Projekt “Partnerschule in Südafrika” – Gesamtschule Süd – Essen

Seit dem letzten Schuljahr hat unsere Schule, die Gesamtschule Süd in Essen , eine Partnerschule in Südafrika, in der Provinz Mpumalanga, zu der NRW eine Partnerschaft hat, im Township Mhluzi der Kleinstadt Middelburg, zwei Autostunden entfernt von Johannesburg.

Die Schule heißt Ekwazini Secondary School. Unterrichtet werden die Jahrgänge 7 bis 12, entsprechend dem angelsächsischen Prinzip einer 6 jährigen Grundschule, einer allgemeinen Schulpflicht bis einschließlich Klasse 9 und einer sich anschließenden drei-jährigen Oberstufe.

Die Schulleiterin Mrs. Wilhelminah Masesula lebt selbst im Township, das aus zwei deutlich unterschiedlichen Teilen besteht: einem Teil mit kleinen, einfachen, von der Kommune gebauten Häusern, in der die Familien leben, von denen mindestens ein Elternteil einen Arbeitsplatz hat. Der andere Teil besteht aus Wellblechhütten ohne fließendes Wasser, meist ohne Strom, mit zentralen Toiletten am Straßenrand und vielen ungepflasterten Wegen. Hier sind die meisten Menschen ohne Beschäftigung, leben auf sehr engem Raum, die Kleinkriminalitätsrate (Diebstahl) ist hoch.

Die ca. 850 Schüler der Schule kommen aus beiden Township-Teilen. Da in Südafrika Schulgeld erhoben wird, sind viele Eltern nicht in der Lage, dieses Geld aufzubringen. Weil daraus aber die hauptsächliche Einnahmequelle der Schule besteht, ist klar, dass unsere Partnerschule eine arme Schule ist. Sie besitzt kaum Fachräume: keine Labors für naturwissenschaftlichen Unterricht, keine Kunst- oder Musikräume, keine Turnhalle, lediglich “normale” Klassenräume.

Auch die Lehrer – Schüler – Relation ist viel ungünstiger: Die Schule hat mit insgesamt 25 Lehrerinnen und Lehrer Klassen mit bis zu 55 Lernenden. Auch ist das Eintrittalter der Lehrkräfte viel niedriger als bei uns, in der Regel beginnt man mit 22 Jahren. Nach Aussage der Schulleiterin ergibt dies manchmal ein Problem des Respektes, vor allem bei den höheren Jahrgängen.

Der gesamte Unterricht findet in Englisch statt. Englisch ist in Südafrika die erste offi-zielle Sprache. Insgesamt gibt es außer Afrikaans noch 12 anerkannte Sprachen. Im Gebiet unserer Schule ist Zulu die vorherrschende Muttersprache. Sie wird als Unter-richtsfach angeboten, außerdem noch aus der Sprachenfamilie des Sotho das Sepedi. Viele Schulen bieten auch Afrikaans an, allerdings ist dies rückläufig, weshalb die Ekwazini – Schule keine solchen Kurs eingerichtet hat.

Wie sind wir zu dieser Partnerschaft gekommen?

Begonnen hat alles mit dem Projekt Färbergarten/Färberwerkstatt an unserer Schule.

Der Essener Künstler Peter Reichenbach hat zunächst zusammen mit dem Kunst – LK der Lehrerin Heike Kensy-Rinas während der gesamten Qualifikationsphase “atavi-stische”, also ursprüngliche Malertechniken erarbeitet und praktisch erprobt. Kernstück dabei war das Gewinnen und Herstellen von Farben aus Pflanzen. Zu unserer Überra-schung gibt es sehr viel mehr einheimische Pflanzen mit färbenden Eigenschaften als die vielleicht noch bekannten wie Waid oder Krapp. Holunder, Löwenzahn, Rotkohl, Hibiskus und Berberitze sind nur einige Pflanzen, aus denen mit geringen chemischen Mitteln haltbare Farben auf entsprechendes Trägermaterial wie Kreide, Öl oder Wachs aufgetragen werden können.

