Mein Auslandssemester in Australien

Nicht nur zehn Stunden vor, sondern geht die Zeit auch noch schneller in Australien rum. So kommt es mir in Down Under zumindest vor. Im Februar hatte ich meine Reise begonnen und lebe nun schon seit gut zweieinhalb Monaten in Melbourne.

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Bevor mein Auslandssemester an der Victoria University in Melbourne begann, wollte ich mit zwei Freundinnen erst noch ein bisschen Urlaub machen. In den ersten Tagen in Melbourne, der zweitgrößten Stadt Australiens, war das eher weniger möglich. Die organisatorischen Dinge wie Wohnung suchen und Orientation Day an der Uni nahmen doch viel Zeit in Anspruch. Besonders die Wohnungssuche war eine Story für sich. Eigentlich wollten wir in das Wohnheim einziehen, doch nachdem wir das sanierungsbedürftige Badezimmer gesehen hatten, wollten wir auf jeden Fall noch nach einer Alternative schauen. Schnell hatten wir im Internet etwas gefunden und haben einen Besichtigungstermin gemacht. Roger, der Vermieter, zeigte uns die Wohnung, welche fußläufig zur Uni lag und mit vier Zimmern für vier Studenten, einer Küche und einer Waschmaschine ausgestattet war. Alles war super eingerichtet, die Miete stimmte auch und wir wollten sofort unterschreiben. Nur was? Einen Mietvertrag kennt der lässige Australier anscheinend nicht, denn ich sollte die Miete und Kaution einfach bar auf die Hand geben und nur eine kleine selbstgeschriebene Quittung erhalten. Roger erklärte ich erst einmal, dass ich aus Deutschland komme und Mietverträge dort so üblich sind. Daraufhin lachte er laut los, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb erneut per Hand etwas auf einen kleinen Zettel. Na immerhin hatte ich es jetzt wenigstens schriftlich, dass ich hier für vier Monate wohnen würde.

Nach vier Tagen Melbourne ging es nach Sydney, der für mich schönsten Stadt der Welt. Das Wetter war super, denn es gab nur Sonnenschein. In sechs Tagen waren wir im Opera House, auf der Harbour Bridge, im Royal Botanical Garden, im Toranga Zoo, Mainly Beach, Bondi Beach und für einen Tag sind wir zu den Blue Mountains gefahren. Mitten im Dschungel kamen uns dort sogar Deutsche aus Remscheid entgegen. Leider entsprach der Beginn in Sydney alles andere als unserer Vorstellung. Das Zimmer im Hostel war dreckig, Insekten an den Fenstern und das Schloss vom Zimmer war kaputt. „Tage der offenen Tür“ hatten wir eigentlich nicht gebucht und wollten das Zimmer auch auf keinen Fall haben. Unter der Hand erhielten wir das Geld zurück und machten uns bis spät in den Abend auf die Suche nach einem anderen Zimmer. Die Suche stellte sich als sehr schwierig da. Über ein Internetportal hatten wir dann ein Apartment etwas außerhalb gefunden. Letzte Chance hieß es und durch den Regen gingen wir 4 km durch Sydney. Ein Franzose hatte in einer großen Anlage dann schließlich ein Zimmer in seinem Apartment zur Verfügung gestellt. Anstatt dreckige Duschen, Insekten und kaputte Schlösser hieß es jetzt: eine schön möblierte Wohnung, Indoor-und Outdoorpool, sowie ein kleines Fitnessstudio.

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Donnerstagsabends sind wir zurück nach Melbourne geflogen, da ging es am Freitag direkt schon wieder weiter. Mit den Study Abroad Leuten sind wir auf Orientation Trip zur Great Ocean Road gefahren, einer der schönsten Strandabschnitte Australiens. Surfing, Wandern, AFL spielen, Essen und Trinken, alles war mit im Programm. Am letzten Tag sind wir mit dem Bus bis zu den zwölf Aposteln gefahren. Im Nachhinein gab es keine bessere Möglichkeit als diese, so viele neue Menschen kennenzulernen aus so vielen verschiedenen Kulturen. Wobei es teilweise schon erstaunlich war, wie viele Deutsche wir waren.

Am nächsten Tag startete dann das Semester in der Uni. Bin ich von der BiTS Iserlohn doch eine familiäre Atmosphäre gewöhnt, war es hier doch alles viel größer und unpersönlicher. Aber alles eine Sache der Gewöhnung, denn ansonsten ist der Inhalt meines journalistischem Studiums wirklich klasse.

