Neues Lernen – abstrakte Inhalte kreativ erschließen

Beste Aussichten für mehr Design in der Schule: Neue Workshopformate begeistern für MINT und das Produktdesign von morgen

In Modellen und beim Arbeiten mit haptischen Materialen verwandeln sich nüchterne Zahlen in anschauliche Prinzipien. Nach ihrem Vorbild lassen sich Möbel entwerfen: Sitzgelegenheiten, Tische oder Container für das Schulinventar. Workshop MATHEMAGIE, Veranstalter: Stiftung Deutsches Design Museum, Foto: Christof Jakob

Praxisnah, orientiert an unseren Lebenswelten, schafft die Vernetzung von Gestaltungsaufgaben mit MINT-Fächern neue Zugänge zu den Naturwissenschaften. MATHEMAGIE ist ein Workshopformat, das Ende 2019 erstmals mit Frankfurter Schüler*innen realisiert wurde. Wiederkehrende Gestaltungsmuster, Strukturen oder Ordnungsprinzipien in der Natur werden untersucht, um diese als Bauplan bzw. Entwicklungsansatz für eigene Entwürfe zu nutzen. In Skizzen und Modellen, beim Arbeiten mit Zirkel, Lineal und haptischen Materialen, verwandeln sich nüchterne Zahlen in anschauliche Prinzipien. Nach ihrem Vorbild lassen sich Möbel entwerfen: Sitzgelegenheiten, Tische oder Container für das Schulinventar. Im Entwurfsprozess erleben die Teilnehmenden, dass abstrakte Formeln im Alltag erstaunlich lebendig sind. Um geeignete Proportionen für geometrische Körper zu berechnen, dient der Goldene Schnitt, besonders beliebt ist das Pentagramm. Mit ihren überraschend vielfältigen Entwürfen haben vierzig Kinder sowie Jugendliche am Helmholtz Gymnasium und an der Carl-von-Weinberg Schule bewiesen, dass mathematische Inhalte nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch anwendbar sind. Mehr Begeisterung für die Arbeit mit Zahlen ist entstanden, unterstützt von den interdisziplinären Ansätzen im Design. In weiteren Schulen und als Fortbildungsmaßnahme für Lehrer*innen setzt die Stiftung Deutsches Design Museum den MATHEMAGIE Workshop auch im Jahr 2020 ein. Die Pilotprojekte 2019 wurden von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft unterstützt.

GESTERN. HEUTE. DU.

Gleich fünf Projektwochen in Thüringen standen zum Jahresende auf der Agenda unserer Kultur- und Bildungsinitiative „Entdecke Design“. Um Heranwachsende als selbstbewusste Konsument*innen und Mitgestalter*innen ihrer Umwelt zu fördern, wurde mit GESTERN. HEUTE. DU. ein innovatives Workshopformat zum Thema Marken und Industriedesign entwickelt und schon in der Pilotphase mit großem Erfolg eingesetzt. Im Fokus stehen Historie und Zukunft, Transfer und Kreativität. Das Wissen zu Entwicklungsprozessen im Design der 1960er Jahre bis heute wird mit konkreten Gestaltungsaufgaben für Produkte der Zukunft vernetzt. Was sinnvolle Funktionen bietet und wirklich gebraucht wird, bestimmen die Arbeitsgruppen. Um den Fortschritt in Ästhetik und Technologien nachzuvollziehen, (heute nutzt man multimediale Tools im Minimalformat statt großer Einzelgeräte), orientieren sie sich an historischen Fotografien aus dem Gebrauchsarchiv des Rat für Formgebung. Vergleiche von Produkten und Marken, Analysen materieller und ideeller Werte fließen in die Ideenwerkstatt für morgen ein. Jedes Team konzentriert sich auf Neuentwicklungen mit einem sozialen Nutzen, die nicht nur „smart“ sind. Rund einhundert Schüler*innen im Alter von 12 bis 19 Jahren aus Gera, Rudolfstadt und Sömmerda nahmen an dem Förderprogramm teil. Das Pilotprojekt wurde von der PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur gefördert, endete am 13. Dezember an der Friedrich-Adolf-Richter-Schule in Rudolfstadt und wird 2020 fortgesetzt.

Stiftung Deutsches Design Museum

Unter den Arbeitsschwerpunkten Fördern, Vermitteln, Sammeln, Diskutieren engagieren wir uns für ästhetische Bildung, mehr Kreativität und ein neues Designverständnis zur Mitgestaltung der Umwelt. Die 2014 gegründete Kampagne „Entdecke Design“ hat bisher über 18.000 Schüler*innen und Multiplikatoren erreicht. Ebenso engagiert sich die Stiftung für ein digitales Museum zum Design der Moderne. Hierfür wird das Historische Fotoarchiv des Rat für Formgebung digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. www.deutschesdesignmuseum.de

Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft wurde 2005 von der Polytechnischen Gesellschaft errichtet. Ganz im Sinne der polytechnischen Ideen engagiert sie sich operativ und fördernd in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Technik, Kultur, Soziales und Bürgerengagement in Frankfurt am Main. www.sptg.de.

PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur

ist eine Initiative der Führungskräfte von PwC Deutschland und wurde 2002 gegründet. Sie fördert innovative Projekte in kultureller, ästhetischer und ökonomischer Bildung. Ihr Fokus liegt auf modellhaften Vorhaben von Kultur- und Bildungseinrichtungen, die sich durch ihre Konzeption und Kreativität, Inhalte und vernetzte Denkansätze oder neue Vermittlungsformen auszeichnen. Durch handlungsorientierte, partizipative Ansätze sollen junge Menschen lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich mit ihrem Werteverständnis auseinanderzusetzen. www.pwc-stiftung.de

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