MINT-Fächer wieder attraktiver machen. 5 Fragen — 5 Antworten mit Dr. Marc Bauch

Die MINT Schulfächer scheinen bei Mädchen und Jungen nicht sonderlich beliebt zu sein und auch MINT-Studienfächer und Ausbildungen haben nicht den Zulauf, der eigentlich benötigt wird, um die entsprechenden Jobs später zu besetzen. Ein Hauptgrund dafür ist, dass MINT-Fächer leider immer noch ein langweiliges Image haben und die Schüler Physik, Chemie und Co. einfach für uncool halten. Dazu tauschte sich wissensschule mit Dr. Marc Bauch aus, der Anfang Dezember als “MINT-Lehrer des Jahres” mit dem Klaus-von Klitzing-Preis ausgezeichnet wurde.

Herr Dr. Bauch, würden Sie sich bitte unseren Leserinnen und Lesern einmal kurz vorstellen? 

Mein Name ist Dr. Marc Bauch. Ich bin Lehrer am Gymnasium Hermeskeil und unterrichte die Fächer Mathematik, Informatik und Englisch. Seit Jahren leite ich eine erfolgreiche „Jugend forscht“-AG (mit Schwerpunkt: Mathematik/Informatik).

Abgesehen vom Sport-Unterricht folgen die meisten Schulfächer demselben Prinzip: Schüler sitzen an ihren Tischen, lesen in Büchern, hören zu und melden sich, um das Unterrichtsthema voranzubringen. MINT-Fächer bieten dagegen in der Regel ein praxisbezogenes sowie spielerisches Lernen. Warum sind dann aus Ihrer Sicht die MINT-Fächer bei Schülerinnen und Schülern nicht ganz so “sexy”? 

Da muss ich widersprechen: MINT steht auch in anderen Zusammenhängen für Frische. Es gibt Jahre, da habe ich mehr Schüler in meiner „Jugend forscht-AG” als die Fußball-AG an unserer Schule Mitglieder hat. Man muss Schülern klarmachen, wie viel Mathematik und Informatik in unserem Alltag und in der Welt der Schüler steckt. Gerade der Praxisbezug und das spielerische Lernen macht doch die MINT-Fächer sexy.

Mädchen schätzen ihre Fähigkeiten in Mathematik einer Studiedes Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge schon in der 5. Klasse schlechter ein als Jungen. Dies könnte eine der Ursachen dafür sein, dass Frauen an Universitäten und Fachhochschulen, aber auch in Ausbildungsberufen im sogenannten MINT-Bereich  deutlich unterrepräsentiert sind. Um rechtzeitig gegenzusteuern, müssen hier nicht Lehrkräfte und Eltern deutlich mehr dafür tun, Mädchen von ihren vorhandenen mathematischen Fähigkeiten zu überzeugen und zwar bereits in der Grundschule?

Ich glaube nicht, dass Mathematik ein reines Jungenfach ist. Mathematik ist sehr wohl ein Fach für Jungen und  Mädchen. Gerade in Klasse 5 ist Fleiß und systematisches Arbeiten gefragt. Beides ist bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungen. 

Allen Girls` Days, Schnupperpraktika und Werbekampagnen zum Trotz werden Mädchen noch immer am liebsten Bürokauffrau, Arzthelferin oder Verkäuferin. Unter den 10 beliebtesten Ausbildungsberufen bei jungen Frauen findet sich nicht einer aus dem MINT-Bereich. Stecken wir hier noch immer zu stark in Stereotypen fest?

Ich bin überzeugt, dass die Frauenpower auch in den MINT-Bereichen angekommen ist. Im Lehrerberuf kenne ich mehr Lehrerinnen, die MINT-Fächer unterrichten, als Lehrer. Ich bin überzeugt, dass die weiblichen Vorbilder noch motivierender als bisher auf Schülerinnen wirken werden. Auch werden sich Berufe ändern. Immer mehr Ausbildungsberufe haben mit Informatik zu tun und die Tendenz ist steigend.

Kann nicht auch einer der Gründe für mangelndes MINT-Interesse bei Schülern der sein, dass es beispielsweise zu wenig Lehrer für Physik, Informatik und Technikunterricht gibt und könnten hier Quereinsteiger nicht ein möglicher Lösungsweg sein?

Auf jeden Fall müssten mehr Freiräume für MINT-Lehrer geschaffen werden, so dass wir Schüler noch mehr individuell fördern können.

Als “MINT-Lehrer des Jahres” mit dem Klaus-von Klitzing-Preis geehrt zu werden, ist ja schon eine besondere Auszeichnung. Wie vermitteln Sie innerhalb und außerhalb des Unterrichts Schülerinnen und Schülern das Interesse an MINT, wie entfachen Sie das Feuer?

Der MINT-Unterricht muss wieder mehr MINT werden: Hands-on-Didaktiken lehren uns da einiges. Der MINT-Unterricht muss praktischer werden. Wenn Schüler sich mit Projekten beschäftigen, wachsen sie über sich hinaus. Forschendes Lernen kann so spannend sein. Dafür bräuchten wir mehr Freiräume im Lehrplan.

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