„Rheines Wasser“: Extremsport, Wissenschaft und Umweltschutz verbinden

Professor der Hochschule Furtwangen durchschwimmt den Rhein von der Quelle bis zur Mündung, um die Wasserqualität zu untersuchen

Quelle: Braxart/Hochschule Furtwangen, Projekt Rheines Wasser.
Quelle: Braxart/Hochschule Furtwangen, Projekt Rheines Wasser.

„Ein bisschen verrückt bin ich schon“, lacht Andreas Fath, Professor für Physikalische Chemie und Analytik mit dem Schwerpunkt Umwelttechnik an der Hochschule Furtwangen (HFU). Das muss er auch sein, denn der Chemiker will in diesem Sommer den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwimmen. Ein Vorhaben, das bislang nur der Bonner Klaus Pechstein im Jahr 1969 geschafft hat. Der Schweizer Ernst Bromeis musste 2012 seinen Versuch abbrechen.

Doppelte Herausforderung

Seit einem Jahr bereitet sich Professor Fath, der seit den 1980er Jahren Langstreckenschwimmen erfolgreich als Leistungssport betreibt und 2012 in seiner Altersklasse Deutscher Meister wurde, intensiv auf das Rheinschwimmen vor. Dabei geht es ihm, wie der Projekttitel „Rheines Wasser“ schon deutlich macht, eigentlich gar nicht so sehr um die sportliche Herausforderung. „Als Langstreckenschwimmer habe ich eine geradezu leidenschaftliche Beziehung zum Wasser entwickelt, die auch mein besonderes Interesse als Wissenschaftler an diesem Element begründet hat“, berichtet er. „Natürlich stellt mich der Fluss auf die Probe, aber auch ich werde den Rhein beproben, weil mich interessiert, wie es um die Güte des Flusswassers von den Alpen bis zur Nordsee bestellt ist.“

Für effektiven Gewässerschutz sensibilisieren

Dabei ist es auch ein Ziel des Vorhabens, die hohe öffentliche Aufmerksamkeit zu nutzen, um das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Kostbarkeit der Ressource Wasser und einen effektiven Gewässerschutz zu stärken. Auf 1.231 Flusskilometern wird Andreas Fath den Rhein beproben. Eine Analyse, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Furtwangen sowie Partnern vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe, dem Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland, der Universität Bayreuth, der Schweizer EAWAG und dem niederländischen Wetsus Institut wird Andreas Fath das Wasser des Rheins unter verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen analysieren. Die täglich beim Schwimmen gezogenen Wasserproben werden unter anderem auf Industriechemikalien, Hormone, Antidepressiva, Süßstoffe, Antibiotika, Schmerzmittel, Drogen, Krankheitserreger und Mikroplastik untersucht. Zudem misst das Projektteam Fließgeschwindigkeit, pH-Wert, Leitfähigkeit und die Temperatur des Flusswassers. Wir erwarten uns zahlreiche neue wissenschaftliche Erkenntnisse“, erkärt Andreas Fath, „so etwa zur Frage, inwiefern das Rheinwasser von der Quelle bis zur Nordsee durch Mikroplastik- Abfälle belastet wird.“ Aber auch hinsichtlich der Frage, in welchen Bereichen sich die Gewässergüte in den letzten Jahren günstig entwickelt hat. „Nach der Bestandsaufnahme durch unsere Rhein-Vermessung und einer anschließenden Ursachenforschung bleibt es langfristig mein wesentliches Ziel“, so Fath, „Systeme und Prozesse zu entwickeln, die kritische Substanzen abbauen, bevor sie überhaupt in Gewässer gelangen. So wie mir dies mit einem Filterverfahren für Perfluorierte Tenside bereits gelungen ist.“

Erste Forschungsergebnisse beim Hansgrohe Wassersymposium

Ergebnisse von Schnelltests der Rhein-Vermessung werden Andreas Fath und das Projektteam bereits während des Schwimmens vorlegen. Ausführlich berichten über die Forschungsresultate wird der Chemie-Professor erstmals öffentlich auf dem „7. Hansgrohe Wassersymposium“, das die Hansgrohe SE, Hauptunterstützer des Projekts, am 13. November 2014 in Schiltach/Schwarz- wald veranstaltet.

Live und online mit dabei sein

Interessierte können die Startvorbereitungen und den Verlauf des Projekts ab Anfang Juli 2014 online über die Website www.rheines-wasser.eu und den dort integrierten „Rheines Wasser“-Blog verfolgen. Entwickelt und redaktionell betreut wird beides von Studierenden der HFU. „Wir freuen uns natürlich ebenso über viele Neugierige und Unterstützer, die unser Projekt live entlang des Rheins verfolgen und uns bei unseren Zwischenstopps besuchen“, betont Andreas Fath. Ausdrücklich warnt er jedoch mögliche Nachahmer, die ihn schwimmend begleiten wollen. „Der Rhein ist ein mächtiger Strom, der selbst für geübte Schwimmer voller Gefahren steckt. Ich bitte daher alle dringend darum, darauf zu verzichten, mit mir mitzuschwimmen. Mir ist deutlich mehr geholfen, wenn ich vom Ufer aus angefeuert werde.“

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