Mit der Unterstützung der “Arbeitsstelle Weltbilder” in Münster (Leitung durch die Promotorin des Landes NRW Frau Elisabeth Mars) starteten wir unter Federführung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unser Projekt, zusammen mit zwei weiteren Schulen, der Grundschule Königshofer Weg in Wuppertal und der Hauptschule Am Dahlbusch in Gelsenkirchen . Die drei Schulen legten einen Färbergarten an und machten sich an den Aufbau einer Färberwerkstatt.

An unserer Schule wird dieser Garten im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit unserem Schulteich, dem sog. Biotop, überwiegend von dem Lehrer Stefan Zarnikow betreut. Eine Färberwerkstatt ist im Aufbau. In der Zwischenzeit wird das Pflanzenmaterial in den Fachräumen der Chemie extrahiert, haltbar gemacht und auf entsprechendes Trägermaterial aufgetragen.

Uns liegt die Wiederentdeckung und Nutzbarmachung von Pflanzen mit färbenden Eigenschaften für den Unterricht und im täglichen Leben am Herzen. Durch die Einrichtung von Färbergarten und Färberwerkstatt geben wir unserem Unterricht eine neue Struktur. Wir stellen Mittel für die Buchmalerei, Wand-, Stoff- und Aquarellmalfarben, Wachsmalstifte, Tuschen und Kosmetika her. Wir machen deutlich, dass viele Fertigprodukte auch selbst hergestellt werden können.

Dabei geht es nicht im Autarkie, sondern um nachhaltiges Lernen : durch genaue Betrachtung sich die Dinge in ihren Elementen wieder anzueignen, zu experimentieren, historisches Wissen zu nutzen Ergebnisse zu präsentieren, im Team zu arbeiten und den eigenen Selbstwert, das Selbstbewusstsein zu stärken. Neben dem Fach Kunst erhalten Fächer wie Geschichte, Biologie, Chemie und Physik eine neue Attraktivität.

Die Einrichtung von Garten und Werkstatt fördert den Mut, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, Verantwortung für das eigene Tun, die eigene Arbeit zu entwickeln, Interesse an Forschung und Wissen zu wecken.

Durch die Schaffung eines Netzwerkes wird verlorenes Wissen wieder nutzbar gemacht. Unsere Schüler werden zu Experten, die anderen Wissen vermitteln können.

Dies allein wäre schon ein wunderbares Projekt, bei dem viele Altersstufen und Fächer zusammen kooperieren können: Die Pflege des Gartens für die unteren und mittleren Jahrgänge, z.B. im Hauptfach Wahl – Pflicht I Naturwissenschaften; die Gewinnung der Farbe durch physikalisch-chemische Verfahren für die mittleren und höheren Jahrgänge und natürlich die Nutzung der Farbe im Kunstunterricht aller Jahrgänge, einschließlich der Oberstufe.

Der besondere Clou und das gewisse Etwas bei diesem Projekt ist aber

die Zusammenarbeit mit Partnerschulen in Südafrika.

Das Wissen um Färberpflanzen und ihre Verwendung in der Kunst wird mit drei Schulen im Township Mhluzi geteilt. Die Wuppertaler- und die Gelsenkirchener Schule haben jeweils zu einer Primary – School eine Partnerschaft aufgebaut. Unsere Partnerschule ist, wie eingangs erwähnt, die Ekwazini Secondary School. Alle drei Schulen liegen so eng beieinander, dass ein guter Austausch zwischen ihnen möglich ist.

Die Promotorin beantragte erfolgreich Fördermittel zum Aufbau einer exemplarischen Färberwerkstatt in Wuppertal, Gelder für die Partnerschulen im Township und vor allem für die Herausgabe zweier Bücher zur Dokumentation des Projekts. Das erste Buch, das die Entwicklung in NRW beschreibt, ist bereits erschienen, das zweite Buch mit der Ent-wicklung im Township ist in Arbeit.

