Kosten- und Leistungsrechnung – Ein Führungsinstrumentarium zukünftig auch für Schulen ?

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist originär ein Controllinginstrument erwerbswirtschaftlich orientierter Unternehmen. Mittlerweile wird sie jedoch auch aufgrund wirtschaftlicher Erfordernisse in vielen öffentlichen Einrichtungen erfolgreich eingesetzt.Die Kosten – und Leistungsrechnung wird als integrierter Bestandteil eines internen Informations – und Steuerungssystems angesehen, das das Management in die Lage versetzt, rationale Entscheidungen hinsichtlich der optimalen Verwaltung der Ressourcen zu treffen. Ziel der Kosten – und Leistungsrechnung ist es, Wirtschaftlichkeitspotentiale zu erschliessen sowie die Schaffung von Kostenbewusstsein und Kostentransparenz zu gewährleisten. Unwirtschaftlicher Mitteleinsatz wird offengelegt : dadurch wiederum vollziehen sich Verhaltensänderungen, die auf einen wirtschaftlicheren Mitteleinsatz gerichtet sind. Die Kostenrechnung bildet den Mittelverbrauch – sprich den Input ab – wohingegen das Ergebnis der Dienstleistungsprozesse – der Output – von der Leistungsrechnung erfasst wird. Da jedoch die Leistungen der Schulen nicht durch Preise bewertet werden, müssen sie auf eine andere Art in die Rechnung einbezogen werden.

Anlass und Notwendigkeit für die Kosten- und Leistungsrechnung an Schulen

Schulen befinden sich zusehends in der öffentlichen Diskussion; sie gelten allgemeinhin als wenig unternehmerisch und als Objekt staatlicher Bevormundung. Zu fordern sind daher – gerade in Anbetracht zukünftig knapper werdender finanzieller Ressourcen – vor allem Wettbewerbsfähigkeit, Rechenschaftslegung ( = Transparenz ) sowie Effizienz hinsichtlich Ressourceneinsatz und der daraus erzielten Leistungen. Unseres Erachtens nach können diese Ziele am besten durch Deregulierung und Stärkung der Schulautonomie realisiert werden. Dies bedingt eine weitreichende dezentrale Verantwortung der Finanzautonomie , die wiederum ein Planungs-, Steuerungs – und Kontrollsystem benötigt, welches die Schulen in die Lage versetzt, die gewonnenen Freiräume operativ und strategisch unter optimalem Ressourceneinsatz auszunutzen. Andererseits kann mit Hilfe dieses Instrumentariums der Forderung nach Rechenschaft und Transparenz nach außen Rechnung getragen werden. Die kameralistische Buchführung kann dies nicht leisten, ist sie doch eine reine Einnahmen – Ausgaben – Rechnung und nicht in der Lage

  • den gesamten Ressourcenverbrauch nach Einrichtungen auszuweisen
  • Kosten verursachungsgerecht zuzuordnen
  • darzulegen, welche Leistungen mit welchen Kosten erbracht wurden.

Diese Nachteile führten daher zu der Erkenntnis, die Kameralistik um ein aufeinander abgestimmtes System von sogenannten ” Neuen Steuerungsinstrumenten ” zu ergänzen, wovon die Kosten – und Leistungsrechnung ein zentraler Bestandteil ist.

Zielsetzung und Nutzen der Kosten- und Leistungsrechnung an Schulen

Die Kosten – und Leistungsrechnung stellt ein betriebswirtschaftliches Element dar, das alle Kosten systematisch erfasst und verursachungsgerecht zuordnet. Im Gegensatz zu Unternehmen aus der Wirtschaft verfolgt die KLR im Bereich der Schulen vor allem folgende Ziele:

  • Mit Bereitstellung regelmäßiger Reports wird eine signifikante Steigerung des Kostenbewusstseins bei allen Beschäftigten angestrebt,
  • Aussagekräftige Datenaufbereitung aus der KLR soll das Schulmanagement bei ” unternehmerischen Entscheidungen ” unterstützen,
  • Die KLR deckt Fragen des internen und externen Informationsbedürfnisses über die Verwendung der Ressourcen ab, wie beispielsweise:

    Welche Kosten sind wo und wofür entstanden ?

