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Sebastian Fitzek: 5 Fragen — 5 Antworten

6. Oktober 2016

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Sebastian Fitzek (1971 in Berlin geboren) ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren für Psychothriller. Seit 2006 schreibt er Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Bis heute lebt und arbeitet er in seiner Heimatstadt.


1. Haben Sie bereits als Kind bzw. Jugendlicher für sich realisiert, dass das Schreiben einmal Ihre große Passion wird?

Ich kann mich dunkel an eine Phase in der vierten Klasse erinnern, da habe ich meinen Mitschülern erklärt, dass ich später einmal Schriftsteller werden würde. Und meine Eltern erzählten sich die Anekdote, dass ich als Kind eine Weile lang an meiner Zimmertür ein Schild mit der Aufschrift „Sebastian Fitzek – Autor“ hängen hatte.

Aber das war nur für eine kurze Zeit. Sehr viel länger und intensiver träumte ich davon, Tennisspieler oder Schlagzeuger zu werden.

2. Sie haben Jura bis zum ersten Staatsexamen studiert. Wie sind Sie nach einer solchen Ausbildung überhaupt zum Schreiben gekommen?

Wie fast jeder Autor: durch das Lesen. Das ist seit meiner Grundschulzeit mein liebstes Hobby. Und dann fragt sich wahrscheinlich jeder Leser irgendwann, ob ihm nicht auch einmal eine gute Idee für ein eigenes Buch einfallen würde.

Meistens kommt dann als Initialzündung eine berufliche oder private Unzufriedenheit dazu, die man verarbeiten will. Es ist ja auch logisch, dass man erst einmal etwas Emotionales erlebt haben muss, bevor man darüber schreiben kann.

Bei mir war das in einer Zeit, in der ich beruflich sehr viel unterwegs war und für verschiedene Radiosender als Programmberater tätig war. (Als Jurist habe ich nie gearbeitet, weil mich das Schaffen kreativer Inhalte schon immer mehr interessiert hat als ihre Verwaltung.) 

Damals hatte ich immer wieder Leerzeiten in Hotels oder in der Bahn und bemerkte, dass Berater nicht mein Beruf ist. Ich wollte lieber für etwas stehen, das meinen Namen trägt. Ein Buch erschien mir dafür das Richtige zu sein.

3. Seit dem Jahr 2006 schreiben Sie Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Woher nehmen Sie den Stoff bzw. was inspiriert Sie so sehr an Psychothrillern ?

Das geschieht immer aus dem Alltag heraus. Zum Beispiel erzählte mir ein Bekannter, dass das Jugendamt sein Pflegekind, das er und seine Frau schon seit Jahren liebevoll bei sich hatten, an die leiblichen Eltern zurückführen wollte. Diese standen aber im Verdacht, das Kind als Baby misshandelt zu haben. Sofort stellte ich mir die Frage, wie ich als betroffener Pflegevater reagieren würde. Solche Themen und Fragen lassen mich dann nicht mehr los und in „Das Joshua-Profil“, das Ende Oktober 2015 erscheinen wird, habe ich das verarbeitet.

4. Auch Ihnen ist sicherlich der  Wunsch einer damals 17-jährigen Kölner Schülerin nach "mehr lebensnahem Unterricht"  (Focus-Link) nicht entgangen. Sollte in unserem Schulsystem nicht auch mehr auf die individuellen Stärken und Neigungen der Schüler eingegangen und diese stärker gefördert werden als nur "bekopfnotet" zu werden?

Ich denke, das sind zwei verschiedene Fragen. Lebensnah sollte ein Unterricht natürlich immer sein, aber ich halte nichts davon, die Anfertigung einer Steuererklärung in der Schule zu üben. Fast im Gegenteil. Wir brauchen keine neue Generation, die weiß, wie man Werbungskosten absetzt, sondern denkenden Nachwuchs, der das gesamte Steuersystem in Frage stellt; besser noch die gesamte Wirtschaftsordnung. Wobei „in Frage stellen“ nicht gleichzeitig „ablehnen“ heißen muss, wohl aber kritisches Diskutieren und Alternativen abwägen.

Wir produzieren doch ohnehin, gerade in den sogenannten Eliteschulen und Unis, stromlinienförmige Menschen, die nur noch „funktionieren“. Kritisches Denken fällt wegen der Fülle des zu lernenden Stoffes komplett unter den Tisch, weswegen sich zum Beispiel Jura- Studenten kaum noch mit Rechtsethik oder Rechtsgeschichte auseinandersetzen. Das wird im Examen selten oder nie geprüft. Dadurch züchten wir aber „funktionierende“ Arbeitskräfte, die den Rahmen, den sie ausfüllen, eben nicht mehr in Frage stellen. Mit schlimmen Folgen: Die meisten Entscheidungsträger, die die Weltwirtschaftskrise verursacht oder zu spät gesehen haben, kommen von ähnlichen Schulen und Universitäten. Sie waren blind für die Anzeichen der Katastrophe und haben bis heute keine Handhabe dagegen.

