Kultur an der Schule – Erich Kästner-Gesamtschule Essen

Kultur an der Schule?
Als Teil des regulären Unterrichts?
Und dann auch noch finanzierbar?

EKG – das EssenerKulturGespräch an der Erich Kästner – Gesamtschule in Essen

1200 Schülerinnen und Schüler einer Schule besuchen die renommierte Ausstellung Mathematik zum Anfassen vom Mathematikum in Gießen, zum Teil sogar mehrfach an verschiedenen Tagen, ohne dass auch nur eine einzige Stunde Unterricht ausfällt.

Die Spanisch- und Kunstkurse der Jahrgangsstufe 12 und 13 sehen im Kulturzentrum “Grend” das Schauspiel Ché – eine Theaterbegegnung und setzen sich anschließend im fächerübergreifenden Unterricht mit den eigenen Vorbildern auseinander. Diese Überlegungen werden künstlerisch umgesetzt, dabei ist die Technik frei, ob Collage, Video oder Bildbearbeitung am Computer. Die Ergebnisse werden unter dem Titel Tjost über den Zusammenprall der Kulturen wiederum im “Grend” mehrere Wochen lang ausgestellt.

Neue Töne aus der Schule , so heißt ein Projekt der Gesellschaft für Neue Musik. Ein Komponist und ein Musiker kommen etwa 12 Wochen lang in eine Klasse, um mit den Schülerinnen und Schülern zu improvisieren und zu komponieren. Was dabei entsteht, wird bei einem Konzert in der Essener Philharmonie präsentiert. Auch Klassen anderer Schulen sind daran beteiligt.

Der Jugendbuchautor Ralf Thenior unterrichtet in einer “Autorenschule” 24 Unterrichtsstunden lang zwei Klassen im freien Schreiben. Der Leiter eines Verlages kommt dazu, um die beiden Klassen in den Herstellungs- und Vermarktungsprozess ihres Buches einzuführen. Das Buch wird von den Jugendlichen selbst gedruckt und ist überall im Buchhandel erhältlich. Der Gewinn bildet das Startkapital für das nächste Autorenschulprojekt. Vier Beispiele von über dreißig kleineren und größeren Kulturprojekten jährlich. Wie ist das alles “an Schule” möglich? Wie kann eine Schule das leisten? Als Teil des regulären Unterrichts! Und dann auch noch finanzieren?

Dass dies geht, zeigt seit einigen Jahren und mit wachsendem Erfolg das EssenerKulturGespräch der Erich Kästner – Gesamtschule in Essen. Der Name selbst verdeutlicht bereits, um was es bei ihm geht. Zum einen verweist er auf das Anliegen der Schule, als Gesamtschule allen ihren Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, ihre Begabungen zu entdecken und zu entwickeln und – ungeachtet ihrer sozialen Herkunft – ihre Leistungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Zum anderen enthält er den Anspruch Erich Kästners, Kinder und Jugendliche zu verantwortlichen, selbstbewussten Menschen zu erziehen, die in unserer Gesellschaft für Demokratie, freie Selbstbestimmung und ein friedliches Zusammenleben eintreten.

Und schließlich zeigt er an, dass diese Reihe dem kulturellen Leben der Stadt Essen Impulse geben und damit auch über den Schulrahmen hinaus wirken möchte. Regelmäßig finden an der Schule Lesungen, Werkstattgespräche, Diskussionsver-anstaltungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und andere Projekte statt. Sie erwachsen aus dem Unterricht und führen wieder in ihn zurück. Sie sind Teil des unterrichtlichen Geschehens und nicht bloße Anhängsel, die sich leicht konsumieren lassen. Das Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen, die die Erich Kästner – Gesamtschule besuchen, Möglichkeiten der Teilhabe am kulturellen Leben zu eröffnen. Sie sollen kulturelle Erfahrungen sammeln und auf diesem Wege lernen, sich kritisch und zugleich konstruktiv mit ihrer Gesellschaft, ihrer Kultur und dem Umfeld, in dem sie wohnen, auseinander zu setzen. Dabei sollen sie auch ihre kreativen Fähigkeiten erproben und ihre Phantasie weiterentwickeln. Auf diese Weise soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass sich die Jugendlichen zu sozialen und zu sozialer Verantwortung fähigen Menschen entwickeln, die die sich ihnen bietenden Möglichkeiten realisieren, um auf ihrem je eigenen Bildungsweg vorwärts zu kommen.

Und die Finanzierung? Da gibt es viele Ideen und ein Zauberwort. Es heißt “Mischfinanzierung”. Dieses Wort ist gerade für die Schulen wichtig, die nur einen sehr begrenzten finanziellen Spielraum haben. Eine besonders wichtige Idee der Erich Kästner – Gesamtschule? Sie hat sich dafür entschieden, jedes Schuljahr von ihren Schülerinnen und Schülern einen sogenannten Kultureuro einzusammeln. Er bildet die Basis für die Kulturarbeit. Der Rest wird auf andere Weise finanziert: teils durch den Förderverein, teils durch die Klassenkasse, teils aber auch durch Sponsoren oder Fördergelder, die für jedes Projekt neu beantragt werden. Manchmal lassen sich Kosten aber auch dadurch reduzieren, dass man mit anderen Veranstaltern zusammenarbeitet, mit ihnen verhandelt! Und natürlich helfen auch Kolleginnen und Kollegen ein ganzes Stück weiter, die schon einmal einen Übernachtungsgast aufnehmen, “mal schnell” jemanden vom Bahnhof abholen oder gar Übersetzerdienste leisten. Es gibt viele Wege, die gegangen werden können, um Kulturprojekte zu finanzieren.

Mit dem EssenerKulturGespräch setzt die Erich Kästner – Gesamtschule eigene Akzente ganz im Sinne der OECD – Bildungsziele, die den PISA – Untersuchungen zugrunde liegen und die vielleicht als Bildungsstandards allmählich in Deutschland Gestalt annehmen.

Kultur an die Schule!
Als Teil des regulären Unterrichts!
Und dann auch noch finanzierbar!

Interessiert?

Dann schauen Sie doch mal rein, und zwar unter

www.ekg-essen.de !

Fotos: Karl-Heinz Mauermann
Zeichnung: Schülerarbeit
Kontakt: arturnickel(at)web.de

Leave a reply