Sowohl die Schulen hier als auch die Schulen dort werden von einem Künstler, der Erfahrungen mit färbenden Pflanzen und ihrer Verwendung besitzt, fachkundig unter-stützt. Für uns ist dies Herr Peter Reichenbach.

Leider ist es zwischen ihm und der Projektleitung in Münster zu einem tiefgreifenden Dissens gekommen, der dazu geführt hat, dass er “offiziell” nicht mehr mitarbeiten kann.

Da wir als Schule aber die besten Erfahrungen mit ihm gemacht haben und auch den Konflikt nicht nachvollziehen können, arbeiten wir weiterhin mit ihm zusammen.

Von Seiten der Arbeitsstelle Weltbilder ist als weitere Künstlerin Helena…..mit der Unterstützung der Schulen beauftragt.

Im Township Mhluzi ist es der Künstler John Mkhwanazi , der bei einem Besuch bei Peter Reichenbach den Umgang mit Färberpflanzen gelernt hat und der an allen drei Schulen regelmäßige Workshops mit Schülern macht.

Der Ausbau der Färbergärten ist an den drei Schulen unterschiedlich weit gediehen, aber alle drei Schulen sind begeistert von dem Projekt.

Erste Erfahrungen mit der Partnerschaft

Ich durfte in diesem Jahr zweimal dort zu Besuch sein.

Bei ersten Mal in April begleitete mich Frau Kensy-Rinas. Gleichzeitig fand ein Qualifi-zierungsworkshop für die Lehrer der drei Schulen statt, den die Promotorin durchführte. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle drei Schulen ein Gelände für ihrem Färbergarten auf dem Schulgelände ausgewiesen.

Bei meinem zweiten Besuch im Juli konnte ich den z.T. erstaunlichen Fortschritt der Arbeit sehen. Vor allem an “unserer”, der Ekwazini – Schule ist unter der Leitung eines Lehrers ein sehr schöner Garten entstanden. Auch die künstlerische Arbeit hat deutliche Fortschritte gemacht: Schüler verschiedener Altersgruppen haben Masken, Grußkarten und Bilder hergestellt, die demnächst auf einem Bazar verkauft werden sollen.

Mehrere Englischlehrer unserer Schule werden im kommenden Schuljahr mit ihren Klassen und Kursen Brief – Kontakte zu Klassen und Kursen der Partnerschule aufnehmen. Im Augenblick besitzt die Schule noch keinen Email-Anschluss, dies soll aber bald geschehen, so dass der Austausch dann zügig und direkt möglich ist.

Geplant ist der Gegenbesuch von Schulleiterin und einigen Lehrern an unserer Schule im nächsten Sommer. Dafür müssen nun Sponsoren gefunden werden, was in heutiger Zeit sicher nicht einfach ist.

Unsere Schüler haben beim “sponsored run”, der bei uns bereits Tradition hat, 2000 Euro für die Schule erlaufen, eine Summe, die ich im Juli überreichen durfte und die hoch willkommen ist für die Weiterführung der Pflasterung des Schulgeländes, das jetzt zu großen Teilen noch aus roter Erde besteht, die sich bei Trockenheit in Staub und bei Regen in Matsch verwandelt.

Ein besonderes Highlight, zum Ende erwähnt, ist das für den Herbst geplante

Theaterprojekt.

Eine Studentin der Theaterpädagogik aus Essen wird im Herbst dort mit Schülern der Schule ein vierwöchiges Theaterprojekt durchführen als praktischen Teil ihrer Diplom-arbeit. Dabei sollen die Schüler und Schülerinnen selbst das Thema und seine Durchführung bestimmen. Die Studentin kann verschiedene Techniken anbieten, z. B. mit unterschiedlichen Masken arbeiten, mit Musik und Tanz oder mit Gesang. Sie kann bei der Schulleiterin wohnen und wird so viel über das Alltagsleben von Lehrern und Schülern erfahren können.

Das bringt wieder ein neues fruchtbares Element in die Partnerschaft.

Über den Fortgang des Projektes wird berichtet.

www.gesamtschulesuedessen.de

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