Kim Weisswange: 5 Fragen — 5 Antworten

Kim Weisswange-interview

Kim Weisswange  (in Südafrika geboren) gehört heute zu den renommiertesten Duftkreateurinnen der Welt. Zu ihren Kunden zählen Hollywood-Größen, unzählige Prominente und das britische Königshaus. wissensschule tauschte sich mit ihr über das Berufsbild “Parfümeur/in”, ihre Kindheit in Südafrika sowie Duftrezepturen aus.

 

Den meisten unserer Leser ist das Berufsbild des Parfümeurs/in nicht so sonderlich bekannt. Können Sie uns in maximal 3 – 4 Sätzen erklären, wie eine Ausbildung zum/r Parfümeur/in aussieht?

Derzeit gibt es in Deutschland keine Möglichkeit, im klassischen Sinne, eine Ausbildung zum Parfumeur zu machen. Deswegen ist die Ausbildung zum Parfumeur nicht staatlich anerkannt und die Berufsbezeichnung ist leider nicht geschützt. Über Umwege ist es aber trotzdem möglich diesen Berufswunsch zu realisieren, z.B. durch eine Trainee-Tätigkeit bei einem großen Riechstoffhersteller im In – oder Ausland oder durch ein Chemiestudium. Nur wenige Unternehmen bilden Parfumeure aus, denn die Ausbildung ist sehr arbeitsintersiv und sehr kostspielig.

Zudem besteht die Möglichkeit, an dem Institut Supérieur International du Parfum in Paris das kreieren von Düften zu erlernen.

Auf Ihren Berufswunsch Parfümeurin zu werden, entgegneten Ihre Eltern: “Kind, dafür musst du ein Mann und Franzose sein”. Was hat Sie angetrieben, trotz der Einwände Ihrer Eltern, diesen Beruf zu erlernen und auszuüben? 

Ich habe immer an meinem Berufswunsch festgehalten, und mich auch nicht entmutigen lassen. Ich habe sehr gerne viele “Umwege” im Kauf genommen um an mein Ziel zu kommen. Letztendlich hat mich das alles stärker gemacht und ich habe gelernt auf meine innere Stimme zu hören, was für einen kreativen Parfumeur sehr wichtig ist.

Aufgewachsen sind Sie in der exotischen Pflanzenwelt Südafrikas. Wurden Sie dort besonders durch Ihre Dufterlebnisse inspiriert? 

Südafrika ist eine ölfaktorische Schatztruhe. Ich bin in meinem Leben viel gereist, aber nirgendswo habe ich so viel verschiedene Geruchssensationen wahrnehmen können wie in Südafrika. Es liegt dort etwas besonderes in der Luft, die Sinneseindrücke die ih schon als Kind gewinnen konnte fließen noch heute in meine Arbeit ein. Es hat meinen Geruchshorizont für immer erweitert.

Vielen unserer Leser ist der Film des deutschen Regisseurs Tom Tykwer “Das Parfüm” bekannt.  Der spätere Parfümeur Jean-Baptiste Grenouille “erschnupperte” alle möglichen Gegenstände, ließ sich davon leiten und kreierte seine Parfüms. Welche Rezepturen legen Sie für die Kreation Ihrer Düfte zugrunde?

Keine Angst bei mir werden keine rothaarigen Jungfrauen extrahiert. Für mich ist die Natur selbst die größte Inspiration. Überall bekomme ich Angregungen für neue Duftkreationen –  auf dem Wochenmarkt, am Strand, auf einer Wiese. Ich lausche den Düften um mich herum und interpretiere sie auf meine Art. Ich träume sogar von Düften und habe immer ein Notziblock auf meinem Nachttisch.

Welche Eigenschaften und besondere Fähigkeiten sollten junge Menschen mitbringen, die sich für eine Ausbildung zum Parfümeur entscheiden? 

Vor allem ein fotografisches Gedächnis für Düfte. Die Fähigkeit alle Duftessenzen von einander zu unterscheiden und benennen zu können, denn Übung macht den Meister. Das ist die wichtige Basis für diesen künstlerischen Beruf. Kreativität, Vorstellungskraft, Einfühlungsvermögen und auch Zeitgeistempfinden ist sehr wichtig um für die Menschen von heute und morgen Düfte zu entwickeln. Wie ein Maler mit Farbe malt – malt der Parfumeur mit Düften.

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