Mein Auslandsaufenthalt an einer Mädchenschule in Südafrika – von Melissa (15)

Mein Auslandsaufenthalt an einer Mädchenschule in Südafrika - von Melissa (15) Für Lernende Was uns bewegt

Mein Name ist Melissa und ich gehe auf ein katholisches Gymnasium in Nordrhein Westfalen.

Im vergangenen Jahr war ich für 6 Monate auf einem Auslandsaufenthalt in Südafrika. Ich bin dort an eine Mädchenschule gegangen und habe unter der Woche im Internat gelebt.

An unserer Schule wurde Uniform getragen, die Haare mussten zusammengebunden werden, Schminke war absolut tabu, Lehrer und ältere Schülerinnen wurden respektiert und es gab strenge Regeln die man befolgen musste. Für manch einen klingt das wahrscheinlich wie der reine Horror, aber ich muss sagen, dass ich am Anfang auch nicht wusste, was ich von manchen Regeln halten sollte. Doch mit der Zeit habe ich mich so gut eingelebt! Ich fand es super praktisch morgens aufzustehen und sich keine Gedanken um das heutige „Outfit“ machen zu müssen! Außerdem waren alle so unglaublich freundlich zu mir und vor allem immer witzig drauf (wer Südafrikaner kennt, weiß was ich meine). Auch an das Internatsleben habe ich mich mit der Zeit gewöhnt. Man hatte eben durch die Vorschriften eine Routine, die sich jeden Tag wiederholt hat.

Am Morgen wurden wir mit einer Art Glocke geweckt und mussten bis zu einer bestimmten Zeit aus dem Internatshaus sein und zum Frühstück gehen. Dafür hat dann wieder eine Glocke geschellt und schon konnte man das Klackern von Lederschuhen auf den Fluren hören. Ich habe dieses Geräusch am Anfang gehasst, doch mit der Zeit gelernt zu lieben, da es so vertraut und richtig klang.

Mein Auslandsaufenthalt an einer Mädchenschule in Südafrika - von Melissa (15) Für Lernende Was uns bewegt

Solche und andere Gewohnheiten und Regeln waren komplett anders als das, was man hier in Deutschland gewöhnt ist. Nicht nur was das Internat betrifft sondern auch das Schulische. Der Unterschied bestand nämlich darin, dass man in Südafrika vor den Lehrern zwar Respekt hatte, sich aber trotzdem super mit ihnen verstanden hat. Man hatte bei ihnen das Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden und nicht nur „auf der Klassenliste zu stehen“. Außerdem habe ich dort so viel mehr vom Unterricht verstanden als hier! Viele Dinge haben die Lehrer so verdammt gut und verständlich erklärt, sodass es einem nun hier wieder schwerfällt bestimmte Dinge zu verstehen.Dieses gute Verhältnis zwischen Schülerinnen und Lehrern beeinflusst aus meiner Sicht ziemlich viel. Zum einen fühlt man sich viel motivierter, sich dazu im Unterricht wirklich anzustrengen, da man weiß dass man auch wirklich bemerkt wird. Zum anderen fragt man auch einfach mal nach, wenn man etwas nicht versteht statt sich dafür zu schämen.

Das Problem hier in Deutschland (oder zu mindestens an meiner Schule) ist, dass man weder Respekt vor Lehrern hat, noch dass diese Interesse für einen haben. Die Lehrer machen ihren Job, die Schüler sitzen dort, weil sie dazu verpflichtet sind.

Auch hatten wir bei uns in Südafrika einmal in der Woche eine Schulversammlung (assembly) in einem großen Amphitheater. Bei dieser Versammlung wurden einerseits Lieder gesungen und Dinge besprochen aber zum anderem auch die Ergebnisse der Spiele, die unsere Schule in der vergangenen Woche in verschiedenen Sportarten und Altersklassen absolviert hatte, vorgelesen. Dies fand ich immer toll, da ich selber auch Fußball gespielt habe und das Ergebnis meiner Mannschaft dann auch immer mit anhören konnte und (meistens 😉 stolz darauf sein konnte. Auch gab es bestimmte Auszeichnungen, die in den Versammlungen vergeben wurden. Diese waren nicht nur für Sport sondern auch für Musik, Drama oder sonstiges. Bei besonderen Leistungen, beispielsweise wenn man es beim Sport schafft, ins Provinzteam zu kommen, wird man mit einer Auszeichnung geehrt, die einem an den Blazer, der Teil der Uniform ist , genäht wird. Jeder kann nun also sehen, welche Leistungen diese Schülerin schon außerschulisch erreicht hat (und bei manchen war das wirklich viel).

Und nun mal als Vergleich zu Deutschland (wenn auch etwas krass formuliert): Hier läuft man in der Schule mit Markenklamottten herum, Klamotten die nicht im geringsten repräsentieren, wer man ist oder was man schon erreicht hat. Stattdessen vielleicht, wie viel die Eltern schon erreicht haben, wie viel Kohle sie verdienen und ob man sich so etwas leisten kann. Dazu kommt, dass man sich hier nicht nur auf die Schule konzentriert sondern auch ständig darauf achtet, wie man aussieht, ob das Makeup gut sitzt und man den Jungs gefällt.

Aber ist das der Zweck von Schule hier in Deutschland? Ist die Schule dafür da?

Danke fürs Lesen – ich hoffe jeder der bis hierhin gelesen hat konnte etwas aus diesem Artikel ziehen;)

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