Der in der Schule gelehrte Stoff sollte das Rüstzeug zum kritischen Denken vermitteln. Wer das beherrscht, wird nach der Schule kaum Probleme mit seiner Steuererklärung haben.

Dennoch ist unser  Bildungssystem ein von Menschen geschaffenes Konstrukt, das immer und immer wieder überprüft, entwickelt  und verbessert werden muss, insofern finde ich die von der Schülerin angeregte Diskussion sehr wünschenswert.

Könnten nicht  zum Beispiel die Kenntnisse, die der Lateinunterricht vermittelt, auch durch das Lernen einer lebendigen romanischen Sprache wie Spanisch erzielt werden? Oder warum sollte Rhetorik nicht ein Teil des Unterrichts sein?  Ein Kurs aber dazu, wie man bügelt oder eine Banküberweisung tätigt hingegen, gehört für mich in den privaten Bereich, für den die Schule unseren Kindern allerdings auch die notwendigen Freiräume lassen muss.

5. Was rät der erfolgreiche Psychothriller-Autor jungen Menschen, die ihre besonderen Fähigkeiten für das Schreiben entdecken und wie können sie gefördert werden?

Zu dieser Frage könnte man eine mindestens zwölfbändige Abhandlung schreiben und hätte sie vermutlich immer noch nicht beantwortet. Hier nur einige wenige Tipps:

Kreatives Schreiben ist am Anfang wie Fahrradfahren. Sie können noch so viele Bücher darüber lesen, wie es geht, noch so viele Theoriekurse besuchen – wenn Sie sich nicht einfach mal auf den Sattel setzen und es ausprobieren, werden Sie es nicht lernen. Jeder Autor sollte also eines tun: Schreiben. So oft und so viel wie nur irgend möglich.

Das klingt banal, aber gerade in Deutschland gilt es ja als vornehm, wenn sich ein Autor jahrelang Zeit lässt mit seinem neuen Werk, während Schriftsteller wie Stephen King, die mitunter mehrere Bücher pro Jahr veröffentlichen, als Vielschreiber verpönt sind.

Häufig wird angehenden Autoren sogar geraten, sich Zeit zu lassen. Das kann im Einzelfall richtig sein, hier muss jeder seinen ganz persönlichen Rhythmus finden. Aber im Grunde ist professionelles Schreiben wie Hochleistungssport: Sie müssen permanent, fast wie ein Besessener, trainieren – damit Sie Fehler machen, aus denen Sie lernen können. Um im Bild zu bleiben: Ich kenne keinen Profifußballer, dem man nach einem gewonnen Champions League-Finale gesagt hätte, dass er jetzt mal eine Zeitlang Pause machen solle, weniger trainieren und es bei den künftigen Spielen ruhiger angehen lassen.

Also, schreiben und veröffentlichen Sie so viel wie möglich. Stellen Sie sich der Kritik. Nicht den professionellen Neidern, die Ihnen ohnehin den Erfolg nicht gönnen, sondern den Menschen, denen etwas an Ihnen liegt. Die wollen, dass Sie besser werden, und werden Ihnen deshalb keinen Honig ums Maul schmieren und auf der anderen Seite wird ihre Kritik niemals geäußert werden, um Sie zu verletzen. Im besten Fall finden Sie einen derartigen Sparringspartner in Ihrer Lektorin oder Ihrem Lektor.

Überarbeiten Sie Ihr Werk vor der Veröffentlichung so oft es nur geht. Der erste Entwurf ist immer Mist. Und selbst wenn er es nicht sein sollte, könnten Sie durch die Überarbeitung aus etwas Fabelhaftem etwas Unvergessliches erschaffen.

Schließlich, mein Haupttipp: Leben Sie.

Auch wenn sich ein Großteil Ihres Lebens am Schreibtisch abspielt - die Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden, tun das nicht. Wenn Sie also nicht gerade beim Schreiben sind, dann gehen Sie raus in das echte Leben (das Internet ist kein Ersatz!), und machen Sie es so, wie die Helden in Ihren Romanen: Tun Sie Dinge, die man nicht von Ihnen erwartet. Überraschen Sie sich selbst, erschließen Sie sich neue Erlebniswelten. Dann wird die Quelle Ihrer Inspiration nicht abreißen.

Eine Sache gibt es, die Sie nicht tun sollten: Schicken Sie Ihr Erstlingswerk nie an einen Verlag. Verlage bekommen am Tag bis zu zwanzig unverlangt eingesandte Manuskripte. Wer soll die lesen? Richtig, das schafft niemand. Sie bekommen mit großer Wahrscheinlichkeit ein Formschreiben als Ablehnung zurück und schon ist Ihr Name im Computer mit dem Vermerk „abgelehnt“ gespeichert.

Heutzutage ist es wichtig und richtig, einen guten Literaturagenten an seiner Seite zu haben, der im Vorfeld mit Ihnen am Manuskript arbeitet, die Verlage sondiert und Ihr Manuskript gezielt platziert.

Ich habe meinen über das Internet gefunden, ohne Roman Hocke wäre ich jetzt nicht dort, wo ich jetzt bin.

Veröffentlicht am 6. Oktober 2016

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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