Rückläufige Schülerzahlen – was nun?

Foto: pixabay.com
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Ausgangssituation:

Bei verschiedenen Schulen, insbesondere bei Privatschulen, Gymnasien und Gesamtschulen haben sich seit einiger Zeit die Schülerzahlen rückläufig entwickelt.

Die Untersuchung der Ursache für diese Entwicklung verfolgt einerseits das Ziel, die Attraktivität der Schule(n) zu erhöhen und eine Verbesserung des schulischen Alltags herbeizuführen. Andererseits soll sie jedoch auch Grundlage für eine neue strategische Ausrichtung von Schule(n) sein und zu Überlegungen Anlass geben, inwieweit konkrete Erfahrungen aus der Wirtschaft auf Non-Profit-Organisationen übertragbar sind.

Schule als Dienstleistungsunternehmen hat die Aufgabe, ihren Schülern (= Kunden) eine möglichst umfassende und zeitgemässe Ausbildung zukommen zu lassen, sie aber auch optimal auf das spätere reale Leben (Studium/Beruf) vorzubereiten. Dies bedeutet auf der einen Seite die Vermittlung eines guten Allgemeinwissens und auf der anderen Seite die Herstellung eines Praxisbezuges für das reale Leben. Die immer wichtiger werdenden Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kreativität, Innovationsfähigkeit und Empathie stehen hierbei im Mittelpunkt. Diese besonders von der Wirtschaft eingeforderten Fähigkeiten sind jedoch nur dann leistbar, wenn das Lehrpersonal voll motiviert ist und darüber hinaus ein enger Schulterschluss mit der Elternschaft besteht. Ein weiterer massgeblicher Baustein für einen zukunftsweisenden Unterricht stellt die finanzielle Ausstattung und somit die Infrastruktur der Schule dar, welche allerdings im Kontext der bestehenden Haushaltslage zu bewerten ist.

Bewertungs-und Analysegrundlage:

Die nachfolgend dargestellten Erläuterungen basieren auf Erfahrungen und Beratungen von Schulen, die mit rückläufigen Anmeldezahlen von Schülern zu kämpfen haben sowie aus langjährigen Erfahrungen im Bereich der Wirtschaft. Hierbei steht nicht in erster Linie die Institution – Profit bzw. Non-Profit-Organisation – im Vordergrund, sondern vielmehr das Verständnis und die professionelle Umsetzung des Begriffes ” Diensleistungsunternehmen “.

Vorgehensweise und Schritte zu “Neuen Ufern”:

Die Ergebnisse der Befragungen, Workshops und Gespräche gliedern sich in nachfolgende Arbeitsschritte:

  1. Allgemeine Informationen über die Schule und ihr lokales Umfeld
  2. Fragen zum Lehrangebot und zur Lehrqualität
  3. Ausserschulische Aktivitäten
  4. Interne und externe Informations-und Kommunikationspolitik der Schule
  5. Aussagen zur schulischen Infrastruktur ( Gebäude/Ausstattung )
  6. Aus der Ist-Analyse leitet sich die Soll-Konzeption für die Zukunft ab.

Zu 1. Hier müssen Antworten auf nachfolgende Fragen gegeben werden:

  • Wie entwickelt sich die zu untersuchende Stadt/Stadtteil, in der sich die Schule befindet?
  • Wie ist die Wirtschaftsentwicklung in der Region?
  • Welchen Stellenwert hat Bildung für Politik und Verwaltung?
  • Wie sind die Strukturdaten im Stadtteil?
  • Wie ist die Bevölkerungsentwicklung im Stadtteil?
  • Welches sind die Hauptwirtschaftszweige und wie sehen Arbeitsplatzperspektiven aus?
  • Wie sind die Strukturdaten der zu untersuchenden Schule ( Schüler, Mitarbeiter, Finanzen, Angebote der Schule, Schüler/SV, Eltern(pflegschaft), Förderer, Profil der Schule )?

Zu 2. Der Umfang des Lehrangebots und dessen Qualität ist für die meisten Eltern als Entscheidungsgrundlage wichtig. Viele Schüler wiederum würden gerne Fächer wählen, die jedoch nicht angeboten werden konnten. Dennoch gibt es interessante Ansätze, die die Lehrqualität erhöhen, wie beispielsweise aktivere Einbeziehung der Schüler in den Unterricht, stärkerer Praxisbezug, Aufnahme aktueller Themen, Gruppenarbeit, Projektarbeit und Rollenspiele.

