Studium Agrarökonomik – mein Erfahrungsbericht

Foto: agrar.hu-berlin.de
Foto: agrar.hu-berlin.de

Als ich im Herbst 2011 mein Studium der Volkswirtschaftslehre (VWL) an der Freien Universität Berlin (FU) aufnahm, war ich mir noch gänzlich im Unklaren darüber, wohin mich dieses Studium einmal führen soll. Ausgestattet mit weder einem konkreten Berufswunsch noch konkreten Erwartungen an das Studium selbst, habe ich einige Semester gebraucht um mich in das sehr theoretische Studium der VWL einzufinden. Nach ca. 5 Semestern und einem Auslandaufenthalt in Schweden war mir klar: VWL allein reicht mir nicht. Es ist zu realitätsfern, zu theoretisch, zu unpolitisch. Als es also darum ging, mich nach einem Mastersemester umzugucken, schaute ich in alle Richtungen: Development Economics in Göttingen, European Studien in Flensburg und Agrarökonomik in Berlin.

Es war eher meine Liebe zu Berlin als meine Überzeugung zum Studium der Agrarökonomik, die mich schließlich den Weg an die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) einschlagen ließ. Wie sich schnell herausstellte, war das die beste Entscheidung die ich hätte treffen können!

Das Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften liegt am Campus Nord der HU und könnte kontrastreicher nicht sein zu meinem vorherigen Studium an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FU. Es ist klein, gemütlich, studentisch geprägt und mit Professoren ausgestattet, die sich tatsächlich für den Input von Studierenden begeistern können. So wird viel in Seminaren diskutiert, gearbeitet und sich unterstützt. Man muss zugeben, dass das erste Semester für mich als Volkswirtin nicht gerade fordernd war. Es wurde viel wiederholt um auch die Agrarwissenschaftlicher auf einen soliden Stand zu bringen. So habe ich mir grade in den ersten Semestern mehr Input zum Thema Agrarwissenschaften und weniger Wiederholung der Lagrange-Methode gewünscht. Letztendlich aber konnte man nach Abschluss des ersten Semesters mit den Wahlkursen seinen eigenen Weg einschlagen, da der Master sehr frei gestaltet werden kann. 30 ECTS sind Pflichtmodule, 30 ECTS sind Wahlpflichtmodule und 30 ECTS sind völlig frei wählbar. Die letzten 30 sind dann die Masterarbeit.

So konnte ich ab dem zweiten Semester meinen Frust des „Nichts neuen Lernens“ ablegen und mir Kurse aussuchen, die mich im Bereich der Agrarwissenschaften oder im Bereich der Agrarpolitik schulen. So bin ich immer überzeugter geworden, das ich in diesem Studium viel über die Themen lerne, die im Angesicht einer stetig wachsenden Weltbevölkerung, der drohenden Klimaerwärmung und immer lauterer werdenden Stimmen gegen die konventionelle Landwirtschaft, von großen weltpolitischer Bedeutung sind!

Neben guten Professoren und spannenden Fächern lernt man auch viele unterschiedliche Menschen im Studium kennen. Vom militanten Öko bis zum militanten Bauern ist alles vertreten. Es findet, auch wenn sich auf vielen Ebenen grundlegende Differenzen auftuen, stets ein reger Austausch der Studierenden statt.

Im Endeffekt kann ich nun, kurz vor meiner Masterarbeit sagen, dass sich das Studium der Agrarökonomik am Albrecht Daniel Thaer-Institut der Humboldt Universität zu Berlin auch für Volkswirt*innen lohnt. Der Studiengang, vor allem das Grundstudium ist besser auf Agrarwissenschaftler*innen ausgelegt, nicht desto trotz ist das Studium spätestens ab dem zweiten Semester auch für politisch und praxisorientierte Volkwirt*innen besten geeignet.

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