Die Dozenten hier erwarten allerdings schon viel Eigeninitiative. Besonders während des Semesters muss man viele Assignments machen. Ich persönlich schreibe dafür keine Klausuren und kann mich daher nicht beschweren, dann während des Semesters mehr zu arbeiten. Gerade auf Gruppenarbeiten wird hier viel Wert gelegt. Das ist ab und zu etwas schwierig, wenn man mit Australiern zusammen in einer Gruppe ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele mindestens einen oder zwei Jobs neben dem Studium ausüben und daher wenig Zeit für Treffen haben.

Wobei wenn es zeitlich mit der Abgabe des Assignments mal knapp wird, sind die meisten Dozenten pretty easy-going und es lässt sich immer über eine spätere Abgabe reden.

Was ebenfalls sehr lobenswert an der Victoria University ist, dass es unzählige Veranstaltungen gibt, wodurch ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. So kommen wir Internationals regelmäßig zusammen und können uns austauschen.

Zum Thema Wohnen in Australien: In Melbourne kann es gut und gerne einmal kalt werden(nicht so kalt wie in Deutschland, aber immerhin so zehn Grad). Im Moment haben wir Herbst und da es sich nachts sehr abkühlt, wird es in unserem Haus richtig kalt. Leider ist eine Zentralheizung alles andere als selbstverständlich und daher sollte man unbedingt darauf achten, dass man wenigstens vom Vermieter einen mobilen Heater bekommt.

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In Australien ist ein Mid-Semester-Break üblich, was so viel wie eine Woche Osterferien bedeutet. Ein unbeschreibliches Abenteuer habe ich in dieser Zeit mit meinem Besuch aus Deutschland erlebt. Fünf Tage Tasmanien war das aufregendste, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe. Drei Uhr nachts aufstehen und um sieben Uhr den Flieger in Richtung Launceston nehmen, das war zumindest der Plan. Leider hat die Airline Jetstar uns da einen Strich durch Rechnung gemacht und den Flieger gecancelled. Grund war das angeblich so schlechte Wetter in Tasmanien, nur seltsam dass andere Studenten von meiner Uni nur eine Stunde später fliegen konnten. Außerdem hatte ich am Airport Launceston angerufen und mich nach dem Flieger erkundigt. Der nette Tasmanier bestätigte mir am Telefon das gute Wetter dort und dass er auch nicht wüsste, wieso der Flieger nicht gestartet war. Nun ja, das stellte uns dann vor eine große Herausforderung, denn die Route mit dem Auto war geplant, die Hostels gebucht und der Mietwagen musste morgens abgeholt werden… Unser nächst möglicher Flieger ging allerdings erst nachmittags… Abends um sechs waren wir dann endlich in Tasmanien angekommen und mussten bei Dunkelheit noch drei Stunden durch die Serpentinen bei Regen, Nebel und genug Wildlife zum Hostel fahren. Ampeln oder Autos? Nichts zu sehen! Wir waren im absoluten Niemandsland angekommen, was selbst jedes noch so kleine Dörfchen in Deutschland übertraf. Mit unserem Hyundai (der nun wirklich nicht für diese Straßen gebaut wurde…) sind wir einmal komplett durch die Insel gefahren. Gestartet im Norden in Launceston, von der Westküste in den Süden nach Hobart und zum krönenden Abschluss die wunderschöne Ostküste. In der Stadt Hobart hatten wir die erste Ampel gesehen und kamen uns auch richtig wie in einer Stadt vor. Tasmanien bedeutete generell viel Klettern und Wandern, aber vor allem genießen. Diese Landschaft und vor allem die Strandabschnitte sind einfach nur einzigartig und mit Worten nicht zu beschreiben. Das Wetter hatte zum Glück auch mitgespielt.

Ansonsten bietet die Stadt Melbourne sehr viel zum Unternehmen an. Die Formel 1 war ein wahres Highlight, das Partyleben wird hier großgeschrieben und die Strände bieten eine tolle Abwechslung zum Stadtleben. Auch Tagesausflüge wie zur Pinguin-Insel Phillip Island sind super schöne Orte. Mehrere Wochenend-Trips in Nationalparks sind ebenfalls möglich.

Insgesamt habe ich in meinen bisher zweieinhalb Monaten keine Minute bereut, mich für Melbourne und die Victoria University entschieden zu haben. Die Menschen hier sind so offen und herzlich, dass man sich sofort heimisch fühlt. Außerdem wird viel Wert auf Lebensfreude gelegt, was mir super gefällt.

Übrigens noch eine kleine Anekdote zum Verständnis der Australier in Sachen Entfernung. Ein australischer Student erzählte mir, dass er im Sommer nach Deutschland reisen würde, unter anderem ist er in Berlin. Ich solle ihn ja mal in der Hauptstadt besuchen kommen, meinte er zu mir. Da erklärte ich ihm, dass ich im Westen wohne und es für mich sechs Stunden mit dem Auto sind. Seine Reaktion: Das sei doch nicht weit und quasi um die Ecke…

Carolin Schröer

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