Zu 3. Die Bedeutung ausserschulischer Aktivitäten sowie eine damit einhergehende Berufsvorbereitung nimmt sowohl bei Schülern als auch bei Eltern zu. Ein umfangreiches Angebot an Arbeitsgemeinschaften ist deshalb ebenso wichtig wie ein verbindliches Praktikum. Eine Anzahl von Unternehmen bietet Schülern die Möglichkeit, das Unternehmen einmal persönlich kennenzulernen in Form von Betriebsbesichtigungen, Schnuppertagen, Ferienjobs und Betriebspraktika. Diese Chancen sollten zukünftig stärker genutzt werden.

Zu 4. Die interne und externe Informations-und Kommunikationspolitik der Schule lässt relativ schnell Rückschlüsse über Aktivitäten der Schule zu. Wie, wann und in welcher Form werden die wichtigen Zielgruppen ( Schüler, Eltern, Fördervereine, andere Schulen, Universitäten, Politik, Öffentliche Verwaltung, Unternehmen ) erreicht? Ergeben sich in der Aussendarstellung Mängel, ist man mit der örtlichen Presse stark genug positioniert? Wie erreicht man die umliegenden Firmen, um auf sich aufmerksam zu machen und um in Kontakt mit ihnen treten zu können? Welche Schulbroschüren, Zeitschriften und sonstige Printmedien gibt es?

Zu 5. Hier erfolgt nun eine Bestandsaufnahme der Baulichkeiten sowie der technischen Ausstattung der Schule. Neben einer guten Verkehrsanbindung ist die leichte Erreichbarkeit der Schule für viele Eltern ein entscheidendes Kriterium. Für die Schüler wiederum ist der Zustand der Gebäude sowie modernes Mobiliar ein entscheidender Faktor ebenso wie die technische Ausstattung der Schule mit innovativen Lehr-und Lernmitteln.

Immer wieder konnten wir bei unseren Besuchen ” vor Ort ” feststellen, dass die meisten Schulen schlecht zu finden sind und über zu wenig Hinweisschilder verfügen. Auch findet man mitunter den Namen der Schule am Schulgebäude entweder gar nicht oder an einer schlecht einsehbaren Stelle angebracht.

Dies hinterlässt sofort bei ausserschulischen Partnern, die zum ersten Mal die Schule besuchen wollen, einen eher negativen Eindruck.

Zu 6. Aus der Bestandsaufnahme heraus, gilt es nun Empfehlungen und Ziele für die Zukunft zu erarbeiten, um der Schule eine zukunftsweisende Perspektive zu geben und damit den sinkenden Anmeldezahlen entgegenzuwirken. Wie bereits eingangs erwähnt, betrachten wir Schule als Dienstleistungsunternehmen, die sich mit Beziehungen zwischen vorgelagerten Schulsystemen ( = Lieferanten ) und Schülern/Eltern ( = Kunden ) auseinandersetzen müssen.

Wie in jeder Organisation bestimmen nachfolgende Faktoren den Ruf und damit die Attraktivität einer Schule:

Hard Facts (Schwer veränderbar):

  • Fachliche u. persönliche Qualität des Lehrpersonals
  • Lehrangebot und Lehrqualität

Medium Facts (Veränderbar):

  • Ausserschulische Aktivitäten
  • Informations-u. Kommunikationspolitik
  • Elternengagement
  • Internationaler Schüleraustausch

Soft Facts (Bedingt veränderbar):

  • Finanzielle Ausstattung
  • Schulische Infrastruktur

Abschliessend sollen einige Empfehlungen gegeben werden, die in der Wirtschaft seit Jahren erfolgreich eingesetzt und auf das Dienstleistungsunternehmen Schule transferiert werden können :

Aufbau und Pflege zu ausserschulischen Partnern
Umsetzung:
Sponsoringmöglichkeiten nutzen; Vorträge halten lassen
Ziel:
Steigerung der Finanzkraft und Erhöhung der Attraktivität der Schule

Stärkere Einbeziehung der Elternschaft
Umsetzung:
Vorstellung von Berufsbildern durch die Eltern
Ziel:
Stärkere Identifikation der Eltern mit der Schule

Einführung eines schulischen Vorschlagswesens
Umsetzung:
Visualisierung und Prämierung von Verbesserungsvorschlägen
Ziel:
Permanenter Verbesserungsprozess

Institutionalisierung eines Beschwerdemanagements
Umsetzung:
Rollierende Beschwerdeklassen
Ziel:
“Beschwerde als Chance zur Verbesserung” nutzen

Regelmässige Lehrerbeurteilung durch die Schüler
Umsetzung:
Ranking der beliebtesten Lehrer
Ziel:
Gestaltung eines attraktiven Unterrichts

Wenn Sie weitere Fragen haben, so stehen wir Ihnen gerne für ein erstes unverbindliches und natürlich kostenloses Informationsgespräch zur Verfügung. Rufen Sie uns an unter:

BEO.M Unternehmensberatung
Am Haus Bey 12
41334 Nettetal
Fon: 0172-9988517
eMail:info@wissensschule.de

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