Berufen aus: Dazu gehören nicht nur kaufmännische oder naturwissenschaftliche Berufe, sondern wir bilden zum Beispiel auch Restaurantfachleute oder Medizinische Fachangestellte aus. Die Anforderungen an die Bewerber unterscheiden sich also durchaus. Generell gilt aber, dass Praxiserfahrung und die sogenannten Soft Skills ebenso wichtig sind wie Schulabschlüsse. In anderen Worten: Es lässt sich nicht pauschal sagen, welcher Schüler die bessere Wahl für einen Ausbildungsberuf ist.

Henkel geht mit seinem Projekt "Hauptschüler welcome!" schon seit Jahren einen konsequenten Weg der Förderung von Hauptschülern. Ein Jahr lang werden Schüler aus der neunten Klasse von Düsseldorfer Hauptschulen intensiv von Henkel-Mitarbeitern betreut und auf das Berufsleben vorbereitet. Was waren bzw. sind die Gründe für dieses Projekt?

Unser Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufswahl zu unterstützen. Die Teilnehmer sollen nach dem einjährigen Programm eine genaue Vorstellung davon haben, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollen und wie sie dieses Ziel erreichen können. Dazu unterstützen wir die Neuntklässler bei der Suche nach der passenden Ausbildung und beim Bewerbungsprozess. Zum Projektstart nimmt jeder Teilnehmer an einem „Berufsprofiling“ teil. Dabei geht es um Fragen wie: Was kann ich gut? Wo liegen meine Interessen? Wo muss ich noch besser werden? Daraus wird eine konkrete Berufsempfehlung abgeleitet. Im nächsten Schritt wird in einem Workshop erarbeitet, auf welche Anforderungen der Ausbildungsbetriebe sich die Teilnehmer einstellen müssen. Neben fachlichen Anforderungen geht es hier besonders um persönliche Kompetenzen. Im Laufe des Jahres werden die Hauptschüler durch Online-Trainings sowie simulierte Einstellungstests und Vorgestellungsgespräche auf den Ausbildungsstart vorbereitet. Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Bei einem Aktionstag im Henkel-Ausbildungszentrum haben die Schüler Gelegenheit, Ausbildungsberufe kennen zu lernen, angeleitet durch unsere Henkel-Azubis. Der Erfolg spricht für sich: Seit 2009 haben über 150 Schülerinnen und Schüler an „Hauptschüler welcome“ teilgenommen.

Was erwarten Unternehmen im Allgemeinen und Henkel im Speziellen heute von Schulabgängern unabhängig von ihrem Schulabschluss? Und wo bzw. in welchen Bereichen sollten Schulen hier mehr fördern und trainieren, um junge Menschen stärker auf das Berufsleben vorzubereiten?

Neben der fachlichen Kompetenz achten Unternehmen heute ebenso auf die persönliche und methodische Qualifikation eines Bewerbers. Wir suchen Mitarbeiter, die engagiert, motiviert und begeisterungsfähig sind. Für den Erfolg einer Ausbildung ist es unabdingbar, selbstständig mitzudenken, zuverlässig zu sein und gut mit anderen im Team zusammen zu arbeiten. Dafür bieten zum Beispiel eigenständige Projektarbeiten oder Trainings zu Präsentationstechniken eine gute Grundlage, um diese Fähigkeiten bereits in der Schulzeit zu entwickeln. 

Wenn heute jedermann Abitur machen würde, wäre dies auch nichts Besonderes mehr und der Wert des Abiturs würde sinken. Spinnen wir den Faden weiter und jedermann würde nach dem Abitur studieren, so würde dies zwangsläufiger weise bedeuten, dass ganze Branchen bzw. mittelständische Unternehmen ihre eh schon heute vorhandenen Nachwuchsprobleme nicht mehr in den Begriff bekämen. Sterben mit der Forcierung des Abiturstrebens nicht auch ganze Berufsbilder aus und können Sie das bei der Besetzung von Ausbildungsstellen auch heute schon spüren?

Im Gegenteil: Wir spüren, dass das Interesse an unserem Ausbildungsangebot weiterhin sehr hoch ist: Zum Ausbildungsstart 2015 haben sich mehr als 6.200 junge Menschen bei Henkel beworben. Das übersteigt die Zahl der angebotenen Stellen deutlich.

Veröffentlicht am 16.08.17

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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