Kunstgeschichte und Geschichte in Düsseldorf

Seit einem Semester studiere ich den Kernfachstudiengang Kunstgeschichte / Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

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Kunstgeschichte ist dabei mein Kernfach, doch weil man dieses nicht allein studieren kann, musste ich noch ein Nebenfach auswählen. Unter anderem gab es die Auswahl zwischen Modernes Japan, Musikwissenschaften, Philosophie oder eben Geschichte. Das Studium wird nach sechs Semestern mit dem Bachelor abgeschlossen und kann dann noch mit einem Masterabschluss verlängert werden. Obwohl die meisten Freunde und Bekannte einen daran zweifeln ließen, dass man mit dieser Kombination überhaupt später einen Job finden kann, habe ich mich unbeirrt eingeschrieben. Tatsächlich habe ich bemerkt, dass man auch Berufe wählen kann, die man nie bedacht hatte. Ich las z.B. von einer Kunstgeschichtsstudentin, die Kunstwerke privater Sammler versichert. Die meisten Studenten dieses Faches werden aber sicherlich in Museen oder Galerien landen. Ich denke, mit etwas Kreativität kann einem so einiges mehr einfallen, was man als „Doppelhistorikerin“ so werden kann.

Ein anderer Gedanke von den meisten ist, dass man als Kunstgeschichts- und Geschichtsstudent eher zu den faulen Studenten gehört, die bis Mittags schlafen und ab und zu ein Buch zu ihrem Thema lesen. Da kann man nur ein erschöpftes „Haha“ entgegen bringen. Auch wenn man „nur“ Kunstgeschichte studiert, sitzt man nicht vor Bildern und sagt Adjektive auf, die einem dazu in den Sinn kommen. Und als Geschichtsstudent liest man auch nicht einfach nur mal was über irgendeinen Krieg. Man lernt sehr viel auswendig und schreibt den halben Tag seine Mitschriften ab, damit man die mühsam mitgeschriebenen Notizen, die man nur schnell hinkrakeln konnte, weil der Professor schneller spricht, als ein ICE fährt, auch noch eine Woche später verstehen kann.

Bei meinen beiden Fächern darf ich mir jedes Semester selbst aussuchen, welche Vorlesungen, Basisseminare und Übungen ich belegen will. Man bekommt lediglich einen Plan, wie viele und welche bestimmten Kurse man belegen muss. An sich ist es also schon von Vorteil, dass man nicht einfach bestimmte Themen zugeschrieben bekommt, anderseits kann es aber auch sehr kompliziert sein, alle ausgesuchten Vorlesungen, Seminare und Übungen in einem Stundenplan unterzubringen, ohne dass sich alles schneidet- vorallem auch mit den Kursen des Nebenfaches.

Bis jetzt habe ich in Kunstgeschichte ein schriftliches Fach belegt, es nennt sich „Seminar zur Methoden und Formenlehre“. Insgesamt muss man zwei dieser Seminare belegen, eines zur mittelalterlichen und eines zur neueren Kunstgeschichte. Abgeschlossen wird der Kurs mit einer schriftlichen Prüfung. Für meinen ersten Kurs musste ich alle möglichen Bauten aus dem Mittelalter lernen, in der Klausur musste ich sie dann auf Ansichten, Grundrissen und Fotos vom Innenraum erkennen können und ihnen Name, Baujahr, Besonderheiten, manchmal auch Bauherren oder Auftraggeber zuordnen und darüber hinaus einzelne Bauten mit anderen vergleichen. Nebenbei Geschichte zu studieren bedeutet dann auch noch viele Zahlen und Ereignisse mehr zu lernen.

Zudem habe ich noch einige Vorlesungen belegt, eine zu Künstlern aus Düsseldorf, oder auch ein Seminar zu mittelalterlichen Paradiesvorstellungen. Solche Seminare bestehen hauptsächlich aus Referaten, schreibt man dann eine Prüfung im Seminar, muss man also auf gute Referate hoffen, die die teilweise sehr komplizierten Themen gut beschreiben, denn auch wenn man es kaum glauben kann: das Paradies besteht nicht nur aus pummeligen Engelchen. Außerdem muss man für Kunstgeschichte einen einjährigen Lateinkurs belegen, wenn man diesen nicht schon in der Schule hinter sich gebracht hat. Lateinkurse finden aber Abends statt, sodass sich die Kurse wenigstens selten mit denen aus Kunstgeschichte und Geschichte schneiden. Trotzdem ist es um einiges besser, schon zuvor Latein gemacht zu haben, denn man kann nur sagen: „Ich kam, sah und …lernte“. Um zu siegen, muss man ganze zwei Semester durchhalten und das kann ganz schön viel sein, denn vorgesehen ist, das kleine Latinum in nur drei Semestern zu schaffen. Glücklicherweise müssen die Kunstgeschichtler nur zwei von drei Semestern belegen und keine Latinums-Klausur schreiben. Aber das Tempo im Kurs bleibt leider gleich: schnell. In dem ersten Semester hatte ich in meinem Nebenfach Geschichte die Auswahl zwischen den Themen „Alte Geschichte“ und „Neue Geschichte“. Als Hauptfächler hat man keine Auswahl und muss beide Themen belegen. Zu einem Thema gehören je ein Grundkurs und eine Vorlesung. Ich habe mich für Alte Geschichte entschieden und konnte dann weiter zwischen dem Grundkurs der römischen Antike oder der griechischen Antike wählen. In der Vorlesung beschäftigt man sich vorallem mit Methoden, um geschichtliche Informationen zu erhalten. Dabei haben wir z.B. über die Numismatik – die Münzkunde gesprochen. Es ist wirklich interessant, was so alte Münzen einem alles sagen können. Klingt vielleicht komisch, ist aber so.

Neben dem gewählten Thema muss jeder, egal ob Kern- oder Nebenfach im ersten Studienjahr eine Vorlesung und Übung zum Thema „Modul Methoden und Vermittlung“, kurz MMV belegen. Bis jetzt habe ich nur die Vorlesung dazu besucht, welche ich in den Ferien mit einem achtminütigen Fachgespräch abschließen musste.

Für das zweite Semester kann ich mich nun entweder für das Thema „Mittelalter“ oder „Osteuropäische Geschichte“ entscheiden.

Beide Fächer gefallen mir sehr gut und sind sehr interessant gestaltet, weil man die meisten Themen selbst auswählen kann und nur wenige Themen direkt vorgeschrieben sind. So kann man sich z.B. auch in Kunstgeschichte auf Gartenkunst oder ähnliches spezialisieren, indem man vorallem Kurse zur Gartenkunst besucht.

Ich glaube die anfängliche Verwirrung, wie viele Kurse man aus welchen Themen und in welchem Semester am besten belegen sollte, um am Ende nicht einen ganz überfüllten Stundenplan zu haben, wird sich erst mal so schnell nicht legen und noch einige Semester andauern. Aber wen man sich an die Füße von denen klettet, die auf mysteriöse Art und Weise einfach alles verstehen, ohne ständig zur Fachschaft laufen zu müssen, oder einfach Kommilitonen trifft, die ein wenig mehr durchblicken und einem helfen können, kann man sich Einiges abgucken und sich sicher fühlen, nichts im Stundenplan vergessen zu haben.

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