Die zentralen Elemente der Kosten- und Leistungsrechnung

Kostenartenrechnung

Die Kostenartenrechnung erfasst und gliedert die während einer Abrechnungsperiode angefallenen Kosten und beantwortet die Frage, welche Kosten an der Schule entstanden sind. Der Kostenartenplan stellt die Kosten systematisch dar und untergliedert sie in nachfolgende Hauptbereiche: Personalkosten, Sachkosten und kalkulatorische Kosten.

Kostenstellenrechnung

Die Kostenstellen orientieren sich an der Aufbauorganisation der Schule und geben Auskunft darüber, wo die Kosten in der Schule entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung hat die Aufgabe, die Kosten verursachungsgerecht zuzuordnen. Hierbei werden alle Einrichtungen der Schule in einer hierarchischen Systematik, dem Kostenstellenplan, abgebildet.

Kostenträgerrechnung

Die Kostenträgerrechnung baut auf der Kostenarten und Kostenstellenrechnung auf und dient der kostenmäßigen Darstellung der Leistungen der Schule. In der Kostenträgerrechnung wird daher ermittelt, wofür die Kosten in der Schule angefallen sind. Voraussetzung dafür ist, dass die Leistungen, die den Ressourcenverbrauch und somit die Kosten verursachen, definiert werden. Hierzu bedarf es noch eingehender Diskussionen und Abstimmungen zwischen staatlicher Seite und den Schulen.

Berichtswesen

Die aus der Kostenarten -, Kostenstellen – und Kostenträgerrechnung gewonnenen Daten sollten derart gestaltet werden, dass sie eine zielgerichtete Planung, Steuerung und Kontrolle der Schule ermöglichen. Das Reporting dient in erster Linie schulinternen Zielen, ist jedoch auch notwendig für die Erfüllung externer Berichtspflichten. Die Entscheidungsfähigkeit der Schule ist durch eine optimale Informationsbasis zu unterstützen, um prüfen zu können, ob die gesteckten Ziele erreicht worden sind. Daten aus der KLR

werden zukünftig verstärkt für Entscheidungsfindungen auf den Leitungsebenen der Schulen genutzt werden. Unter Zuhilfenahme dieses Tools können und müssen zukünftig differenzierte Auswertungen, wie beispielsweise Kostenübersichten, Soll – Ist – Vergleiche und Finanzberichte zur Verfügung gestellt werden. Eine den Schulen übertragene dezentrale Verantwortung der Finanzautonomie führt aber auch zu einer erhöhten Informationsnachfrage der staatlichen Leitung, die auch zukünftig die Entscheidung über die politisch – strategischen Richtlinien sowie über die Verteilung staatlicher Mittel an die Schulen behält. Auch dazu bedarf es eines Berichtswesens, das die Informationsgrundlage für derartige Steuerungsentscheidungen schafft.

Fazit und Ausblick

Wie bereits erwähnt, eignet sich die Kosten – und Leistungsrechnung nicht nur für rein erwerbswirtschaftlich orientierte Unternehmen. Gerade in Zeiten immer knapper werdender Mittel der Länder und Kommunen ist damit zu rechnen, dass die Schulen zukünftig ihre eigenen Budgets und somit auch ihre eigenen Finanzen verwalten und verantworten müssen. Ob sinkende oder steigende Schülerzahlen, die Situation an unseren Schulen wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern. Profilbildung der Schulen, Qualitätsmanagement, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Kostenmanagement sowie Organisations – und Personalentwicklung sind nur einige Bereiche, mit denen sich Schulen zukünftig intensiver auseinander setzen müssen. Dies in einem Umfeld, in dem Wettbewerb und Verdrängung keine Fremdwörter mehr sein werden. Um sich auf diese Situation auch wirtschaftlich neu einzustellen und auszurichten, wird zukünftig die Notwendigkeit der Implementierung eines aussagefähigen Planungs-, Steuerungs- und Kontrollinstrumentariums immer wichtiger. Aus diesem Grund kommt der Kosten – und Leistungsrechnung an Schulen eine besondere Bedeutung zu.

Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

BEO.M Unternehmensberatung
Frank Heidrich
Am Haus Bey 12

41334 Nettetal
Telefon: 0172 / 99 88 517
eMail:info@wissensschule.de

Leave a reply